Sind Migranten häufiger Sexualstraftäter?

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Statement-Festival in Göteborg : Männer müssen draußen bleiben
Komikerin Emma Knyckare rief das Statement-Festival als Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in Bråvalla ins Leben.
Komikerin Emma Knyckare rief das Statement-Festival als Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in Bråvalla ins Leben.Foto: AFP

Es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass öffentliche Orte für bestimmte Gruppen gefährliche Orte sein können. In Europa geht das weit über Diskriminierung hinaus. Nicht zuletzt die massiven Übergriffe von Männergruppen in der Kölner Silvesternacht 2016 haben vielleicht etwas verändert. Die überwiegende Zahl der Angreifer stammte aus Nordafrika. Rechtspopulisten machen Übergriffe von Migranten auf Frauen seither immer wieder zum Thema. Diese Propagandamaschine hat sich des Themas bemächtigt und verbreitet Angst.

Bestimmte Tatsachen werden deutlich: Zahlen, die Bayern für das erste Halbjahr 2017 veröffentlichte, zeigten zum Beispiel einen starken Anstieg sexueller Übergriffe auf Frauen, von 222 auf 685. Migranten waren im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung überproportional häufig die Täter – in 18 Prozent der Fälle. Die Ursachen sind komplex. Migranten sind in Deutschland überproportional häufig junge Männer, außerdem wurde das Sexualstrafrecht geändert, auch Übergriffe aus Gruppen heraus können jetzt zur Anzeige gebracht werden. An der höheren Zahl der Opfer ändert das nichts.

Auch in Schweden gab es sofort den Verdacht, die Übergriffe auf dem Bråvalla könnten von Migranten begangen worden sein. Bewahrheitet hat sich das nicht. Möglicherweise gibt es insgesamt ein neues, erhöhtes Bewusstsein von Frauen für die eigene Verletzbarkeit im öffentlichen Raum. Und ein Bedürfnis nach Schutz.

Das Recht auf Selbstbestimmung – eine Utopie?

So verständlich dieses Bedürfnis ist, so hat die Idee der Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum doch beinahe auch etwas Legitimierendes. Mit den „Safe spaces“ und dem „Statement-Festival“ wird die faktische Unfreiheit, die sich aus der besonderen Verletzbarkeit und (oft) körperlichen Unterlegenheit von Frauen ergibt, als gesellschaftliches Normal anerkannt. Die Idee, dass sich Frauen jederzeit und überall genauso ohne Angst vor sexuellen Übergriffen bewegen können sollten wie Männer, erhält dadurch den Status einer unerreichbaren Utopie.

Da Frauen in der allgemeinen Öffentlichkeit nie sicher sein werden, müssen sie sich eigene, sichere Teilöffentlichkeiten schaffen. Da die Regeln im großen Ganzen nicht vollständig durchsetzbar sind, schafft man neue, kleinere Räume. Die Selbstisolation fühlt sich an wie eine Kapitulation vor der Realität, wie die Aufgabe des Veränderungsanspruchs. Die Öffentlichkeit zersplittert in Räume mit scheinbar unterschiedlich hohem Anspruch daran, wie Regeln durchgesetzt werden. Und natürlich führt sie auch in die Gegendiskriminierung: Die Gesellschaft wird für die Diskriminierung und Gefährdung von Frauen sensibler, tendiert aber zunehmend dazu, Männer in kollektive Haftung zu nehmen.

Freiheit versus Sicherheit

Auch das schwingt mit in jenem ersten Tweet von Emma Knyckare. Bis alle Männer sich zu benehmen wissen, müssen alle Männer büßen. Sie müssen draußen bleiben. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland zum Beispiel fordert, dass es für den Ausschluss von bestimmten, ansonsten öffentlich zugänglichen Gütern oder Veranstaltungen „nachvollziehbare Gründe“ geben muss. Die schlichte Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in der eine kleine Minderheit gewalttätig ist, ist sicher kein „nachvollziehbarer Grund“.

Eine moralische Pflicht der Frauen, sich zugunsten des Gleichbehandlungsanspruchs der Männer potenziell Übergriffen auszusetzen, ist allerdings ebenfalls schwierig zu argumentieren. Auch kann es keine Pflicht geben, die eigene Sicherheit für die Durchsetzung des Anspruchs von Freiheit und Gleichheit aufs Spiel zu setzen, nicht mal die eigene, vielleicht irrationale, Angst davor zu überwinden.

Die Organisatorinnen habe eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen. Auf dem freien Markt gibt es für Männer immer noch viele Alternativen. Der Schaden ist also gering.

Die Tendenz, den Anspruch auf Gewaltfreiheit überall zugunsten sicherer Teilöffentlichkeiten aufzugeben, ist dennoch: ein Statement.

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