15.000 Dollar für einen Kristalltiger : Wie sich die Deutsche Bank in China eingekauft hat

Da wurden teuer Berater engagiert, Politiker erhielten wertvolle Geschenke. Nun holen fragwürdige Zahlungen in China die Deutsche Bank ein.

Die Deutsche Bank muss noch immer Skandale der Vergangenheit abarbeiten.
Die Deutsche Bank muss noch immer Skandale der Vergangenheit abarbeiten.Foto: dpa

Die Vergangenheit holt die Deutsche Bank immer wieder ein - die fernere wie auch die jüngere. In China hat sich das Institut von Anfang bis Mitte der 2000er Jahre durch fragwürdige Zahlungen und zum Teil üppige Geschenke an Politiker, Berater und Manager Vorteile verschafft und soll sich so den Einstieg bei der chinesischen Großbank Hua Xia gesichert haben. Das belegen interne Unterlagen, die der Süddeutschen Zeitung, dem WDR und der New York Times zugespielt wurden. Daneben soll die Deutsche Bank 1,1 Millionen Geldwäsche-Vorgänge im Zusammenhang mit der Danske Bank 2014 und 2015 nicht gemeldet haben, hieß es am Dienstag in Finanzkreisen.

Es sind wieder einmal zwei Vorgänge, die Vorstandschef Christian Sewing bei seinen Bemühungen in die Quere kommen, die Bank wieder nach vorne zu bringen und den guten Ruf des Instituts wieder herzustellen. Leider hole die Bank die Vergangenheit immer wieder ein, ist aus der Zentrale an der Frankfurter Taunusanlage zu hören. „Diese Vorfälle reichen bis ins Jahr 2002 zurück und wurden angemessen behandelt“, heißt es in einer Stellungnahme des Instituts. Man veranlasse selbst interne Untersuchungen, um Fehler der Vergangenheit zu identifizieren und zu beheben. Fehlverhalten sei den Behörden gemeldet worden. „Wir haben unsere Richtlinien und Kontrollen verbessert“, versichert die Bank.

Wegen der Vorgänge in China hat das größte deutsche Geldhaus dem Vernehmen nach unlängst im Rahmen eines Vergleichs 16 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC gezahlt. Angeblich hatte zuvor sogar ein Bußgeld von bis 250 Millionen Dollar gedroht. 100.000 Dollar sollen ab 2002 an fragwürdige Beraterfirmen in China geflossen sein, um ein Treffen zwischen dem damaligen Bankchef Josef Ackermann und der Führung in Peking zustande bringen. Es soll Geschenke wie einen Kristalltiger für 15.000 Dollar oder hochwertige Fernseher und Stereoanlagen gegeben haben. Und die Bank soll mehr als 100 Angehörige einflussreicher Chinesen angeheuert haben, darunter viele Kinder. All das hat dem Institut geholfen, bei der chinesischen Großbank Hua Xia einzusteigen und damit auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Bei der SEC ist von Korruption die Rede.

Der damalige Vorstandschef Josef Ackermann mit Chinas Vizepremier Wang Qishan im Jahr 2010.
Der damalige Vorstandschef Josef Ackermann mit Chinas Vizepremier Wang Qishan im Jahr 2010.Foto: imago images/Xinhua

Der damalige Bankchef Ackermann, der das Institut von 2002 bis 2012 geführt hat, sagt, er habe von diesen fragwürdigen Zahlungen und Vorgängen nichts gewusst. Die knapp 20 Prozent Beteiligung an Hua Xia hat die Deutsche Bank Ende 2016 wieder verkauft - mit einem Gewinn von 800 Millionen Euro.

Auch im Geldwäsche-Skandal kommen neue Details ans Licht

Auch der Geldwäsche Skandal bei der dänischen Danske Bank beschäftigt die Deutsche Bank weiter. Zwar hat das Institut die Geschäftsbeziehung bereits 2015 beendet als man, wie es heißt, Hinweise über einen Anstieg „verdächtiger“ Transaktion von Kunden der Danske Bank bekommen habe. Bis dahin war die Deutsche Bank als Korrespondenzbank tätig und hat Zahlungen für die Danske Bank abgewickelt. Allerdings sagen Insider jetzt, die Deutsche Bank habe 2014 und 2015 mehr als eine Million verdächtige Vorgänge den Behörden nicht gemeldet. Die Bank betont, man habe den Behörden alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt, und werde weiter mit den Behörden kooperieren. Außerdem habe man das Personal zur Bekämpfung von Geldwäsche und anderen finanziellen Vergehen seit 2015 verdreifacht und seit 2016 rund 700 Millionen Euro in die Verbesserung der Kontrollen investiert.

Eine Sprecherin der Finanzaufsicht Bafin wollte beide Vorgänge nicht kommentieren. Dagegen zeigt sich Gerhard Schick, früherer Bundestagsabgeordnete und Finanzexperte der Grünen und heute Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende verwundert. „Warum haben diese problematischen Vorgänge in China nur in den USA zu einer Strafe gegen die Deutsche Bank geführt und in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft noch nicht einmal ermittelt, obwohl die Finanzaufsicht Bescheid wusste?“ Die deutsche Finanzaufsicht müsse Kriminalität im Finanzsektor endlich ernst, fordert Schick. “Wenn tatsächlich den Behörden Kenntnisse über Geldwäsche-Transaktionen vorenthalten wurden, dann bekommt der Danske Fall bei der Deutschen Bank nochmal eine ganze andere Dimension“, sagt Schick. Es sei irritierend, dass es dort offenbar möglich gewesen sei, immer wieder gegen interne Regeln zu verstoßen.

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