Weltraumforschung : Warum Trump zurück zum Mond will

Donald Trump will wieder bemannte Missionen ins All schicken – bis zum Mars. Wie realistisch sind Amerikas Pläne?

Historischer Moment. Edwin "Buzz" Aldrin salutiert 1969 auf dem Mond der amerikanischen Flagge.
Historischer Moment. Edwin "Buzz" Aldrin salutiert 1969 auf dem Mond der amerikanischen Flagge.Foto: AFP

Erst der Mond, dann der Mars: 45 Jahre nachdem ein Mensch zuletzt seine Fußabdrücke auf dem Mond hinterließ, hat US-Präsident Donald Trump angeordnet, wieder bemannte Missionen zum Erdtrabanten zu schicken – und später auch zum roten Planeten. Trump unterzeichnete jetzt in Washington eine entsprechende Anweisung an die Raumfahrtbehörde Nasa. „Dieses Mal werden wir nicht nur unsere Fahne einrammen und unseren Fußabdruck hinterlassen“, sagte Trump.

Was hat Trump vor?

Die legendären Erfolge in der bemannten US-Raumfahrt in den 60er Jahren sind Teil der kollektiven Erinnerung der Amerikaner. Der Sieg über die Sowjets im Wettlauf zum Mond ist noch heute eine Quelle des Nationalstolzes. Mit seiner Weltraum-Ankündigung spielt Trump, der laut seinem Wahlslogan „Amerika wieder groß machen“ will, auf diese Gefühle seiner Landsleute an. Bei der Unterzeichnung einer Anordnung zur Raumfahrt betonte der Präsident, die USA wollten sich ihre führende Stellung im All nicht nehmen lassen.

Konkret plant Trump, auf dem Mond ein „Fundament“ für eine spätere Mars-Mission zu errichten. In der Zukunft kämen dann möglicherweise sogar Erkundungsmissionen über den Mars hinaus infrage. Aus heutiger Sicht ist das zwar Science-Fiction. Doch für Trump zählt vor allem das Ziel – weniger der Weg dorthin. Außerdem betonte er, die Weltraumforschung habe auch militärischen Nutzen. Details nannte er jedoch nicht.

Warum kündigt der US-Präsident seine Weltraumpläne gerade jetzt an?

Trump verkündete die neue Weltraum-Mission genau am 45. Jahrestag der Mondlandung der Mannschaft von Apollo 17, der bis heute letzten bemannten Reise zum Erdtrabanten. Einer der damaligen Astronauten, Harrison Schmitt, war zu dem Termin mit dem Präsidenten ins Weiße Haus gekommen. Schmitts damalige Mission werde nicht die letzte gewesen sein, sagte Trump. Viele Einzelheiten zum neuen Weltraumprogramm sind aber noch unbekannt.

Berichten zufolge sind die Details erst in einigen Monaten bei der Vorstellung des Haushalts für 2019 zu erwarten. Dann muss die Regierung dem Kongress mitteilen, welche Mittel für welche Projekte veranschlagt werden. Trumps Kandidat für den Chefposten bei der Raumfahrtbehörde Nasa, Jim Bridenstine, ist als Befürworter einer dauerhaften Mond-Mission bekannt. Bridenstine gehört darüber hinaus zu den Anhängern der These, dass eine bemannte Reise zum Mars am besten vom Mond aus zu bewältigen wäre.

Warum haben die USA seit 1972 keine Mond-Mission mehr unternommen?

Die ehrgeizigen Zukunftspläne von Trump und Bridenstine heben sich deutlich von der eher bescheidenen Gegenwart ab. Seitdem die Space Shuttles im Jahr 2011 eingemottet wurden, haben die USA kein eigenes Vehikel für die bemannte Raumfahrt mehr und müssen ihre Astronauten in russischen Raketen zur Internationalen Raumstation bringen. Vor allem die astronomisch hohen Kosten veranlassten die Vereinigten Staaten nach der Reise von Apollo 17 zur Einstellung der Mond-Missionen und Reduzierung des Weltraumprogramms.

Präsident George W. Bush kündigte 2004 zwar eine Rückkehr zum Mond bis zum Jahr 2020 an, aber auch diese Pläne fielen dem Rotstrich zum Opfer. Dasselbe Schicksal ereilte die Space Shuttles vor einigen Jahren. Nicht zuletzt fehlte bisher ein festes Ziel. Während Bush auf den Mond zurückwollte, wies Barack Obama die Nasa an, eine bemannte Mission zu einem Asteroiden zu planen. Dieses Vorhaben wird jetzt durchs Trumps neue Anordnung ersetzt.

Wie geht es jetzt weiter und welche Risiken gibt es?

Trumps Auftritt und seine optimistischen Voraussagen über neue Weltraumfahrten passen nicht ganz zum Verhalten des Präsidenten in den vergangenen Monaten. Seine Regierung kürzte Forschungsgeld für die Nasa und andere wissenschaftliche Institutionen. Trump wird zudem vorgeworfen, Kandidaten ohne Sachkenntnis an die Spitze von Wissenschaftsorganisationen zu setzen. Der designierte Nasa-Chef Bridenstine ist Berufspolitiker und ein früherer Kampfpilot – aber eben kein Astrophysiker.

Ist das Vorhaben realistisch?

Das „Space Launch System“ der Nasa ist grundsätzlich in der Lage, Menschen auf den Mond zu bringen. Es ähnelt dem Saturn-Raketenprogramm aus den 60ern und 70ern, das die Apollo-Missionen ermöglicht hat. Das Taxi zu Mond, Asteroiden oder gar Mars wäre die neue Nasa-Raumkapsel „Orion“. Allerdings waren die ersten unbemannten Tests des jungen Systems bislang frühestens für 2019 eingeplant, bemannte Flüge erst für 2021 – also nach Trumps nächstem Wahltermin. Ob die Nasa dem Zeitdruck aus dem Weißen Haus nachgibt und damit womöglich die Sicherheit der Astronauten gefährdet, ist offen.

Mann für den Mond. Donald Trump möcht gerne bemannte Missionen zum Erdtrabanten schicken.
Mann für den Mond. Donald Trump möcht gerne bemannte Missionen zum Erdtrabanten schicken.Foto: Saul Loeb/AFP

Unklar ist auch, welche Rolle das „Deep Space Gateway“ in den neuen Plänen spielen wird – eine bemannte Raumstation, die Nasa und Roskosmos, die russische Raumfahrtbehörde, gemeinsam in einer Umlaufbahn um den Mond aufbauen wollen. Die ersten Module der Station, die auch als Sprungbrett zum Mars dienen könnten, hofft die Nasa 2022 ins All bringen zu können.

Während Mond oder Mondorbit als Ziel noch machbar erscheinen, sind viele technische Probleme für den Flug zum Mars hingegen noch ungelöst. Dabei geht es nicht nur um den sieben Monate langen Hinflug zum Nachbarplaneten. Auch die Landung erfordert ein eigenes System. Ganz zu schweigen von der Technik, mit der Astronauten den roten Planeten wieder verlassen und sicher zur Erde zurückkehren können.

Wer will noch zum Mond?

Die Amerikaner sind nicht die Einzigen, die sich auf den Mond schießen wollen. Für 2020 planen Russland und Europa gemeinsam eine unbemannte Mondsonde, „Luna-27“. Der Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Johann-Dietrich Wörner, hofft sogar auf eine ständige Mondbasis – im Aitken-Becken am Südpol, im dem Wassereis vermutet wird. Die Station soll das nächste große internationale Raumfahrtprojekt nach der ISS, der Internationalen Raumstation, sein, die Russland 2024 aufgeben will.

Auch China unterhält ein Mondprogramm, das Chinese Lunar Exploration Program. 2013 setzte das Raumschiff Chang’e-3 das Roboterfahrzeug Yutu auf dem Trabanten ab, das drei Monate die Umgebung erkundete. Ein Jahr später testeten die Chinesen erfolgreich ein Raumfahrzeug, das für eine Rückkehrmission taugt und Mondgestein zur Erde zurückbringen kann. Eine erste bemannte Mission ist im Bereich des Möglichen, vor 2025 jedoch unwahrscheinlich.

Indien brachte erstmals 2008 eine Sonde (Chandrayaan-1) in eine Mondumlaufbahn. 2014 erreichte eine andere Sonde mit der indischen Rakete PSLV-XL den Mars. Ein mit dem chinesischen Mondprogramm vergleichbares Projekt verfolgt die indische Raumfahrtagentur jedoch nicht.

Neben der Nasa, die ohnehin schon immer auf private Unternehmen, etwa Lockheed Martin, zurückgreift, haben in den USA inzwischen auch Raumfahrtfirmen Mond- und sogar Mars-Ambitionen. So erklärte etwa Elon Musk, Gründer von Tesla und SpaceX, seine Vision von einer Marslandung und sogar -besiedlung – allerdings ohne belastbare Details zu nennen.

Dann gibt es auch noch so undurchsichtige Initiativen wie „Mars One“. Die niederländische Initiative kündigte an, bis 2025 Freiwillige auf den Mars zu schießen – ohne Rückfahrschein. Finanziert über TV-Rechte sollten die per Casting ausgewählten Freiwilligen in einer Station auf dem Mars leben, bis zu ihrem Tod. Die ersten Bauteile für diese Siedlung sollten aber bereits 2018 zum roten Planeten geschickt werden. Bisher wurde noch jeder Termin verschoben.

Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Für Raumfahrtenthusiasten ist jede Milliarde, die einen Menschen zum ersten Mal auf den Mars bringt, gut investiert. Nicht nur, weil auf dem Wege neue Technologien entwickelt werden. Die Frage, warum es unbedingt ein Mensch sein muss und kein Roboter, ist schon schwieriger zu beantworten in Zeiten, wo Maschinen immer mehr menschliche Handgriffe und auch komplizierte Forschungsarbeit übernehmen können. Für Politiker zahlt es sich jedenfalls aus, Forschern und Entwicklern ambitionierte Ziele zu setzen – zumindest dann, wenn nur schwer nachzuvollziehen ist, ob der finanzielle Aufwand angemessen ist. Allerdings kann der Ruhm auch rasch vergehen. Etwa wenn Astronauten wegen technischer Unzulänglichkeiten bei ihrer Mission ums Leben kommen.

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