Agrarministerin : Klöckner: Hartz IV ist ein solidarisches Grundeinkommen

Agrarministerin Julia Klöckner hält wenig von der Hartz-IV-Debatte. Ein Gespräch über die Zukunft der CDU, Tierwohllabel – und welche Lobbyisten schon alles zu Besuch waren.

Julia Klöckner (CDU) ist Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.
Julia Klöckner (CDU) ist Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.Foto: Mike Wolff

Frau Klöckner, wie fühlt sich die Rückkehr ins Agrarministerium an?

Ich bin sehr offen und herzlich aufgenommen worden. Viele der Mitarbeiter, mit denen ich vor neun Jahren als Staatssekretärin gearbeitet habe, sind noch da. Die Materie ist mir vertraut. Es ist aber natürlich schon ein Unterschied, jetzt als Ministerin für die vielfältigen Themen des „Lebensministeriums“ zuständig zu sein.


Ihr Ressortkollege, Innenminister Horst Seehofer, ist zuständig für Heimatfragen, Sie für den ländlichen Raum. Wie passt das zusammen?


Alle Minister haben den Auftrag, etwas für unsere Heimat, für Deutschland, zu tun. Und der ländliche Raum hat in meinem Ministerium eine Heimat. Wir kümmern uns um das Leben auf dem Land, um die konkreten Herausforderungen, vor denen die ländlichen Regionen stehen.


Kaum jemand will auf dem Land arbeiten. Wie soll sich das ändern?


In erster Linie entscheidet die Lebensqualität darüber, ob jemand auf dem Land leben und arbeiten will. Deshalb ist es so wichtig, dass wir überall eine gute Verkehrsanbindung haben, ausreichend Ärzte, Schulen und Kinderbetreuung. In meinem Ministerium gibt es eine eigene Abteilung, die solche Fragen im Querschnitt betrachtet. Keine ländliche Region ist wie die andere, deshalb helfen keine Gießkannenlösungen. Wir müssen uns gezielt die Situation vor Ort anschauen. Ich denke da zum Beispiel an Modellregionen, in denen wir ausprobieren können, was es für verschiedene Möglichkeiten gibt und die dann auch einen Vorbildcharakter haben können.


Aber Sie als Landwirtschaftsministerin können ja weder Schulen noch Krankenhäuser bauen lassen. Was tun Sie?


Wenn das Leben auf dem Land attraktiv ist für Jung und Alt, wenn es Arbeitsplätze gibt, dann haben wir auch wieder Familien, die gerne auf dem Land leben. Und dann folgen auch Schule und Kinderbetreuung. Das ist eine Entwicklung, die Hand in Hand geht. Da spielt übrigens auch die Landwirtschaft eine große Rolle, weil sie die ländlichen Räume belebt und stärkt. Was wir konkret tun: Wir veranstalten zum Beispiel Zukunftswerkstätten, wo wir Bürger, Unternehmen und Kommunen zusammen bringen und gemeinsam an maßgeschneiderten Lösungen arbeiten. Wir fördern auch Mehrfunktionshäuser im ländlichen Raum. Die Räume dort können flexibel genutzt werden als Bürgeramt, Arztpraxis, Begegnungsstätte – je nachdem, was vor Ort gebraucht wird. Das ist auch für die Vereine interessant. Die Vereinsstruktur und das Ehrenamt werden im ländlichen Raum ja sehr gepflegt.

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