Stoiber geht in Deckung

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Geschichte der Eierwürfe : Rohe Argumente
Illustration: Susanne Schmidt

Der Ängstliche

Im Juli 2001 reist die Führung von CDU und CSU nach Berlin, um ihren Spitzenkandidaten Frank Steffel bei den Abgeordnetenhauswahlen zu unterstützen. Steffel ist erst 35 Jahre alt und so etwas wie ein Newcomer, er tritt gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit an. Bei der Kundgebung auf dem Alexanderplatz spricht Angela Merkel, und es bleibt zunächst vergleichsweise ruhig. Dann ergreift Edmund Stoiber, damals bayerischer Ministerpräsident, das Mikrofon, und die ersten Eier fliegen. Steffel tritt nach vorn und sagt, als er im November 1989 die Mauer habe fallen sehen, hätte er sich nie vorstellen können, auf dem Alexanderplatz einmal so empfangen zu werden. Noch mehr Eier fliegen, die Situation eskaliert, und die Wahlkämpfer müssen das Podium räumen. Später werden Fotos Frank Steffel zeigen, wie er sich hinter Edmund Stoiber in Deckung bringt, den Bayer dabei an den Schultern festhält. Stoiber sei rückwärts auf ihn zugetreten, sagt er. Und versucht so zu erklären, weshalb er irgendwie ängstlich wirkt, dabei eine denkbar unglückliche Figur abgibt. Die CDU verliert gegenüber den Wahlen zuvor 17 Prozent.

Der Alternative

Am 5. Juli 2011 soll in Bonn die Afghanistan-Konferenz zusammentreten, 1000 Delegierte aus 85 Ländern haben sich angekündigt, beraten werden soll über weitere Unterstützung, aber auch über den bevorstehenden Truppenabzug. Bereits zwei Tage vorher ist eine Kundgebung geplant, auf der die Gegner des Afghanistan-Einsatzes gegen jede Einmischung von außen und für einen sofortigen Truppenabzug demonstrieren wollen.

Dort spricht Gregor Gysi für die Linke und wird mit Applaus bedacht. Nach ihm will Grünen-Politiker Christian Ströbele das Wort ergreifen.

Ströbele hat seit Beginn der Afghanistan-Debatte immer gegen den Bundeswehreinsatz gestimmt, doch jetzt schlägt ihm Ablehnung entgegen. Ein Ei trifft ihn hart am Kopf, er muss sich erst wieder fassen, bevor er seine Rede beginnen kann. Doch er wird auch in der Folge immer wieder von Parolen und Pfiffen unterbrochen. Ströbele, der einen Schnitt an der Nase erlitten hat, wird mit den Worten „Blut, Blut, Blut an den Händen“ beschimpft. Der Vorwurf bezieht sich nicht auf die Verletzung, sondern auf den Beschluss der rot-grünen Bundesregierung, die 2001 als erste deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt hatte.

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