Wirtschaft : 27 Karstadt-Häuser verdienen zu wenig

Investitionen sollen sie auf Kurs bringen. Doch es wird auch von Schließung oder Verkauf gemunkelt

Yasmin El-Sharif

Berlin - Der Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle will seine Warenhäuser profitabler machen. Etwa ein Drittel der insgesamt 90 Häuser nehmen nach Konzernangaben derzeit zu wenig ein. „Wir haben 27 Filialen identifiziert, bei denen die Umsätze steigen müssen“, sagte Konzernsprecher Jörg Howe am Freitag. Anfang des Jahres sei daher ein Projektteam unter Einbindung des Gesamtbetriebsrats gebildet worden, das die Häuser umstrukturieren solle. In die betroffenen Filialen würden Millionen investiert, um sie langfristig wieder auf Kurs zu bringen. „Wir spüren schon eine Verbesserung“, sagte Howe. „Von einer Schließung dieser Warenhäuser zu sprechen, ist aber vollkommener Unsinn.“

Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ könnte sich der Konzern im Verlauf des Sanierungsprojekts eventuell von Kaufhäusern trennen. Die Zeitung nannte als Zeitfenster das Jahr 2007. Sprecher Howe wollte das nicht bestätigen. Solch eine Beschränkung für die Ziele gebe es nicht. „Außerdem investiert niemand in Filialen, die man hinterher schließen oder verkaufen will“, sagte er.

An den Börsen sorgten die Gerüchte für Bewegung. Die Karstadt-Quelle-Aktie stieg um 3,8 Prozent auf 27,60 Euro.

Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befinden sich unter den 27 Filialen auch zwei in Berlin. Um welche Häuser der insgesamt neun Berliner Filialen es sich handelt, wollte die Sprecherin aber nicht sagen. Weitere unterdurchschnittliche Filialen befinden sich dem Zeitungsbericht zufolge unter anderem in Hamburg-Harburg, Bayreuth, Magdeburg und Siegen. Die Renditeziele für die Häuser sollen bei sechs bis acht Prozent liegen.

Diese Vorgaben wollte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Karstadt-Quelle, Hellmut Patzelt, nicht bestätigen. „Es sind Ziele entwickelt worden, die bis Ende 2007 erfüllt werden sollen“, sagte er. „Ich gehe aber davon aus, dass alle Filialen die Ziele erreichen werden.“ Die Verdi-Sprecherin räumte allerdings ein, dass über Modelle nachgedacht werde, wie mit den Filialen verfahren wird, die das nicht schaffen. „Dass sie geschlossen werden, ist zwar eher unwahrscheinlich“, sagte sie. „Aber es wird darüber spekuliert, neue Betreibermodelle zu finden, die passend auf die Häuser zugeschnitten sind.“ Vor zwei Jahren hatte Karstadt-Quelle bereits 74 kleinere Filialen an Finanzinvestoren verkauft, die inzwischen unter dem Namen Hertie firmieren.

Karstadt-Sprecher Howe betonte, dass man versuche, möglichst alle Häuser durchs Ziel zu bringen, fügte aber hinzu: „Ein Haus, das langfristig rote Zahlen schreibt, hat keine Zukunft.“ Das sehen Finanzexperten genauso: „Wenn die Häuser nicht rentabel sind, werden sie auf jeden Fall geschlossen oder verkauft“, sagte ein Analyst dem Tagesspiegel. „Ich rechne damit, dass es noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung kommen wird.“ Selbst wenn dann nicht mehr in diesem Jahr verkauft werde, müsse der Konzern die unrentablen Häuser immerhin nicht mehr in den Bilanzen aufführen und könne so die Ergebnisse aufpolieren.

Howe hob jedoch hervor, dass Karstadt in das gesamte Warenhausgeschäft 470 Millionen Euro investieren wolle. „Es gibt einen Megatrend hin zu einer Rückbesinnung zu den Innenstädten“, hatte Konzernchef Thomas Middelhoff kürzlich gesagt. Mit künftig acht bis zehn Häusern in der Sparte „Premium“ und derzeit noch 82 Häusern unter der Dachmarke „Karstadt“ sowie 32 Sporthäusern wolle der Konzern in den jeweiligen Regionen eine führende Position einnehmen.

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