Wenn Droiden einfach nicht sterben wollen

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Teenie-Leaks-Autor Paul Bühre : „Unsere ganze Familie ist abhängig“
Jugendliche kommunizieren über Whatsapp, Facebook oder Messenger - auch in der Schule.
Jugendliche kommunizieren über Whatsapp, Facebook oder Messenger - auch in der Schule.Foto: pa/dpa

Du warst früher Farmville-Fan – ein Spiel, bei dem man virtuell einen Acker bestellt. Sicher ein Tiefpunkt deines bisherigen Lebens.

Die Phase dauerte ein Jahr, ich bin ehrlich. Wie ein Fetisch. Man baut sich was auf. Erntet, bekommt virtuelles Geld, davon machst du deinen Stall schöner, kaufst Pferde, schickst anderen Mystery Gifts, Geschenke. Ich habe den seltensten Heißluftballon in Regenbogenfarben gekriegt!

Videogames machen einen großen Teil deines Alltags aus. Was spielst du gern?.

Ich setze mich mit einem Kumpel vor meine ältere Playstation, wir spielen „Star Wars Battlefront“, erobern die Galaxis und verfluchen die Droiden, die einfach nicht sterben wollen.

Das war’s an Spielen?

Auf dem Mac gibt es relativ wenig Spiele, die kein Geld kosten. Das beste heißt Team Fortress. Zwei Gruppen, im Comicfiguren-Stil, müssen gegeneinander kämpfen. Ich habe schon Leute aus der Schule darüber kennengelernt. Wenn die online sind, schreiben sie mich an, wir sprechen über einen Chat Strategien ab. Teamspeak heißt das, wie Skype, nur ohne Bild.

Hat das Suchtpotenzial?

Alles hat Suchtpotenzial. Lange haben mir meine Eltern Fernsehen und Computer nicht erlaubt. In der fünften Klasse gab es dann diesen Sprung, wo ich alles durfte. Ich war skeptisch: Ist das ein Test? Weil plötzlich alles ging, ist es ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Ich habe mich total in den Spielen verloren: Krass, diese ganzen Farben! Wenn ich bei Freunden war, die schon länger spielen durften, bin ich ausgerastet. „Hey, das ist ja voll cool!“ Die waren bisschen gelangweilt. „Können wir jetzt mal was anderes machen, vielleicht Fußball spielen?“

Mit wie vielen Mädchen spielst du?

Mit keinem.

Dabei schreibst du: „Spiele können sozialer sein als Bücherlesen.“

Ich kenne kein Mädchen, das so was spielt. Mit dem Lesen kann ich das vergleichen, weil ich früher Bücher extrem verschlungen habe, Fantasy- Geschichten wie „Eragon“ oder „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss. Ich versuche schon, mehr zu lesen, aber mit Netflix ist das schwer.

Ein neuer Streaming-Dienst, den man abonniert, um darauf nach Bedarf Sendungen zu schauen.

Eine schlechte Idee, was meine Schulnoten anging. Meine Eltern verbieten mir wenig, aber inzwischen stellen sie manchmal das Internet ab.

Dabei schaut ihr doch gemeinsam.

Unsere ganze Familie ist abhängig. Seriensuchten. Meine Mutter pennt manchmal ein, ich muss ihr beim Frühstück alles erzählen. Wer von wem der Vater ist, wer ist denn wieder diese blonde Frau? Manchmal denke ich, die stellt sich extra dumm.

Bücher sind dir heute zu kompliziert?

Neulich habe ich auf Netflix „Merlin“ gesehen. Danach habe ich mir das Buch „Die Nebel von Avalon“ geholt, 1000 Seiten Zeitungspapier. Bis das Buch in die Gänge kommt... Wie alle in meinem Alter bin ich aber nach wie vor Harry-Potter-Fan.

Deine Generationserfahrung.

Ich habe mich in der vierten Klasse als Hermine verkleidet und um Mitternacht an einer Buchhandlung angestanden, um das neueste Harry-Potter- Buch zu kaufen. Den Tag, als Harrys Patenonkel Sirius starb, habe ich heulend im Bett verbracht.

Ist Twitter auch Teil deiner Welt?

Das ist das, wo man seine wichtige Meinung abgibt? Diese schlauen Sprüche reichen mir schon bei Facebook, die machen mich fertig.

Die 17-jährige Naina, eine Schülerin aus Berlin, hat kürzlich getwittert: „Habe gute Noten, doch weiß nichts vom Leben.“ Geht dir das ähnlich?

Damit kann ich mich identifizieren. Wir haben jetzt diese komische Kurve gelernt, obwohl ich keinen Bock habe, später was mit Mathe zu machen.

Welches Schulfach würdest du dir wünschen?

Handwerklichen Unterricht, das geht vielen so. Werken gab es doch früher auch.

Du willst Vogelhäuser bauen?

Ist doch super. Ich fänd Stricken toll. Kochen würde ich auch gern können.

Ärgert ihr euch noch mit einem nassen Schwamm?

Man macht von einem anderen ein Handyfoto, malt einen schönen Penis drauf und schickt es allen Leuten in der Klasse über Snapchat, wo es automatisch nach ein paar Sekunden erlischt.

Ist das Cyber-Mobbing?

Nee, auch wenn Mobbing zur Schule dazugehört. Wo Leute aufeinander treffen, ist das unumgänglich. Das kann man auch nicht wegzaubern, indem alle einen Wisch unterschreiben.

Gibt es Überlebensstrategien?

Sich anzupassen. Dass man ein Smartphone mit Whatsapp hat, um sich in den Klassenchat einzuklinken. Braucht man auch, um Hausaufgaben abzuschreiben. Jemand, der sie gemacht hat, fotografiert sie mit dem Handy, stellt sie in den Chat. Was nicht geht: Leute zu einer Übernachtungsparty einladen, und deine Mutter sagt: Keine Horrorfilme ab 18! Dann gehen alle heim. Dumm gelaufen.

Wird über Kleidung gelästert?

Wenn einer Geox trägt. „Der Schuh, der atmet.“ Sandalen mit Socken, Sachen, die aussehen, als hätte die Mutter dich in der Fünften so angezogen. Hemden haben sich noch nicht durchgesetzt.

Du schreibst: „Leute, die Marken tragen, werden in der Gruppe akzeptiert.“ Schuhe von Nike, Unterhosen von Boss. Was müssen Mädchen anziehen?

In letzter Zeit diese Pornotaschen, auf denen ein Mann ohne Shirt zu sehen ist, der seine Hände in der Schamgegend seiner Jeans vergräbt. Die bekommt man bei Abercrombie & Fitch. Da guckt man schon an sich runter: Habe ich solche Brustmuskeln? Die Taschen sind ein Statement: Ich finde den Typen hot und dich nicht.

Gemein.

Sind Mädchen oft. Vor allem untereinander. Fette Streits, Tränen, nur weil die eine am Nachmittag mit anderen was unternommen hat. Bei Jungs ist es offener, einer sagt: Du bist voll der Wichser. Der andere: Du bist auch ein Arschloch. Die Mädchen lächeln sich süß an, aber wenn die eine aus dem Raum ist, wird so hart gelästert.

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