Rammstein-Keyboarder Christian "Flake" Lorenz : "Das Böse hat eine absolute Energie"

Als Keyboarder der Band Rammstein ließ er sich im Kochtopf schmoren. Christian "Flake" Lorenz übers Taktklatschen und seine Zeit als Schmuddel-Punk in der DDR.

Christian Lorenz hat als kleiner Junge die Dead Kennedys gehört. "Hauptsache, meine Eltern fanden das blöd", sagt er.
Christian Lorenz hat als kleiner Junge die Dead Kennedys gehört. "Hauptsache, meine Eltern fanden das blöd", sagt er.Foto: Olaf Heine

Sie spielen in der international erfolgreichsten deutschen Band. In den beiden Büchern, die Sie über Ihr Leben geschrieben haben, wirkt es so, als sei ein Kleinfüßiger zufällig in sehr großen Schuhen gelandet. Ein Amateur, der gar nicht weiß, was er da macht.

Ich bin zwar ein Amateur, aber ich weiß, was ich da mache. Ich kann das spielen, was ich für notwendig erachte. Das ist wahrscheinlich deutlich weniger, als viele Leute von einem echten Keyboarder erwarten würden. Aber für gute Musik muss man kein Virtuose sein. Dass ich bei Rammstein gelandet bin, ist ein folgerichtiges Ergebnis meines Lebens, würde ich sagen.

Sie wirken wie ein Gegenentwurf zur Rammstein-Musik: eher lustig und bescheiden. Glauben Sie, dass irgendeiner der vielen tausend Mexikaner oder Russen, die bei Konzerten die Feuershow und den harten Klang bewundern, eine Ahnung davon hat, wie Sie so drauf sind?

Man soll die Fans nicht unterschätzen. Wer sich für unsere Musik interessiert, verfolgt doch, was wir tun.

Aber keiner spielt so wie Sie mit den Missverständnissen. Dieses Martialische, absurd Sexualisierte …

Ach, es gab so viele Bands, die viel provokanter als wir waren. Die Rolling Stones haben in ihrer Zeit doch wesentlich verrücktere Sachen gemacht als wir heute. Klar, die hatten es leichter, zu schockieren. Aber vom Inhalt her ist es doch eigentlich dasselbe.

Christian Lorenz

Christian Lorenz, 51, aufgewachsen in Ost-Berlin, ausgebildeter Werkzeugmacher, hat seinen Spitznamen „Flake“ bekommen, als er Punk war, damals in der DDR. Als Keyboarder der Spaß- und Untergrundband „Feeling B“ erlebte er, wie frei man in der Diktatur sein konnte, als Keyboarder der Brachialband „Rammstein“ erlebt er, wie es sich anfühlt, Weltstar zu sein.
Alles halb so wild. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht verbrennt. Über sein Leben hat er zwei sehr lustige Bücher geschrieben: „Der Tastenficker“ über die Zeit vor „Rammstein“ (erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf) und „Heute hat die Welt Geburtstag“ (S. Fischer Verlag) über den Rest.

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