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Tourismuskritiker Hodes : "Berlin kann froh sein, dass der BER noch nicht geöffnet hat"

Der Tourismusberater Stephen Hodes über Obergrenzen für Touristen und warum die Berliner "City Tax" nicht hilft.

Stephen Hodes arbeitete jahrelang für die niederländische Tourismusagentur.
Stephen Hodes arbeitete jahrelang für die niederländische Tourismusagentur.Foto: LAgroup

„Die Berliner können froh sein, dass der Flughafen BER noch nicht geöffnet hat“, sagte der Tourismusmanager Stephen Hodes im Interview mit dem Tagesspiegel Sonntagsmagazin. „Wenn der neue Flughafen schon da wäre, wäre der touristische Ansturm bereits viel größer.“

"Europa ist stark gefährdet"

Hodes arbeitete jahrzehntelang für die niederländische Tourismusagentur und fordert heute drastische Maßnahmen zur Eindämmung des rasant wachsenden Städtetourismus. Er spricht sich für höhere Steuern auf Flüge und eine Begrenzung von touristischen Unterkünften aus. Gerade Europa als größtes Tourismusziel der Welt sei stark gefährdet: „Wir sind nur noch zehn Jahre davon entfernt, unsere attraktivsten Städte in Disneyland-Parks zur verwandeln.“ Die voranschreitende Touristifizierung würde den Funktionsmix der Städte zerstören, der für ihre Bewohner lebensnotwendig sei.

"Touristen an Kosten beteiligen"

Hodes kritisiert, viele Städte würden nur die Einnahmen durch Tourismus sehen, nicht aber die negativen Auswirkungen. So würden Stadtreisende mit Anwohnern um die Infrastruktur konkurrieren, deswegen müsse man sie auch an den Kosten beteiligen. Kurtaxen wie die Berliner „City Tax“ seien dabei nicht ausreichend: „Sie verschwinden meist in den allgemeinen Einnahmen.“ Hodes schlägt einen Stadtbeitrag vor, der in einen Stadtviertel-Investitionsfonds fließen solle. Aus dem könnten gezielt Projekte für Viertel finanziert werden, die besonders stark unter dem Tourismus leiden.

Das neue Berliner Tourismuskonzept „2018+“, das die Lenkung der Touristenströme durch „gezielte touristische Entwicklung“ aus der Innenstadt in die Außenbezirke vorsieht, kritisierte er als Augenwischerei. „Die Idee ist kompletter Unfug. Damit macht man die Stadt insgesamt nur attraktiver und zieht noch mehr Touristen an.“

Mitte der 90er Jahre gründete Hodes mit Kollegen die Firma „LAgroup“, mit der er unter anderem Gemeinden in Tourismusfragen berät.

Das vollständige Interview mit Stephen Hodes lesen Sie am Sonntag im Tagesspiegel oder ab Samstagabend im E-Paper.

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