Dombret und Thiele gehen : Bundesbank braucht neue Spitzenkräfte

Bei der Notenbank dreht sich das Personalkarussell – zwei Vorstandsmitglieder gehen.

Wäre gerne geblieben: Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret genießt in der Finanzbrache hohes Ansehen, doch ihm fehlte die politische Rückendeckung.
Wäre gerne geblieben: Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret genießt in der Finanzbrache hohes Ansehen, doch ihm fehlte die...Foto: imago/Tom Maelsa

Der eine Neue ist benannt, aber noch nicht da. Für das andere künftige Vorstandsmitglied liegt noch nicht einmal ein Vorschlag auf dem Tisch. Dabei hätten beide am 1. Mai offiziell ihre neue Aufgabe bei der Bundesbank antreten sollen. Ihre Vorgänger sind zum 30. April ausgeschieden – an diesem Freitag werden sie mit einer Feierstunde in der Bundesbank verabschiedet. Es ist zugleich eine Premiere. Zum ersten Mal besucht der neue Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die Zentrale der Bundesbank am Frankfurter Diebesgrund.

Dombret fehlt die politische Rückendeckung

Für Andreas Dombret und Carl-Ludwig Thiele wird es der letzte offizielle Auftritt in der Notenbank. Beide hatten wichtige Positionen und Aufgaben in der Bundesbank inne. Der Deutsch-Amerikaner Dombret saß seit 2010 im Vorstand und war dort für Bankenaufsicht und -Regulierung zuständig. Zugleich galt er als Außenminister der Bundesbank, vertrat die Notenbank auf internationaler Ebene in wichtigen Gremien, unter anderem beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Thiele, ebenfalls seit 2010 im Vorstand, war für Bargeld und Zahlungsverkehr zuständig. Während der 58jährige Dombret ausscheidet, weil ihm die politische Rückendeckung fehlt – das Vorschlagsrecht für Bundesbankvorstände steht abwechselnd den Bundesländern und der Bundesregierung zu –, hat Thiele mit 65 Jahren die Altersgrenze erreicht.

Dombret hätte gerne weitergemacht

Dombret, Betriebswirt und promovierter Politologe, war nach Stationen bei der Deutschen Bank, bei JP Morgan, beim Bankhaus Rothschild und der Bank of America, in einer Phase zur Bundesbank gekommen, als die Bankenaufsicht durch die Finanzkrise besonders gefordert war. In seiner Amtszeit sei „in Sachen Regulatorik im Großen und Ganzen alles aufgetischt worden, was man auftischen kann“, sagte er unlängst. Auch Dombret ist zu verdanken, dass sich die internationalen Bankenaufseher Ende 2017 nach jahrelangen Verhandlungen auf weltweit gültige Bankenaufsichts- und Eigenkapitalregeln („Basel III“) einigen konnten. Dombret sah sich dabei mitunter auch der Kritik deutscher Geldhäuser ausgesetzt, weil sie einige Auflagen für zu weitgehend hielten. Gleichwohl genießt er in der deutschen und internationalen Finanzszene auch wegen seiner ruhigen und besonnenen Art hohes Ansehen.

Mit 65 Jahren scheidet Carl-Ludwig Thiele als Bundesbankvorstand aus.
Mit 65 Jahren scheidet Carl-Ludwig Thiele als Bundesbankvorstand aus.Foto: picture alliance / Fabian Sommer

Dombret hätte gerne weitergemacht, aber die für den Vorschlag seines Nachfolgers zuständigen Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen entschieden sich für den niedersächsischen CDU-Europa-Abgeordneten Burkhard Balz. Der 48-jährige ehemalige Commerzbanker gilt als kompetent. Im Europaparlament agiert er als Experte für Währungspolitik, Banken und Finanzaufsicht. Dombret hatte deshalb betont, dass er für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung stehe. Zur Ruhe setzen werde er sich aber „ganz sicher nicht“, sagte er.

Unklar ist, wer künftig auf das Gold aufpasst

Das ist im Fall von Thiele anders. Der Jurist und ehemalige Finanzexperte der FDP im Bundestag geht in den Ruhestand. Eine der wichtigsten Aufgaben des hochgewachsenen Notenbankers war die Verlagerung von Großteilen des Goldschatzes der Bundesbank von New York und Paris nach Frankfurt und eine genaue Analyse der Goldbestände. Anfang des Jahrzehnts waren Zweifel aufgekommen, ob das Gold – rund 3370 Tonnen – wie angegeben vorhanden war. Thiele ließ alles genau überprüfen und von 2013 bis 2017 geräuschlos 670 Tonnen des Edelmetalls von Paris und New York nach Frankfurt schaffen. Außerdem wurde unter ihm das europäische Zahlungsverkehrssystem Sepa umgesetzt und auch mit tatkräftiger Unterstützung der Bundesbank neue Euro-Banknoten ausgegeben, die mit neuen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet Fälschern das Leben schwerer machen sollen.

Wer künftig im Vorstand der Notenbank auf das Gold aufpasst und auf das Bargeld und den Zahlungsverkehr schaut, ist völlig offen. Das Vorschlagsrecht liegt bei Bundesfinanzminister Scholz. Ob er am Freitag schon Namen nennt, gilt als unwahrscheinlich. Scholz sucht angeblich möglichst eine Frau aus der Wissenschaft, die der SPD zumindest nahesteht oder am besten das Parteibuch besitzt. Nach wie vor spielt die Parteizugehörigkeit oder -nähe bei der Berufung von Bundesbankern eine wichtige Rolle. Obwohl die Notenbank qua Gesetz unabhängig ist.

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