858.333 Euro : Kein Aufsichtsrat verdient so viel wie Deutsche Bank-Chefkontrolleur Paul Achleitner

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz benennt die bestbezahlten Aufsichtsräte. Der mächtigste sitzt gleich in mehreren Dax-Konzernen.

Paul Achleitner ist laut der Studie der bestbezahlte, aber nicht der mächtigste Chefkontrolleur.
Paul Achleitner ist laut der Studie der bestbezahlte, aber nicht der mächtigste Chefkontrolleur.Foto: Arne Dedert/dpa

Deutsche Bank-Chefkontrolleur Paul Achleitner war auch im vergangenen Jahr der am besten bezahlte Aufsichtsratschef in Deutschland. Exakt 858.333 Euro überwies das Institut an Achleitner. Dahinter rangieren Norbert Reithofer von BMW mit 640.000 Euro und Gerd Krick von Fresenius mit 620.000 Euro. Allerdings ist Achleitner nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nicht der mächtigste Aufsichtsrat in Deutschland.

„Dies ist Karl-Ludwig Kley. Er sitzt den Kontrollgremien von Lufthansa und E.ON vor und ist Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums von BMW“, sagt DSW-Expertin Christiane Hölz. Dahinter folgt Achleitner mit dem Chef-Kontrollposten bei der Deutschen Bank und wichtigen Funktionen in den Aufsichtsräten von Daimler, Bayer und im Gesellschafter-Ausschuss von Henkel. Nikolaus von Bomhard führt die Aufsichtsräte von Deutscher Post und Münchner Rück und gilt als hierzulande drittmächtigster Kontrolleur. Erst auf Platz zehn folgt in der Liste mit Ann-Kristin Achleitner eine Frau.

„Insgesamt sitzen die Top-Drei in den Kontrollgremien von acht im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Gesellschaften. In fünf Stellen haben sie den Vorsitz. Insgesamt 13 der entscheidenden Ausschüsse werden von ihnen geleitet“, fasst Hölz die zentralen Ergebnisse der gestern in Frankfurt vorgestellten Aufsichtsratsstudie zusammen.

Frauen haben nach Angaben der DSW ihre Vertretung in Aufsichtsräten der wichtigsten deutschen Unternehmen ausbauen können. Auf der Eigentümerseite liegt der Frauenanteil mittlerweile bei fast einem Drittel, auf der Arbeitnehmerseite sind es fast 39 Prozent. „Die positive Nachricht ist: Die gesetzliche Quote von 30 Prozent wird inzwischen von allen 29 untersuchten Dax-Gesellschaften erfüllt“, sagt Hölz. Freilich: Den Vorsitz haben aktuell nur in zwei Unternehmen Frauen. Simone Bagel-Trah bei Henkel und Martina Merz bei ThyssenKrupp. Sie wechselte allerdings gerade auf den Chef-Sessel im Vorstand des Konzerns.

Damit ist fast auch logisch, dass sich unter den 50 mächtigsten Kontrolleuren in Deutschland nur sieben Frauen befinden und mit Ann-Kristin Achleitner die erste erst auf Rang zehn. Und auch in der zweiten Reihe der Unternehmen werden nur sieben Aufsichtsräte von Frauen geführt, unter anderem bei Zalando, der Aareal Bank und SGL Carbon.

Insofern gibt es nach Ansicht von Hölz noch einiges zu tun, um die Position von Frauen auch bei den börsennotierten Unternehmen in der zweiten Reihe zu stärken. „Selbst bei den Unternehmen, deren Aufsichtsgremien das 30-Prozent-Ziel einhalten, ist die Machtverteilung in der Regel noch deutlich zu Gunsten der männlichen Aufsichtsratsmitglieder ausgeprägt.“

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