Weltglückstag : "Glück kann man speichern"

Wann ist man glücklich? Ein Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen Alfred Bellebaum.

Eine Familie genießt den Sonnenuntergang an der Nordsee.
Eine Familie genießt den Sonnenuntergang an der Nordsee.Foto: Christian Charisius/dpa

Herr Bellebaum, wann ist man glücklich?

Die Neurobiologen würden sagen: wenn das Gehirn die entsprechenden Botenstoffe Dopamin, Serotonin und Noradrenalin freisetzt. Über die Begrifflichkeit des Glücks gibt es ganze Bibliotheken. Buddha hat gesagt: Glück ist Leidenschaftslosigkeit in der Welt und erfordert die Überwindung der Begierden. Der Dichter Fontane fand: Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und Schmerzfreiheit, das sei schon viel. In einer Umfrage am Alexanderplatz nannten die Befragten unter anderem: „Als ich aus der Psychiatrie entlassen wurde“, „Dass die unerträglichen Schmerzen verschwunden sind“ oder: „Wenn mein Fußball-Verein gewinnt“.

Glücksempfindungen sind also subjektiver Natur?

Ja, aber die meisten Glücksziele und Glückserwartungen sind wiederum kollektiver Natur. Das gilt etwa für die Begeisterungen für Lotto, Fußball, Bergsteigen oder Urlaub. Diese Ziele und Erwartungen ändern sich je nach Zeitalter und Kultur. Im alten Ägypten war zum Beispiel ein anständiges Begräbnis ein ganz entscheidender Faktor für Glück. Überdies gibt es eine gigantische Glücksindustrie, die viele Glücksvorstellungen bedient. Und in den USA gilt das Streben nach Glück sogar als ein Menschenrecht.

Warum gibt es so viel Unglück?

Genau das habe ich einen befreundeten Theologie-Professor gefragt. Er antwortete: „Das ist die größte Herausforderung für Theologen. Wir wissen es nicht.“ Eine präzisere Antwort hatte der französische Philosoph Blaise Pascal: „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“

Herr Bellebaum, Sie sind 86. Was macht sie heute noch glücklich?

Dass ich noch immer forschen kann. Eine Tafel Schokolade. Und die vielen schönen Erinnerungen an die Zeit mit meiner leider schon verstorbenen Frau. Das ist das Schöne am Glück: Man kann es auch

speichern.

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Alfred Bellebaum, emeritierter Professor, war 16 Jahre lang Leiter des „Instituts für Glückforschung“ in München. Mit ihm sprach Alex Raack.

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