Überfall auf Geldtransporter : Harte Gefängnisstrafe für Angeklagten

Rund vier Jahre nach dem Überfall auf einen Geldtransporter hat das Landgericht Halle einen 55-jährigen Mann zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Er erbeutete damals 2,7 Millionen Euro.

Halle - "Auf Grund einer Kette von Indizien sind wir von der Schuld des Angeklagten überzeugt", sagte der vorsitzende Richter Helmut Tormöhlen. Entscheidend sei das eindeutig identifizierte Tatwerkzeug - ein so genannter Winkelschleifer - gewesen.

Bei dem Überfall auf der Bundesstraße 189 in Dolle (Ohrekreis) stahl der Mann rund 2,7 Millionen Euro. Einen Wachmann verletzte er mit mehreren Schüssen. Das Gericht verurteilte den mitangeklagten 36 Jahre alten Sohn aus Mangel an Beweisen lediglich zu neun Monaten Haft wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Die Staatsanwaltschaft hatte zehneinhalb Jahre Gefängnis für den Mann gefordert. Die maskierte Räuber hatten bei dem Überfall 2003 mit Hilfe des Tatwerkzeugs den Geldtransporter aufgeschnitten und waren so an die Beute gekommen.

Der Sohn des Hauptangeklagten kommt frei

Ursprünglich waren beide Männer aus Berlin in dem Prozess auch wegen eines Überfalls auf einen anderen Geldtransporter in Sachsen-Anhalt angeklagt. 1999 wurden in Kayna (Burgenlandkreis) ebenfalls auf einer Straße 1,6 Millionen Euro aus einem Geldtransporter erbeutet. Diesen Anklagepunkt ließ die Staatsanwaltschaft aber während des sieben Monate dauernden Verfahrens zu Gunsten eines schnelleren Prozessverlaufs fallen. Etwa 70 Zeugen wurden befragt.

Zur Begründung der geringen Strafe für den 36-Jährigen sagte der vorsitzende Richter: "Es gibt den ganz erheblichen Verdacht, dass der Angeklagte an dem Überfall beteiligt war, aber das ist nicht so fest, dass wir daraus ein revisionssicheres Urteil bilden konnten." Dagegen wurde der 55-Jährige wegen Beteiligung an einem Raubüberfall, gefährlicher Körperverletzung, unerlaubten Waffenbesitzes und Betruges der Arbeitsagentur verurteilt.

Wo ist die Beute?

Mit dem Richterspruch wurde fast dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen, die für den Vater 14 Jahre Haft gefordert hatte. Der Sohn war elf Monate in Untersuchungshaft, was ihm beim Urteil mit angerechnet wird. Damit ist er auf freiem Fuß.

Gegen seinen Vater jedoch liegt seit kurzem ein Haftbefehl auf Grund von DNA-Spuren wegen eines Banküberfalls in Bernau bei Berlin vor 14 Jahren vor. Damals wurden ein Wachmann erschossen und umgerechnet 1,6 Millionen Euro erbeutet. Bis auf einen von der Staatsanwaltschaft nicht näher bezifferten Teil gilt die Beute aus allen drei Überfällen als verschwunden. (tso/dpa)

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