Die schönsten Urlaubslieben : Nach drei Tagen unendlich verliebt!

Gitarre am Strand, salzige Küsse und am nächsten Tag ein bisschen Scham. Sechs Autoren erinnern sich an Flirts in den Ferien.

Emma Schulz Julia Brenner
Das Foto stammt aus dem Bildband "Italian Holidays" von Claude Nori, erschienen im Sturm&Drang-Verlag.
Das Foto stammt aus dem Bildband "Italian Holidays" von Claude Nori, erschienen im Sturm&Drang-Verlag.Foto: Sturm&Drang-Verlag

Stella Cadente heißt Sternschnuppe

Der Strand lag ein gutes Stück westlich von Calvi auf Korsika. Da sah ich sie, dunkle Locken, bezauberndes Lachen, sehr weiße Zähne. Sie klimperte auf einer Gitarre herum, das störte mich ein bisschen. Gitarrenspieler an Stränden ziehen zu viele Leute an und sind außerdem sehr mit ihrem Instrument beschäftigt. Aber diese Locken. Es begann zu dämmern, irgendjemand zündete ein Lagerfeuer an. Jetzt saßen eindeutig zu viele Leute hier.

Sie sprach Italienisch, ich verstand kein Wort, trotzdem machte ich mich daran, in ihre Nähe zu rücken. Irgendwann saß ich neben ihr, endlich legte sie die Gitarre weg. Und dann versuchte sie tatsächlich, mir Italienisch beizubringen. „Stella Cadente“ heißt Sternschnuppe und „Via Lattea“ Milchstraße, weiß ich heute noch. Sie hieß Antonella und kam aus Bologna.

Wir erzählten uns in seltsamem Englisch seltsame Geschichten, ich rückte noch ein bisschen näher. Plötzlich tauchten zwei junge Männer auf. Einer war ihr Bruder, keine Ahnung, wer der andere war. Sie sprachen sehr schnell, es kamen weder die Worte „Milchstraße“ noch „Sternschnuppe“ vor, weshalb ich kaum etwas verstand. Sie ging mit den beiden zurück zum Zeltplatz, ihre Schritte verloren sich im knirschenden Sand. Sand mag ich eigentlich auch nicht.

Am nächsten Morgen war ihr Zelt weg. Ich hatte ein bisschen die Urlaubslust verloren, ein paar Tage lang, bis ich Antonella vor einem Waschhaus auf einem Campingplatz im Landesinneren wiedersah. Wir kamen noch dazu, Adressen auszutauschen, schon waren die Jungs erneut zur Stelle.

Zu Hause schrieb ich einen Brief. Sie hat nicht geantwortet. Mir war das so peinlich, dass ich nie wieder darüber sprach. Es war 1979, ich 22, und inzwischen ist das lange her. Ab und zu denke ich an Antonella aus Bologna. Und daran, dass ich vielleicht nur ein bisschen mehr Zeit gebraucht hätte – dann könnte ich heute Italienisch. Andreas Austilat

Bei den Orangen

Sommer 1978: Griechenland! Als 15-Jährige mit Eltern und Bruder im Hotel Marathon Beach in Nea Makri – Pool, Disco und Halbpension inklusive. Jeden Abend schlenderten wir, aufgeheizt von der Sonne, hungrig in den Speisesaal. Offene Türen, der Blick aufs Meer, bodenlange Vorhänge bewegten sich träge im Wind, der überwältigende Duft köstlicher Speisen lag im Raum. Dazwischen wuselten die aufmerksamen Kellner, jeder zuständig für ein paar Tische. Unser Kellner hieß Spyros.

Ich fand ihn besonders aufmerksam, witzig und attraktiv. Von Tag zu Tag freute ich mich mehr auf das Abendessen, erhaschte manchmal schon tagsüber einen Blick in den Saal. Entdeckte ich ihn, war ich aufgeregt, sah er mich, lächelte er und winkte. Niemand bemerkte unsere Verbindung. Dachte ich. Und war nach drei Tagen unendlich verliebt! Es dauerte nun länger, sich für das Abendessen schick zu machen – welches T-Shirt, welcher Ohrring, welche Flip-Flops?

In der Disco tanzte ich in jenem Sommer zu „Saturday Night Fever“. Die Frage „How Deep is Your Love?“ verfolgte mich bis in den Schlaf. Ich konnte kaum ertragen, dass wir irgendwann abreisen würden. Am letzten Abend schob er mir einen Zettel zu. Auf Englisch: „Treffen um 23 Uhr, im Garten bei den Orangen“. Das traue ich mich niemals, dachte ich. Und war schließlich doch da. Ich erfuhr, dass meine Gefühle erwidert wurden! Dass wir füreinander bestimmt waren! Dass wir vermutlich schon bald heiraten sollten! Und dass unsere Liebe mit einem Kuss besiegelt werden musste! Es war mein erster und ich ganz benommen. Wir schrieben uns noch ein halbes Jahr. Dann kam der nächste Urlaub: Sizilien. Claudia Seiring

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