Der Erste Weltkrieg hat Folgen für den Kanal

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Entstehung des Panamakanals : Ein Schiff wird kommen
Kanalarbeiten im Jahr 1910.
Kanalarbeiten im Jahr 1910.Foto: ArchivioGBB/laif

Als Erstes passiert am 7. Januar 1914 das französische Kranschiff „Alexandre La Valley“ den Kanal. Offiziell eröffnet wird der Wasserweg jedoch erst am 15. August 1914: An diesem Tag passiert das Paketboot „Ancon“ unter US-Flagge die neue Verkehrsader in voller Länge. Der Erste Weltkrieg verhindert größeren Jubel an den Ufern. Auch zu dem geplanten Auftrieb von über hundert Kriegsschiffen, die sich am 1. Januar 1915 auf der Reede Hampton Roads im US-Bundesstaat Virginia versammeln und dann über Panama zur Eröffnung der Panama-Pazifischen Internationalen Ausstellung nach San Francisco weiterreisen sollen, kommt es unter diesen Vorzeichen nicht.

Der Krieg hat noch weitere Folgen für den Kanal. Zwar unterstreicht er die strategische Bedeutung des Wasserweges, weil Flotten vergleichsweise schnell vom Atlantik in den Pazifik und umgekehrt verlegt werden können. Doch bereits vorgesehene Bauprojekte werden nun nicht mehr in Angriff genommen. Die Budgets gehen in die Kriegswirtschaft.

Erst 1920 können die Eröffnungsfeierlichkeiten nachgeholt werden: US-Präsident Woodrow Wilson gibt am 12. Juli noch einmal offiziell den Schiffsverkehr frei.

In der Folgezeit wird der Kampf um den Kanal nicht mehr gegen Gestein ausgefochten, sondern um die Frage, wer und zu welchen Bedingungen darauf fahren darf. Dass der Fünf-Meilen-Streifen neben dem Kanal unter US-Hoheit liegt, wollen viele nicht hinnehmen. In den 1930er und 1960er Jahren gibt es deswegen schwere Ausschreitungen. 1964 bricht die liberale Regierung Panamas unter Präsident Roberto Francisco Chiari Remón nach erneuten Unruhen die diplomatischen Beziehungen zu Washington ab.

Die amerikanischen „Gringos“ stehen zunehmend als arrogante und raffgierige Imperialisten da. Schließlich handelt US-Präsident Jimmy Carter mit Panamas Präsidenten Omar Torrijos neue Verträge aus: Der Kanal sei zurückzugeben, ist Kerngedanke und Kernforderung, und so geschieht es auch. Ab Ende 1999 werden der Kanal, die ihn umgebende Zone sowie die Infrastruktur schrittweise in die Hände Panamas gelegt.

Heute gilt der Kanal, mit Blick auf den stetig wachsenden Welthandel mit immer größeren Schiffen, zunehmend als veraltet und ineffizient. Bereits 2005 ist der Ausbau beschlossen worden. Die neuen Schleusenanlagen – eine auf der Karibik-, eine auf der Pazifikseite – sind im Rohbau. Immer noch. Zunächst war ihre Fertigstellung für den Herbst 2014 geplant – zum 100-jährigen Jubiläum des Wasserweges. Doch der Termin ist geplatzt. Es gab Streiks, Baustopps und Nachverhandlungen mit dem spanischen Baukonsortium Gupc. Nun ist von Ende 2015 die Rede. Man liegt 60 bis 65 Prozent hinter den ursprünglichen Zielvorgaben zurück, heißt es. Durch die Verzögerungen beim Ausbau entgehen dem mittelamerikanischen Staat Zuweisungen der Kanalgesellschaft in Milliardenhöhe. Der Panamakanal ist eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Außerdem wird bald die jahrhundertealte Alternativvariante zum Panamakanal Wirklichkeit: Im Dezember sollen in Brito an der Atlantikküste die Arbeiten für einen Kanal quer durch Nicaragua aufgenommen werden. Diesen Traum hatte schon Frankreichs Napoleon III., Nicaraguas Präsident Daniel Ortega will das Projekt realisieren. Um die genaue Route macht die Regierung noch ein großes Geheimnis. Die USA, die einst das Recht zum Bau eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik in Nicaragua besaßen, sind diesmal nicht an den Planungen beteiligt. Der neue Kanal wird mit chinesischem Geld gebaut.

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