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Abwertung des Yuan : China weist US-Vorwurf der Währungsmanipulation zurück

Die USA haben China der Währungsmanipulation bezichtigt. China will davon nichts wissen. Finanzexperten sind besorgt.

Ein chinesischer Bankangestellter zählt Geldscheine
Ein chinesischer Bankangestellter zählt GeldscheineFoto: DPA/ EPA/ WOO HE

China hat den Vorwurf der USA zurückgewiesen, die Volksrepublik manipuliere seine Währung mit dem Ziel eigener Vorteile im Welthandel. Die jüngste scharfe Abwertung des Yuan sei vielmehr durch den Markt bewirkt worden, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Notenbank. Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, erklärte die Zentralbank.

China werde seine Währung nicht aus wettbewerblichen Gründen abwerten oder sie als Instrument im Handelskonflikt mit den USA einsetzen, erklärten die Währungshüter. Der Yuan-Kurs werde auf einem angemessenen, ausgewogenen Niveau gehalten. Ähnlich hatte sich bereits der Chef der chinesischen Notenbank, Yi Gang, geäußert.

China hatte am Montag den Yuan abgewertet und erklärt, chinesische Unternehmen würden keine Agrargüter mehr aus den USA importieren. Beides wurde als Reaktion auf die vergangene Woche von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle angesehen. Der Schritt dürfte die US-Landwirte hart treffen - viele von ihnen sind Trump-Wähler.

Die US-Regierung hat China daraufhin als ein Land gebrandmarkt, das den Kurs seiner Währung manipuliert, um sich damit unfaire Vorteile im internationalen Wettbewerb zu sichern. Das Finanzministerium forderte Peking am Montagabend (Ortszeit) auf, alle Währungsgeschäfte künftig mit größerer Transparenz und Fairness durchzuführen. Finanzminister Steven Mnuchin werde in der Sache Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds einleiten, hieß es in Washington.

Andere Länder könnten Währung ebenfalls abwerten

Ökonomen sehen die Eskalation mit Sorge. „Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern sein“, sagte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). China habe immer schon seine Währung manipuliert. „Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen.“

Fratzscher befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren „Made in Germany“ außerhalb des Euroraumes teurer.

„Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein. In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen“, mahnte Fratzscher.

Yuan auf tiefstem Stand

Der Yuan war am Montag auf den tiefsten Stand zum US-Dollar seit mehr als elf Jahren gefallen. Ein Dollar hatte erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan gekostet. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als „rote Linie“, die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Dass sie es jetzt zugelassen hat, rief bei Analysten Befürchtungen hervor, China könne den Wechselkurs zur Waffe im Handelskonflikt mit den USA nutzen. Ein niedrigerer Wechselkurs zum Dollar verbilligt den Preis chinesischer Produkte im Ausland.

Um die chinesische Wirtschaft ist es jedoch nicht glänzend bestellt. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt offiziellen Angaben zufolge nur um 6,2 Prozent zu - der niedrigste Wert seit fast drei Jahrzehnten. Für das Gesamtjahr hat die Regierung ein Wirtschaftswachstum zwischen 6,0 und 6,5 Prozent im Vergleich zu 2018 veranschlagt. Schon im vergangenen Jahr hatte China sein BIP nur um 6,6 Prozent gesteigert, auch das der niedrigste Wert seit 28 Jahren. In diesem Jahr darf zudem nichts dazwischenkommen: Im Oktober begeht China den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik.

Die Abwertung war als weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gewertet worden, weil der Yuan nicht gänzlich frei schwankt, sondern durch die chinesische Notenbank beeinflusst wird. An den Börsen wuchs die Angst, dass Politiker beider Länder mit immer neuen Gegenmaßnahmen reagieren würden - und so das Wachstum der Weltwirtschaft abwürgen. Die Wall Street verzeichnete am Montag einen der schlechtesten Handelstage des Jahres, auch der deutsche Leitindex Dax fiel deutlich. Am Dienstag stabilisierte er sich zunächst wieder.

„Damit ist jetzt Schluss“

Trump kritisierte die Abwertung des Yuan als „Währungsmanipulation“. China habe den Kurs seiner Währung nahe an ein historisches Tief gesenkt, um sich Vorteile im internationalen Wettbewerb zu verschaffen. Trump legte auf Twitter nach: China habe „schon immer die Manipulation seiner Währung genutzt, um unsere Unternehmen und Fabriken zu stehlen, unseren Arbeitsplätzen zu schaden“ und die Löhne der amerikanischen Arbeiter zu drücken. „Damit ist jetzt Schluss.“

Chinesische und amerikanische Unterhändler sollen sich im September erneut in Washington treffen, um ein Handelsabkommen abzuschließen. Die USA wollen allerdings Anfang September auch zusätzliche Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von insgesamt 300 Milliarden Dollar erheben. Trump begründete dies damit, dass Peking in den Handelsgesprächen gemachte Zusagen nicht eingehalten habe. (dpa/ AFP)

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