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Weltraumbahnhof Cape Canaveral : Nasa startet erste Sonde zur Sonnenatmosphäre

Es soll die spektakulärste Sonnen-Mission der US-Raumfahrtbehörde werden. Im zweiten Versuch gelang der Raketenstart in Florida.

Otto Wöhrbach
Eine Delta-IV-Trägerrakete mit der „Parker Solar Probe" an Bord startet im Kennedy Space Center.
Eine Delta-IV-Trägerrakete mit der „Parker Solar Probe" an Bord startet im Kennedy Space Center.Foto: John Raoux/AP/dpa

Mit einen Tag Verspätung hat die US-Raumfahrbehörde Nasa erstmals eine Sonde gestartet, die die durch die Sonnenatmosphäre hineinfliegen soll. Die „Parker Solar Probe“ hob am Sonntag an Bord einer „Delta IV Heavy“-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab, wie die Nasa mitteilte.

Am Samstag hatte die Nasa den Start ihrer spektakulärsten Sonnen-Mission verschoben. Der Stopp war angeordnet worden, weil eine Unregelmäßigkeit während der letzten Minuten des Countdowns beobachtet worden sei, teilte die Nasa am Samstag via Twitter mit. „Parker“ soll der Sonne so nahe kommen wie noch keine andere Sonde vor ihr. „Zum ersten Mal wird die Menschheit einen Stern besuchen“, so die Nasa. „Parker“ werde „die Sonne berühren“.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Flugingenieure eine komplizierte Reiseroute ausgetüftelt. In den nächsten sieben Jahren wird „Parker“ die Sonne 24 Mal umrunden. Dabei wird die Sonde sieben Mal auch an der Venus vorbeifliegen. Bei jedem solchen Vorbeiflug wird „Parker“ von der Gravitation der Venus auf eine neue Ellipsenbahn gelenkt, auf deren sonnennächsten Abschnitten die Sonde immer näher an der Sonne vorbeifliegen wird.

Die Sonde wird 700.000 Kilometer pro Stunde fliegen

Bei ihren letzten drei Sonnenumrundungen Ende 2024 bis Mitte 2025 wird Parker der Photosphäre, der leuchtenden Oberfläche der Sonne, bis auf sechs Millionen Kilometer nahekommen. Ihre Geschwindigkeit wird dabei 700.000 Kilometer pro Stunde betragen. Kein Raumschiff war je schneller.

Spätestens bei ihren letzten Annäherungen wird Parker sogar hineintauchen in die Korona der Sonne. Diese heiße Hülle der Sonne besteht wegen ihrer hohen Temperaturen aus einem Plasma, in dem Atomkerne und Elektronen voneinander getrennt sind. Die hohen Korona-Temperaturen von ein bis zwei Millionen Grad sind nach wie vor eines der ungelösten Rätsel der Sonne. Denn die leuchtende Photosphäre unterhalb der Korona ist mit rund 5500 Grad wesentlich kühler.

Welcher Mechanismus die heiße Korona über der kühlen Photosphäre wieder aufheizt, ist bis jetzt unter Forschern umstritten. Genauso wenig ist bis jetzt bekannt, welche Kräfte ständig große Mengen von Atomkernen und Elektronen aus der Korona mit großen Geschwindigkeiten nach allen Seiten in das Sonnensystem hinausschleudern.

1959 prägte der US-Astrophysiker Eugene Parker, nach dem die Sonde benannt wurde, für diese solare Teilchenstrahlung die Bezeichnung „Sonnenwind“. „Wir haben versucht, die Aufheizung der Korona und die Beschleunigung des Sonnenwinds von der Erde aus zu studieren“, sagte Eric Christian, der beim Goddard Space Flight Center der Nasa die Mission betreut, dem Magazin „The Verge“. „Alle nützlichen Informationen gehen jedoch in den 150 Millionen Kilometern auf dem Weg von der Sonne zur Erde teils verloren. Wir müssen also hin, wo die Action ist.“

Eine starke Sonneneruption dürfte die Sonde nicht überstehen

Zu viel Action wäre allerdings auch nicht gut. Denn oft verwandeln gewaltige Eruptionen die Korona in Teilchenbeschleuniger, die viele Milliarden Tonnen an Plasma mit Geschwindigkeiten von bis zu zehn Millionen Kilometern pro Stunde hinauskatapultieren. "Parker" besitzt zwar einen Hitzeschild aus Karbonfasern, der, aufgeheizt vom Licht der Photosphäre, rund 1400 Grad heiß werden wird.

Eine starke Sonneneruption dürfte die erste Raumsonde, die den Namen eines noch lebenden Menschen trägt, aber wohl kaum überstehen, wenn sie selber dabei gerade durch die Korona rast. Selbst auf der Erde noch wären die Auswirkungen eines direkten Treffers durch eine Sonneneruption gewaltig: "Wenn dies heute geschehen würde, könnten die Schäden durch den Zusammenbruch der Stromnetze, zerstörte Satelliten und Ausfall der Kommunikationssysteme bis zu einer Billion Dollar betragen", warnte der Astrophysiker Joe Giacalone in einer Mitteilung der Universität von Arizona.

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