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Tierschutz : China lockert Verbot für Handel mit Tiger- und Nashornknochen

Chinas Regierung lässt die Verwendung von Knochen bedrohter Tierarten in der traditionellen Medizin wieder zu. Naturschützer sind entsetzt.

Ein sibirischer Tiger in einem Tigerpark im chinesischen Harbin
Ein sibirischer Tiger in einem Tigerpark im chinesischen HarbinFoto: dpa/EPA/Diego Azubel

Die Zahl der weltweit lebenden Wildtiere ist laut einem Bericht der Umweltschutzorganisation WWF in den vergangenen Jahrzehnten drastisch geschrumpft. Zwischen 1970 und 2014 sei die Zahl der in Wildnis lebenden Wirbeltiere durch menschliche Aktivitäten um 60 Prozent zurückgegangen, heißt es im am Dienstag veröffentlichten WWF-Weltzustandsbericht 2018. Hauptgrund sei der Verlust von Lebensraum für Tiere etwa durch Landwirtschaft, Bergbau und das Wachsen der Städte.

"Die Situation ist wirklich schlecht, und sie wird immer schlechter", sagte WWF-Direktor Marco Lambertini der Nachrichtenagentur AFP. Er mahnte, Naturschutz bedeute nicht nur, beliebte Tiere wie Tiger, Pandas und Wale zu schützen. Für den Menschen könne es keine Zukunft geben, wenn die Erde ihrer biologischen Vielfalt beraubt werde.

Entsetzen über China

Der WWF übte darüber hinaus scharfe Kritik an Chinas Lockerung des Handels und der Nutzung von Tigerknochen und Nashorn-Hörnern. Als einen „enormen Rückschlag“ für den Artenschutz verurteilte der WWF die angekündigte Aufhebung des bislang geltenden Verbots.

„Es ist zutiefst beunruhigend, dass China sein 25 Jahre altes Verbot des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn aufgehoben hat“, sagte WWF-Vorstand Eberhard Brandes laut einer Mitteilung.

Der Staatsrat in Peking hatte am Vortag den Handel mit Tigerknochen und den Hörnern von Nashörnern von gezüchteten Tieren legalisiert. Nach der Mitteilung der Regierung soll demnach die Verwendung von Nashornhörnern und Tigerknochen für Forschung und Heilung in der traditionellen chinesischen Medizin gestattet werden.

Die Ausnahme für das 1993 in Kraft gesetzte Verbot gilt demnach für zertifizierte Krankenhäuser und Ärzte. Sie dürfen künftig Teile von Tieren nutzen, die in Gefangenschaft auf Farmen gezüchtet wurden.

Der WWF warnte, dass die Wiederaufnahme eines legalen Marktes auch Tiere in freier Wildbahn in große Gefahr bringe.

„Die Erfahrungen Chinas mit dem Handel mit Elfenbein haben deutlich gezeigt, wie schwierig es ist, parallel legale und illegale Märkte zu kontrollieren“, sagte Brandes. Es stehe zu befürchten, dass illegale Produkte gewaschen werden und so in den Handel fließen. Gleichzeitig müssen davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage angeheizt wird und so der Wildereidruck auf freilebende Tiere weiter steigt.

Der Schutz gefährdeter Arten sei Chinas „konsistente Position“, erwiderte der chinesische Außenamtssprecher Lu Kang am Dienstag auf die Kritik. Die Änderungen zielten darauf ab, Lücken in früheren Verordnungen zu schließen. China habe die Bedenken zur Kenntnis genommen und sei bereit, den Austausch mit anderen Ländern zu intensivieren.

Nashorn- und Tigerteile wurden seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, um etwa Fieber, Lebensmittelvergiftungen oder Impotenz zu behandeln. Während führende Stimmen in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahren offiziell von der Verwendung von Nashorn- und Tigerteilen abgeraten haben, gab es jedoch weiterhin einen Untergrundhandel.

Die Tierschützer bezeichneten Pekings plötzliche Entscheidung als einen „deutlichen Widerspruch“ zur bisherigen Haltung der chinesischen Führung. China hatte im vergangenen Jahr viel Lob geerntet, weil es den Handel mit Elfenbein nach Jahrzehnten verboten hatte. (AFP, dpa)

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