Sommerkonzerte in Brandenburg und Mecklenburg : Gute Noten fürs Berliner Umland

Orchester vor Schiffsschrauben, Operetten unter freiem Himmel. Während der Sommersaison werden ungewöhnliche Orte zu Konzertbühnen. Acht Empfehlungen.

Romantischer Abend. Ein Klassikkonzert im Schloss Stechau.
Romantischer Abend. Ein Klassikkonzert im Schloss Stechau.Foto: Peter Dörrie

Natürlich kann man auch einfach nur der Ruhe wegen raus aufs Land fahren, den weiten Blick genießen, in klaren Seen schwimmen, durch Wälder wandern. Wer aber seinen Ausflug gerne mit einem Kulturerlebnis krönt, der findet in der Umgebung von Berlin erstaunlich viel. Bekannt und beliebt sind die traditionsreichen Konzerte im Kloster Chorin, die Kammeroper Schloss Rheinsberg, Kloster Neuzelle, das Schinkel-Ensemble von Neuhardenberg. Wir hätten da aber auch noch ein paar weitere Tipps.

1 – Bad Wilsnack
In Bad Wilsnack gibt es die Kristall Therme, die Wunderblutkapelle und „Estrich Mike“. Letzterer wirbt für sich mit dem Slogan „Er ist gerade unter uns“. Ähnlich funktionierte das im Mittelalter, als die Gläubigen massenhaft in das Prignitz-Städtchen pilgerten, um dort dem Höchsten nahe zu sein. Der sich hier nämlich in drei Hostien offenbarte, die mirakulöserweise einen Kirchenbrand überstanden hatten. Die Gemeinde wurde so reich, dass sie ein Gotteshaus von Ehrfurcht gebietenden Ausmaßen errichten lassen konnte. Wortbeiträge dringen in der spätgotischen Hallenkirche trotz der neuen Lautsprecheranlage nicht immer bis in die letzten Reihen durch, Musik aber kann sich wunderbar entfalten. Ein Highlight wird zweifelsohne das Gastspiel des Windsbacher Knabenchors am 22. Juli im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte sein.

2 – Paretz
Ein liebliches Fleckchen ist dieses Paretz im Havelland, das Schloss wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut als Sommerresidenz für Königin Luise und ihren Gatten Wilhelm III. und mit den damals ultramodernen Papiertapeten ausgestattet, die heute wieder zu besichtigen sind. Gegenüber liegt die 650 Quadratmeter große Scheune von 1811, in der erst Rinder, dann Traktoren und später Getreide untergebracht waren. Von 2009 bis 2011 denkmalgerecht wiederhergestellt, wird sie heute als Veranstaltungsort genutzt. Dank ihrer hölzernen Konstruktion ist sie besonders gut für klassische Konzerte geeignet. Am 30. Juni spielen hier das junge kanadische Rolston String Quartett und der Pianist Florian Glemser Werke von Haydn, Beethoven und Schumann, Tagesspiegel-Redakteur Ulrich Amling moderiert.

3 – Burg
Gemessen an den bescheidenen brandenburgischen Maßstäben ist Burg ein touristischer Hotspot. Es gibt vier Kahnfährhäfen, die Solquelle, die Spreewaldtherme, einen Kurpark und den architektonisch avantgardistischen Bismarckturm von 1917 – nur eine Adelsbehausung sucht man vergebens. Der Name des Ortes leitet sich nämlich nicht von einer Burg her, sondern von den Eimern aus Buchenborke, in denen die Einwohner einst ihren Fischfang zum Markt nach Cottbus transportierten. Die schöne, 1804 geweihte Kirche erinnert mit ihren beiden hölzernen Rängen im Innern an ein barockes Logentheater. Da passt es, wenn das „Ensemble Odyssee“ hier am 8. Juli das Publikum auf eine musikalische Reise in die Londoner Opernszene des 18. Jahrhunderts einlädt.

4 – Stechau
Es ist eine noble Geste des Münchner Rechtsanwalts Bardia Khadjavi-Gontard, dass er jedes Jahr im Hochsommer sein privates Anwesen im Örtchen Stechau für ein großes Event öffnet. Die ganze Region im südlichsten Zipfel Brandenburgs scheint zusammenzuströmen, bis zu 3000 Menschen flanieren über das weitläufige Gelände, bewundern das vorbildlich restaurierte Schlösschen von 1757, umrunden unter alten Bäumen den romantischen Teich, picknicken auf dem Rasen. Würste werden gegrillt, regionaler Wein ausgeschenkt – und als Höhepunkt des Abends gibt es ein Klassikkonzert unter freiem Himmel. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte schaffen dafür alljährlich ein Orchester aus Prag heran, das diesmal auch noch einen tschechischen Chor im Schlepptau hat: Denn am 4. August gibt es Carl Orffs „Carmina Burana“.

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