Kauai: Viel Platz für Mark Zuckerberg

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Inselhopping auf Hawaii : Drei auf einen Streich: Oahu, Kauai und Maui
Naturbelassen: Wilde Küste auf Kauai
Naturbelassen: Wilde Küste auf KauaiFoto: Hella Kaiser

40 Minuten dauert der Flug von Oahu nach Kauai. Dann plumpst man in eine bergige, grüne, stille Welt. Das Eiland ist größer als Oahu, hat aber nur rund 64 000 Einwohner. Lihue, die kleine Inselhauptstadt, lag früher inmitten von Zuckerrohrplantagen. Heute sind fast alle aufgelassen. Der Ort ist ziemlich verschlafen. Kein Taxi weit und breit, das einen zum Hotel bringen könnte. „Nehmen Sie doch den Bus“, rät man im Museum. Der mit der Nummer 400 sei der richtige.

Auf einer Grünfläche vor dem monumentalen Verwaltungsgebäude campieren dutzende Menschen. „Obdachlose“, sagt Judy. Sie sitzt an der Bushaltestelle und feilt sich die Nägel. „Es gibt viele hier, die keine Wohnung haben“, erklärt sie schulterzuckend. Bekommen sie keine Unterstützung? Judy schüttelt den Kopf. Hawaii hat die höchste Obdachlosenquote pro Kopf aller US-Bundesstaaten. „Wenn du kein Dach über dem Kopf hast, ist es in Hawaii noch am angenehmsten. Hier wird es ja nie kalt“, sagt sie. Die Durchschnittstemperatur auf Kauai beträgt 23 Grad.

Wo bleibt der Bus? „Der 400er kommt immer zu spät“, sagt Judy. Es gibt keinen Fahrplan. Wer auf Kauai kein Auto hat, braucht Zeit. Judy pinselt jetzt knallroten Lack auf ihre Fingernägel. Als der 400er Bus kommt, steigt sie nicht ein. Sie hat gar nicht auf ihn gewartet.

Aloha ist ein Gruß voller Liebe

Auf dem Platz von Lihue stolzieren Hühner und picken mal hier, mal da. Wo die alle herkommen, fragt man sich. Es gibt verschiedene Theorien. Eine lautet, dass Hurrikan „Iwa“ 1982 die Ursache war. Der zerstörte auch Hühnerfarmen, und niemand hätte sich danach um die überlebenden Tiere gekümmert. Seither vermehren sie sich. „Auf Kauai gibt es keine Mangusten, die sie fressen würden“, sagt der Busfahrer und macht einen Bogen um den Hahn, der langsam über die Straße schreitet. „Mittlerweile kommen 13 Hühner auf einen Einwohner“, schätzt er.

Schmuck. 1881 wurde die deutsche Kirche in Lihue auf Kauai gebaut.
Schmuck. 1881 wurde die deutsche Kirche in Lihue auf Kauai gebaut.Foto: Hella Kaiser

Zehn Jahre später der nächste verheerende Hurrikan, „Inki“. Der Sturm zerstörte ein ganzes Luxusresort, in dem schon Elvis residierte. Als Inki über Kauai fegte, drehte Steven Spielberg an anderer Stelle der Insel gerade „Jurassic Park“. Fast jede Palme in der Umgebung wurde geköpft, das Filmteam war verängstigt. „Wir haben keine Straßen mehr, kein Essen und wenig Wasser. Aber wir haben Aloha“, erinnerte sich später die Schauspielerin Ariana Richards. Der polynesische Gruß bedeutet so viel wie „Liebe“.

Die Reichen und Schönen wissen, was sie hier haben

Die ganze Schönheit der Insel sieht man von oben, aus dem Helikopter, schwebend über Canyons, Vulkankrater, Wasserfälle und die zerklüftete Küste von Na Pali. Roger Moore konnte diese Herrlichkeit genießen und bekam noch Geld obendrauf. Im Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat er sich, wie viele andere, in die Insel verliebt. Die Reichen und Schönen wissen, was sie an Kauai haben. Zum Beispiel 75 Strände. Doch keiner ist so malerisch und verschwiegen wie der Moloaa Beach. Wochenlang möchte man sich einmieten in eines der reizenden Stelzenhäuser.

Im Zentrum von Lihue. Touristen kommen selten in die Kleinstadt.
Im Zentrum von Lihue. Touristen kommen selten in die Kleinstadt.Foto: Hella Kaiser

Mit so einer Strandbutze gibt sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht ab. Er hat sich an derselben Küste weiter östlich ein riesiges Terrain gesichert. 392 Fußballfelder könnte man darauf anlegen. Was auf dem Gelände vor sich geht, sieht man nicht. Eine 1,80 Meter hohe Mauer aus Natursteinen, „mehr als eine Meile lang“, sagt ein Einheimischer genervt, schützt Zuckerbergs Besitz. Kleine Parzellen auf dem Gelände gehören allerdings noch Hawaiianern, die nun keinen Zugang mehr zu ihnen haben. Ein Rechtsstreit läuft. Seither hat man auf Kauai keine gute Meinung von Zuckerberg.

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