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Weltklimakonferenz in Bonn : Der Ozean verschlingt die Fidschi-Inseln

In Bonn läuft die Weltklimakonferenz. Die Präsidentschaft haben die vom Meer bedrohten Fidschi-Inseln. Dort versinken schon Friedhöfe, wie eine Recherchereise 2012 ergab. Heute ist die Lage ist noch schlimmer.

James Dunn watet über das Gelände, das der Friedhof seine Dorfes im Süden der Fidschi-Insel Viti Levu war.
James Dunn watet über das Gelände, das der Friedhof seine Dorfes im Süden der Fidschi-Insel Viti Levu war.Foto: Annette Kögel

Es gab diese Bilder und Erzählungen von versinkenden Friedhöfen irgendwo am Strand von Fidschi. Der steigende Meerespegel schluckt sie. Gibt es sie wirklich? Unsereins wollte sie suchen und finden und in einer Reportage die Geschichte dahinter erzählen. Die Recherchereise fand 2012 mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit statt. Auf Viti Levu halfen dann Mundpropaganda und eine ruckelige Pickup-Tour bis hin zu diesem Strand. Gänsehaut. Die Lage war schon vor fünf Jahren schlimm - heute sind die Prognosen noch düsterer.

Er senkt den Kopf, er rafft seinen Wickelrock, dann tritt er ins Meer. Es ist flach hier und warm. Der Mann watet durch die Welt seiner Kindheit.

„Da draußen“, sagt James Dunn, 65, und zeigt auf den weiten Ozean, „da draußen stand mein Elternhaus.“ Der Garten sei dort drüben gewesen, sagt er und zeichnet mit ausholender Gestik seine Heimat aufs Wasser. Und wo jetzt 100 Meter weiter draußen Wellen schlagen, waren die Süßkartoffelbeete! Es wuchsen die Mangroven hier, daneben die Kokosnusspalmen, etwas weiter hinten weidete das Vieh.

Jetzt ist das alles weggeschwemmt, alles überflutet am Rand des Fischerdörfchens Wainitoguru im Süden von Fidschis Hauptinsel Viti Levu. Nichts mehr da als Ozean, und das Wasser steigt weiter, Jahr für Jahr. Es ist, als würde sich die alte Sintflutlegende bewahrheiten, von der schon der Maler und Südseereisende Paul Gauguin berichtet hatte. Danach haben die Menschen hier schon seit Urzeiten Angst davor, dass „die Wasser des Meeres zu steigen beginnen“, bis sie selbst die höchsten Berge bedecken und alle Lebenden vernichten. „Kidacala“, sagt James Dunn in seiner Landessprache, es heißt Schock. „Wir würden das Wasser gerne wieder wegbekommen, aber wie sollen wir das jemals schaffen.“

Wie eine Mineralwasserflasche im Sonnenlicht

Der Mann sieht mit eigenen Augen, wovor seit Jahren Wissenschaftler mit immer neuen abstrakten Zahlenkolonnen und mathematischen Modellen warnen. Die Szene war bereits im Jahr 2012 mitzuerleben, als die aktuellsten Prognosen noch lauteten: Noch in diesem Jahrhundert werde sich der Ozean weltweit bis zu 1,60 Meter heben. Das hängt von der Klimaerwärmung ab, schaffen es die Industrienationen der Welt, die Zwei-Grad-Plus-Marke nicht zu übersteigen, ist es immer noch ein Meter. Fünf Jahre später sind die Prognosen noch deprimierender. Denn die sich überall aufheizende Luft sorgt nicht nur dafür, dass die Eispanzer an den Polen auftauen und sich die Hälfte des Gletschereises der Alpen bereits über Flüsse in die Ozeane ergossen hat. Dass der Meeresspiegel steigt, lag in den vergangenen Jahrzehnten vor allem an der thermischen Ausdehnung: Wenn sich Wasser erwärmt, nehmen die Moleküle mehr Platz ein. Es verhält sich wie Mineralwasser in einer prallen Plastikflasche im Sonnenlicht.

Der Ozean verschlingt die Fidschi-Inseln
Die Strandidylle der Fidschi-Inseln ist eine trügerische. Das Salzwasser des Ozeans dringt vor, sickert ins Grundwasser und bedroht die Lebensräume der Menschen.Alle Bilder anzeigen
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19.07.2011 14:24Die Strandidylle der Fidschi-Inseln ist eine trügerische. Das Salzwasser des Ozeans dringt vor, sickert ins Grundwasser und...

Die Klimaforscher vom Seaframe-Projekt der australischen Regierung haben diesen Effekt mit Satellitenradaren und Schwimmkörpern nun auch zweifelsfrei nachgewiesen. Um sechs Millimeter pro Jahr ist die Meeresoberfläche rund um Fidschi im vergangenen Jahrzehnt gestiegen. Das ist seit 1980 beinahe so viel wie im gesamten Jahrhundert zuvor. Und im Weltklimarat der Vereinten Nationen arbeiten Experten an den verschiedenen Zukunftsszenarien, schon 2012 mussten die Forscher ihre Prognosen wieder nach oben korrigieren.

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