Wanderungen mit Fontane : Wustrau: Wo alles begann

Einst lieferten sich hier zwei Kapitäne ein Seegefecht. Auch heute beschäftigen Provinzpossen die Wustrauer. Teil drei einer Fontane-Serie.

Robert Rauh
Schloss Wustrau wird auch Zietenschloss genannt – nach dem preußischen General, der dort lebte.
Schloss Wustrau wird auch Zietenschloss genannt – nach dem preußischen General, der dort lebte.Foto: imago

Am Anfang steht Wustrau. Hier, am Ruppiner See, beginnt Theodor Fontane den ersten Band seiner berühmten „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von 1862. Wustrau eignete sich idealtypisch für des Dichters Anspruch, seinen Landsleuten zu zeigen, „dass es in ihrer Nähe auch nicht übel sei und dass es in Mark Brandenburg auch historische Städte, alte Schlösser, schöne Seen, landschaftliche Eigentümlichkeiten und Schritt für Schritt tüchtige Kerle gäbe“.

In Wustrau bildeten die historische Kirche, das alte Schloss, der Ruppiner See und der tüchtige Zieten das erzählerische Potpourri, womit Fontane seine Leser in die Mark locken wollte. Die Hauptrolle im „Wustrau“-Kapitel spielt Hans Joachim Zieten, den Fontane als „Ahnherr aller Husaren“ bezeichnete und zeitlebens verehrte. Über dem väterlichen Sofa hing ein Kupferstich, der Friedrich den Großen mit seinen Generälen zeigte. „Wie oft habe ich vor diesem Bilde gestanden“, erinnert sich Fontane später, „und dem alten Zieten unter seiner Husarenmütze ins Auge gesehen, vielleicht meinen Lieblingshelden in ihm vorausahnend.“ Friedrich der Große spendierte Mittel für den Ausbau des Gutshauses in Wustrau. Zieten nannte es sein „Prachtschloss“; es ist noch immer die Attraktion im Dorf.

In Wustrau sind Fontanes Zutaten für einen erfolgreichen Tourismus nach wie vor gültig. Der Ort bietet sechs Lokale, zwei Museen und ein Schloss. Und alles gelegen an einem romantischen See, „der fast die Form eines halben Mondes hat“. Mit 14 Kilometern ist der Ruppiner See der längste in Brandenburg.

Die hiesigen Seeanrainer waren schon immer streitlustig

Wustrau über das Wasser zu erreichen, wie es einst Fontane tat, ist zurzeit nicht möglich. Zumindest mit dem Ausflugsdampfer, weil die entsprechende Anlegestelle seit mehr als einem Jahr gesperrt ist. Der Steg gehört einem Privatmann, im Kern geht es um die Frage, wer für den reparaturbedürftigen Bootsanleger verantwortlich ist und wer für die Sicherheit der Fahrgäste haftet. Die Provinzposse beschäftigt die Lokalzeitungen und nun auch die Neuruppiner Stadtregierung.

Klappbrücke an der Schleuse in Alt-Friesack.
Klappbrücke an der Schleuse in Alt-Friesack.Foto: Heike Jestram/stock.adobe.com

Streitlustig waren die Seeanrainer bereits zu früheren Zeiten. Fontane erzählt von einem Seegefecht, bei dem allerdings niemand zu Schaden kam. „In Ermangelung wirklichen Kampfes“ vereinbarten im Jahr 1785 der Sohn des alten Zieten aus Wustrau und der Sohn des alten Knesebeck vom gegenüberliegenden Karwe „eine Seeschlacht aufzuführen“. Die Knesebecker sollten angreifen und dann von den Wustrauern „in ihren Schilfwald“ zurückgeworfen werden. Die beiden Kriegskapitäne hatten die Rechnung aber ohne die Fischerflotte gemacht, die von einem befreundeten Offizier für die Karweschen angeheuert und im Schilf versteckt worden war. Die Wustrauer Verlierer „machten gute Miene zum bösen Spiel und sprangen lachend ans Ufer“. An der heutigen Uferpromenade erinnert an diese Geschichte die Brunnenskulptur „Seeschlacht“ des Künstlers Matthias Zágon Hohl-Stein.

Nicht weit von hier befindet sich das Hotelrestaurant „Theodors“ mit Blick auf den See. Fontane würde es schätzen, denn für Brandenburger Verhältnisse wird man hier kulinarisch auf hohem Niveau verwöhnt. Allein wie die frisch angerichteten Kartoffelpuffer mit Räucherlachs und Crème fraîche serviert werden, ist ein Fest. Essbare Blüten säumen Rotweinessig, der in Linien auf dem Teller arrangiert ist.

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