Die Ehe für alle kennt man hier noch nicht

Seite 2 von 4
North Island : Gut isoliert: Diese Seychellen-Insel ist für Paparazzi tabu
Frisch Vermählte können am Abend bei Kerzenschein im Sand liegen und Liebesfilme unter Palmen schauen.
Frisch Vermählte können am Abend bei Kerzenschein im Sand liegen und Liebesfilme unter Palmen schauen.Foto: Promo

Auch Hochzeiten finden auf der Insel statt. Ein Standesbeamter fliegt dafür von der Hauptinsel Mahé ein, die Paare geben sich zumeist am ruhigeren West Beach das Ja-Wort. Nur gleichgeschlechtliche Paare müssten sich im Heimatland noch einmal auf das zuständige Amt begeben, die Ehe für alle kennt man auf den Seychellen noch nicht. Die Kleiderordnung ist laut Inseldirektor bei allen Trauungen gleich. „Wenn du es in der Kirche tragen könntest, bist du overdressed.“ Und auf der Party, das weiß Simpson aus eigener Erfahrung, denn er hat auf North Island seine Frau geheiratet, gilt: Krach machen! Kein Nachbar beschwert sich.

Die sinnliche Entschlackung – keine Autogeräusche, viel Vogelgezwitscher und Ozeanrauschen – stört kaum ein modernes Gimmick. Die Villen sind zum großen Teil aus Holz von der Insel gebaut, die in der Natur vorkommenden Töne weiß (Strand), grün (Dschungel) und braun (Erde) finden sich in der Einrichtung wieder. Allein manches Technikgedöns wie der riesige Flachbildschirm passt nicht unbedingt in die Kulisse. Einsamkeit mit Wifi.

Für Prominente ist die Insel traumhaft, gerade, weil sie für Paparazzi schwer zu erreichen ist. Nur Hubschrauber landen hier, es gibt bloß eine Firma, die Flüge vom 30 Kilometer entfernten Hauptarchipel organisiert, und die lässt keine Fotografen über North Island fliegen. Wenn ein verdächtiges Boot mit Teleobjektiv vor der Bucht kreuzt, könnte der Manager direkt beim Tourismusminister anrufen. Die Seychellen legen Wert auf Diskretion, und schicken in solchen Fällen schon mal die Küstenwache vorbei.

Was soll das heißen, die Mangos sind aus?

Neben den Promis kommen gern mittelständische Unternehmer vorbei, aus Schweden, Russland, und häufig aus Deutschland. Ein israelischer Gast weilte 32 Tage auf der Insel, der bisherige Rekord. Er arbeitete von seiner Terrasse aus und organisierte abends Partys. Ein anderer wollte vier Villen für 18 Monate mieten, was die Geschäftsführung höflich ablehnte. North Island soll ein vorübergehendes Erlebnis bleiben: Nachts auf der Terrasse speisen, nackt am Privatpool frühstücken, im Indischen Ozean den eigenen Bonitofisch fangen. Hätte man dieses Panorama jeden Tag vor Augen, würden einem die Hektik der Stadt und ihre Versuchungen fehlen. Und vielleicht würde man zu verwöhnt: Was soll das heißen, die Mangos sind aus?

Manch einem scheint allerdings die Idylle den Verstand zu rauben. Bruce Simpson erzählt von einem Gast, der sich für einen Tauchausflug sechs Meerjungfrauen wünschte, so stand es in der E-Mail. Die dafür gecasteten Mädchen sollten natürlich „ohne Bikini-Oberteil und Taucher-Mundschutz“ schwimmen. Das ging natürlich gar nicht. Ansonsten versuchen die 125 Angestellten auf North Island, jeden Wunsch zu jeder Uhrzeit zu erfüllen.

Nur eines wird mit sofortiger Inselverbannung bestraft: Wenn man betrunken die Seychellen-Riesenschildkröten anfährt. Das ist Brutus, dem 180 Jahre alten Maskottchen des Privatresorts, widerfahren. Ein Gast rempelte das Tier, das auf dem Weg döste, mit seinem Buggy an. Am nächsten Tag warf der Hotelmanager ihn raus, da half auch der hohe Kontostand nicht. Brutus trägt seit jener Nacht reflektierende Klebestreifen auf seinem Panzer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben