5G-Auktion : Fingerhakeln um schnelles Mobilfunknetz

5G-Mobilfunk-Standard: Wirtschaftsverbände verlangen Maßnahmen zur Versorgung nicht profitabler Regionen. Lesen Sie hier Informationen rund um die Auktion.

Ein PKW fährt auf einem Testgelände an einer 5G Antenne vorbei. Vodafone hat seine erste 5G-Mobilfunkstation in Betrieb genommen.
Ein PKW fährt auf einem Testgelände an einer 5G Antenne vorbei. Vodafone hat seine erste 5G-Mobilfunkstation in Betrieb genommen.Foto: Oliver Berg/dpa

Ein Bündnis von Wirtschaftsverbänden hat die Bundesnetzagentur am Freitag aufgefordert, die Vergaberegeln für den künftigen Mobilfunkstandard 5G nachzubessern und dabei auch unkonventionelle Lösungsansätze zu erwägen. Ziel sei ein hochleistungsfähiges Internet – dies müsse nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land flächendeckend zur Verfügung stehen, verlangten Industrie- und Handelskammertag, Handwerksverband, Bauernverband und Landkreistag. Die Netzagentur legte den finalen Entwurf für die im kommenden Jahr geplante Versteigerung vor.

Der von der Netzagentur im September vorgelegte Entwurf hatte für heftige Kritik gesorgt. Demnach soll es bei der Versteigerung für die erfolgreichen Bieter die Auflage geben, bis Ende 2022 „mindestens 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde im Downlink zu versorgen“. Ein flächendeckender Ausbau mit der 5G-Technologie bereits zum jetzigen Zeitpunkt sei „unverhältnismäßig teuer“, erklärte damals Behördenchef Jochen Homann.

Die Auflagen erhöht

Die Netzagentur teilte am Freitag mit, sie habe angesichts der Kritik die Auflagen erhöht. Nun müssen nicht nur 98 Prozent der Haushalte je Bundesland bis Ende 2022 versorgt werden. Die Auflagen umfassen auch die Versorgung der Landstraßen, Wasserstraßen und Schienenwege. Sie sollen demnach bis Ende 2024 mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Im Gegenzug für diese schärferen Anforderungen an die erfolgreichen Bieter habe die Netzagentur die Möglichkeiten zur Kooperation zwischen den Netzbetreibern gestärkt und eine gegenseitige Anrechnung der Versorgung vorgesehen. „Damit kann die wirtschaftliche Belastung der Unternehmen im Rahmen gehalten werden.“ Ein besonderer Knackpunkt ist das sogenannte National Roaming – also dass Kunden eines Anbieters in Funklöchern auch die Handynetze der Konkurrenten nutzen können. Dies will die Netzagentur den Unternehmen auch weiterhin nicht vorschreiben. Sie „erwartet nun aber eine Zusammenarbeit in Gebieten, in denen sich der Ausbau durch einen einzelnen Netzbetreiber wirtschaftlich nicht lohnt“ – und erlegt ihnen ein „Verhandlungsgebot“ auf.

Mit Konkurrenten müssen die erfolgreichen Bieter zudem über die Mitnutzung von Funkkapazitäten verhandeln, erklärte die Behörde. Das Bündnis der Wirtschaftsverbände schlug am Freitag eine Versteigerung in zwei Stufen vor: Zuerst müssten die Mobilfunkanbieter nicht lukrative Gebiete übernehmen und diese mit 5G versorgen – dann erst würden die lukrativen Gebiete versteigert. Die Lizenzgebühren dafür würden die Bieter danach zurückerstattet bekommen, und zwar abhängig davon, wie viel sie für die Versorgung nicht lukrativer Gebiete investieren müssen.

Die Bundesnetzagentur hat die endgültigen Details für Versteigerung der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G veröffentlicht. Die Auktion ist für Frühjahr kommenden Jahres geplant und wird sich über mehrere Wochen hinziehen.

WAS WIRD VERSTEIGERT?

Es stehen Frequenzen im 2-Gigahertz-Band sowie im 3,6-Gigahertz-Band zur Zuteilung. Beide Spektren sind nicht für eine Versorgung in der Fläche geeignet: Die Frequenzen bieten zwar eine hohe Kapazität, können aber nur relativ kleine räumliche Bereiche abdecken. Erst Ende 2025 werden Frequenzen nutzbar, die sich besonders für die Flächenversorgung eignen. Über deren Vergabe soll 2021/22 entschieden werden.
Zudem werden in einem gesonderten Antragsverfahren zusätzliche Frequenzen im Bereich von 3,7-3,8 Gigahertz sowie 2,6 Gigahertz für lokale Nutzungen bereitgestellt. Damit will die Bonner Behörde ermöglichen, dass Firmen eigenständige Netze beispielsweise auf Fabrikgeländen aufbauen, um etwa ihre Maschinen zu vernetzen.

WER BIETET?

Als sicher gilt, dass sich Marktführer Deutsche Telekom, die Nummer zwei in Deutschland, Vodafone, sowie der dritte Netzanbieter, Telefonica Deutschland, an der Auktion beteiligen. Zunächst offen war, ob der Internet- und Mobilfunkanbieter United Internet sich erstmals um eigene Frequenzen bemüht. Sein Interesse hatte Firmenchef Ralph Dommermuth in der Vergangenheit immer wieder signalisiert.

MIT WELCHEN EINNAHMEN WIRD GERECHNET?

Bei der letzten großen UMTS-Versteigerung im Jahr 2000 landeten umgerechnet rund 50 Milliarden Euro in der Staatskasse. Diesmal werden deutlich geringere Summen fließen. Im finalen Entwurf wurden die Mindestgebote deutlich gesenkt, um laut Bundesnetzagentur die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Es gilt weiterhin das Gebot des Höchstbietenden. Wer den Zuschlag erhält, muss 65 Bankarbeitstage später überweisen. Die Einnahmen fließen letztlich in den Digitalfonds der Bundesregierung.

WAS SOLL VERSORGT WERDEN?

Der Entwurf sieht lediglich eine Versorgungsverpflichtung im Zusammenhang mit 5G vor. So muss jeder Betreiber 1000 5G-Basisstationen errichten. Ansonsten verlangt die Netzagentur bis Ende 2022 dieVersorgung von mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, aller Bundesautobahnen, der wichtigsten Bundesstraßen sowie der wichtigsten Schienenwege mit einer Übertragungsrate von mindestens 100 Megabit. Bis Ende 2024 haben die Betreiber unter anderem Zeit, dies auf alle übrigen Bundesstraßen auszuweiten.

WAS KANN 5G?

5G soll Datengeschwindigkeiten ermöglichen, die mindestens 100-mal schneller als die der aktuellen 4G-Netze sind und für sehr niedrige Reaktionszeiten sorgen. Zudem müssen keine Unterbrechungen während der Übertragung befürchtet werden. Das sind Bedingungen, wie sie für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind - etwa das autonome Fahren, virtuelle Realität und Industrie 4.0.

WANN IST MIT ERSTEN 5G-ANWENDUNGEN ZU RECHNEN?

Das wird sich noch - zumindest in Deutschland - über Jahre hinziehen. Zunächst gelten die Nutzungsrechte für die zu versteigernden Frequenzen in den meisten Fällen erst ab 2021. Zudem gibt es bisher kaum Endgeräte auf dem Markt. Allerdings arbeiten daran unter anderem Smartphonehersteller mit Hochdruck daran, für das nächste Jahr erste 5G-Handys bereit zu haben.

WIE STEHT DEUTSCHLAND IM INTERNATIONALEN VERGLEICH DA?

Andere Industriestaaten sind deutlich weiter. In den USA startet nächste Woche die erste 5G-Versteigerung und kommerzielle 5G-Projekte werden schon getestet. Solche Testläufe planen Japan und Südkorea für kommendes Jahr, China für 2020. Südkorea hatte 5G-Netze bei den Olympischen Spielen genutzt, um autonom fahrende Busse einzusetzen und Videoübertragungen zu gewährleisten. (AFP/Reuters)

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