Abbau von 2200 Stellen : Bombardier will alle deutschen Werke erhalten

Der Zugbauer Bombardier hat sich mit der Belegschaft auf den Umbau des Unternehmens geeinigt. Bis Ende 2019 sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein.

In Hennigsdorf sollen künftig nur noch Prototypen gerfertigt werden. Die Serienproduktion findet in Bautzen statt.
In Hennigsdorf sollen künftig nur noch Prototypen gerfertigt werden. Die Serienproduktion findet in Bautzen statt.Foto: Bernd Settnik/dpa

Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier hat sich mit der Belegschaft auf einen sozialverträglichen Abbau von 2200 Stellen und den Erhalt seiner sieben Werke in Deutschland verständigt. „Es war ein langer, aber lohnender Weg, um Bombardier fit für die Zukunft zu machen“, sagte Deutschlandchef Michael Fohrer am Mittwoch in Berlin.

Vorausgegangen waren zweijährige Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall, begleitet von zahlreichen Protesten der Belegschaft. Auch die Bundesregierung hatte sich zeitweise um eine Vermittlung bemüht. Vor allem die ostdeutschen Standorte Görlitz und Bautzen sowie das größte Werk in Hennigsdorf nördlich von Berlin sind betroffen. Bombardier Transportation schreibt in Deutschland seit sieben Jahren rote Zahlen und leidet unter dem sich verschärfenden internationalen Wettbewerb der Zughersteller. Die Neuausrichtung soll bis 2020 abgeschlossen sein.

Auch das Werk in Görlitz wird nicht geschlossen

Bis Ende 2019 verzichtet der Konzern, der weltweit 69.500 Mitarbeiter hat – davon 8500 in Deutschland –, auf betriebsbedingte Kündigungen. Bis dahin soll ein Großteil des Stellenabbaus über ein Freiwilligenprogramm gelingen. Etwa ein Drittel der betroffenen Beschäftigten sind Leiharbeiter. „Vor zwei Jahren gab es noch Pläne für die Schließung von Standorten, nun gibt es eine langfristige und tragfähige Perspektive“, sagte Olivier Höbel, IG-Metall-Bezirksleiter in Berlin/Brandenburg. Er hoffe, dass Bombardier auch nach 2020 gesprächsbereit bleibe – zum Beispiel bei der Umwandlung von Leiharbeit in Festanstellungen. „Das Unternehmen kann mehr“, sagte Höbel.

Ziel der Neuausrichtung ist es, die Standorte zu spezialisierten Kompetenzzentren umzubauen, die Produktion nach dem Plattformprinzip zu standardisieren, Doppelarbeit zu vermeiden und bei der Digitalisierung voranzukommen. „Wir müssen die Wende einleiten“, sagte Fohrer. „Bis 2020 wollen wir Bombardier auf die Erfolgsspur zurückbringen.“ Das Unternehmen strebt bis dahin ergebniswirksame Effizienzsteigerungen von rund 200 Millionen Euro an. Allein in den vergangenen fünf Jahren war in Deutschland ein Verlust von fünf Milliarden Euro aufgelaufen.

In Hennigsdorf wird Forschung und Entwicklung konzentriert

Im Einzelnen sieht der nun erzielte Kompromiss eine Spezialisierung vor: Das Werk in Görlitz (1900 Mitarbeiter), das von der Schließung bedroht war, übernimmt die Aufgabe des Rohbau- Standortes. Hier werden künftig die Wagenkästen für Züge und – zusätzlich – für Straßenbahnen gebaut. Bombardier hat Investitionen von rund acht Millionen Euro angekündigt. In Bautzen (1000 Mitarbeiter), wo 30 Millionen Euro investiert werden sollen, konzentriert sich die Serienproduktion. „Hier wird die modernste Serienfertigung in der gesamten Bombardier-Welt entstehen“, sagte Fohrer. Im mit 2300 Beschäftigten größten Werk in Hennigsdorf soll das Kompetenzzentrum für die weltweite Forschung und Entwicklung für Vollbahnen und Metros entstehen. Die Produktion beschränkt sich künftig auf den Bau von Prototypen, die dann in Bautzen in Serie gefertigt werden. Früheren Angaben zufolge sollen in Hennigsdorf rund 500 Stellen wegfallen. „In Hennigsdorf sitzen unsere Denker“, hatte Fohrer im vergangenen Jahr dem Tagesspiegel gesagt. Der Konzern hatte Investitionen von zwei bis drei Millionen Euro zugesagt. In Mannheim konzentriert Bombardier Forschung und Entwicklung für Lokomotiven und Antriebe, in Kassel werden die Loks produziert, in Siegen Drehgestelle.

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„Wir haben das Unternehmen davon überzeugt, die Wertschöpfung in Deutschland zu halten“, sagte Gesamtbetriebsratschef Volkmar Pohl. Die Transformation sei mit „schmerzhaften Einschnitten“ verbunden und werde einige Jahre in Anspruch nehmen.

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