"Ich war reif für eine Sommerkomödie."

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Marco Schmidt

Üben Sie die Tanzfiguren von damals heute noch?
Ich würde vielleicht gerade noch einen Purzelbaum oder einen Flickflack hinkriegen. Aber ich glaube, dass ich mir die wichtigsten Figuren in einer Woche wieder draufschaffen könnte. Na ja, sagen wir vielleicht: in einem Monat.

Würden Sie gern einmal ein Musical drehen?
Es würde mir großen Spaß machen, in einem Film zu tanzen – aber nicht unbedingt in einem Musical. Ich fürchte, dann müsste zumindest jemand anderes meine Gesangsparts übernehmen. Ich könnte zwar singen, bezweifle jedoch, dass man dafür Geld verlangen dürfte. Außerdem würde ich nur ungern in einem klebrig-kitschigen Musical mitspielen, sondern lieber in einer raueren, moderneren Variante.

Wie wählen Sie Ihre Filmprojekte aus?
Nach Lust und Laune. Dabei ist mir die Abwechslung sehr wichtig: Wenn ich lauter ähnliche Figuren verkörpern müsste, würde mir mein Beruf bald zum Hals raushängen. Vor einiger Zeit habe ich mal den Fehler gemacht, gleich drei emotional auslaugende Dramen hintereinander zu drehen – danach war ich regelrecht reif für eine harmlose Disney-Sommerkomödie. Und spätestens nach vier Wochen gepflegtem Konversationsgeplänkel in gediegenen Kostümen verspüre ich den unbändigen Drang, mich mit einem Schwert in eine wilde Wikingerschlacht zu stürzen – oder James Bond die Hölle heißzumachen!

Hätten Sie Lust auf ein weiteres Bond-Abenteuer?
Na klar! Wäre es nicht toll, wenn ich mich mit Javier Bardem verbünden könnte? Wir waren beide schon so kurz davor, Daniel Craig fertigzumachen! Ich glaube, als Superschurken-Duo hätten wir eine Chance, oder? Im Ernst: Ich liebe es, Rollen zu spielen, die mich körperlich fordern – und ich möchte das möglichst ausnutzen, solange ich noch nicht zu alt dafür bin.

Machen Sie sich Gedanken übers Älterwerden?
Nein. Das grausame Filmbusiness meint es ja noch relativ gut mit uns Männern: Während Schauspielerinnen nach ihrem 30. Geburtstag im Prinzip warten müssen, bis sie 80 sind und Miss-Daisy-Figuren spielen dürfen, gibt es für reifere Männer durchaus interessante Rollen. Und wenn keine Angebote mehr ins Haus flattern, dann kann ich es auch nicht ändern. Ich habe immer alles auf mich zukommen lassen.

Sie haben sich nie aktiv um Jobs bemüht?
Klinkenputzen ist einfach nicht mein Ding. Im Gegensatz zu vielen Kollegen hatte ich allerdings auch das Glück, dass ich mich nie abstrampeln musste, um Angebote zu bekommen. Außerdem wäre ich viel zu stolz, jemanden um eine Rolle anzubetteln, auch wenn ich sie noch so gern spielen würde. Ich möchte stets das Gefühl haben, dass die Leute mich unbedingt wollen und mich nicht nur aus Mitleid engagieren.

In den vergangenen Jahren haben Sie kaum mehr in Dänemark gearbeitet, sondern in internationalen Produktionen – wegen der Abwechslung?
Das liegt eher daran, dass in meiner Heimat nur sehr wenige Filme produziert werden. Sobald ich erneut in einem dänischen Film zu sehen bin, schimpfen manche Leute: „Oh nein, nicht der schon wieder! Muss der Kerl seine blöde Visage wirklich in jede Kamera halten?“ Schuld daran ist vor allem die Klatschpresse, die sich wie besessen auf mich stürzt – ständig bin ich wegen irgendeinem Mist in den dänischen Medien. Insofern kann ich es gut verstehen, dass einem der Hype um manche Stars auf die Nerven geht. Um mehr als zwei Monate pro Jahr arbeiten zu können, musste ich mich also jenseits der Landesgrenzen umsehen.

Stört es Sie nicht, dass Sie in Hollywood fast nur als Bösewicht besetzt werden?
Ich sehe meine Filmfiguren gar nicht als Bösewichte – ich finde, das sind eigentlich ganz nette Kerle, die bloß missverstanden werden. Doch es stimmt schon, dass Hollywood-Bosse die Tendenz haben, zu uns Europäern zu sagen: „Höre ich da etwa einen kleinen Akzent? Alles klar – du spielst den Schurken!“ Allerdings scheint sich dieses Klischeedenken allmählich zu wandeln: Man hat mir auch schon andere Rollen angeboten. Sie waren nur leider ziemlich langweilig. Es reizt mich nicht, obstfressende Gutmenschen zu spielen. Weitaus interessanter finde ich widersprüchliche Figuren, die auf den ersten Blick unsympathisch wirken und viele Fehler machen. Damit kann ich mich eher identifizieren.

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