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Weltalphabetisierungstag : Deutschland muss mehr gegen Analphabetismus tun

Für Hubertus reichen die bisherigen Bemühungen nicht aus. Er fordert anlässlich des Welttages eine breite „bildungspolitische Debatte. Wir sind in Deutschland nicht besonders weit gekommen.“ Das Problem sei seit etwa 30 Jahren bekannt, seit 25 Jahren gebe es entsprechende Kurse. Gerade mal 20 000 Personen würden aber derzeit einen solchen besuchen. „So bekommen wir das nicht in den Griff.“ Zukünftig würden 100 000 Kursplätze gebraucht, auch Programme wie das Alfa-Telefon, bei dem Betroffene Hilfe bekommen, müssten weitergeführt werden.

Die Idee eines „Grundbildungspakts“ von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) unterstützt Hubertus. Der Plan sieht vor, dass Bund, Länder, Kommunen, Betriebe und Unternehmen sowie entsprechende Verbände und Einrichtungen gemeinsam das Problem angehen. „Ein solch abgestimmtes Vorgehen hat es in Deutschland bislang nicht gegeben. Das ist eine historische Chance, die wir nutzen müssen.“ Hubertus warnt aber, dass der Bund und die Länder mit weiteren finanziellen Zuschüssen nicht zu lange warten dürften, auch wenn die Unternehmen noch Zeit bräuchten, um eigene Konzepte zu entwickeln. Die Fördersumme von 20 Millionen – eine Zahl, die seit geraumer Zeit immer wieder als Zuschuss vom Bund genannt wird – hält Hubertus für zu gering. Rückendeckung bekommt er dabei von Rita Süssmuth, der Präsidentin des Volkshochschulverbandes. „Schon heute sind die Volkshochschulen die wichtigste Anlaufstelle für funktionale Analphabeten. Wir brauchen mehr gezielte Maßnahmen, um den Anteil der Betroffenen drastisch zu senken“, sagte die frühere Bundestagspräsidentin und CDU-Politikerin.

Deutschland hatte im Zuge der Weltalphabetisierungsdekade der UN zugesagt, die Analphabetenrate zu halbieren. Auch andere Staaten haben damit Probleme. Weltweit gibt es 793 Millionen erwachsene Analphabeten, wie die Deutsche Unesco-Kommission am Dienstag mitteilte. Mehr als die Hälfte von ihnen leben in den vier bevölkerungsreichsten Ländern der Erde: China, Indien, Bangladesch und Pakistan. Fast zwei Drittel aller Analphabeten sind Frauen. „Weltweit geben Regierungen zu wenig Geld für Bildung aus“, sagte Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen Unesco-Kommission. Die Alphabetisierung leiste einen wichtigen Beitrag, „um Wohlstand und Frieden zu fördern". Wo es ausreichend Bildungsangebote gibt, sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu bewaffneten Konflikten kommt. Zu diesem Schluss kommt die Unesco in ihrem Bildungsbericht 2011. Von der Zielmarke von etwa 430 Millionen Analphabeten im Jahr 2015 ist die internationale Gemeinschaft aber noch weit entfernt.

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