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Airbus-Konzern: Insiderhandel bei EADS?

Nach einem Bericht der Börsenaufsicht steht die EADS-Spitze unter dem Verdacht des Insiderhandels. Noch vor Bekanntwerden der Fertigungsprobleme beim A380 hatten die privaten Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler Aktien gezielt abgestoßen.

Ein Bericht der Pariser Börsenaufsicht AMF an die Staatsanwaltschaft über mögliche Insiderdelikte beim Airbus-Konzern EADS hat auf den Finanzmärkten erhebliche Unruhe ausgelöst. Der Pariser "Figaro" berichtete, die AMF beschuldige Topmanager und die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère, als Insider mit dem Verkauf von EADS-Aktien Millionengewinne eingestrichen zu haben, bevor die Produktionsprobleme beim Super-Airbus A380 bekannt gegeben wurden.

Der Markt sei über die A380-Krise im Unklaren gelassen worden. Auf Insiderdelikte stehen hohe Geldstrafen sowie die Verpflichtung zum Schadenersatz. Vor allem der Kurs der Lagardère-Aktie brach nach dem Bericht massiv ein. Die AMF bestätigte die Existenz eines Zwischenberichts an die Justiz, erklärte aber, die Ermittlungen liefen noch und würden erst Anfang 2008 abgeschlossen. Lagardère kündigte juristische Schritte gegen die "unbegründeten Anschuldigungen" an. EADS-Chef Louis Gallois erklärte sein Vertrauen in die französische Justiz. Airbus lehnte einen Kommentar ab.

Aufstieg und Fall der EADS-Aktie

Hintergrund der Affäre ist der Höhenflug der EADS-Aktie vor dem Frühjahr 2006 in Erwartung des Super-Airbus A380 bis auf gut 35 Euro und ihr Absturz nach Bekanntwerden der Probleme bei der A380-Fertigung. Als das ganze Ausmaß der Verzögerungen am 14. Juni 2006 offenbar wurde, brach die Aktie an einem Tag um fast 27 Prozent ein. Derzeit liegt sie unter 22 Euro. Noch vor dem Kurseinbruch hatten die privaten Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler je 7,5 Prozent EADS-Anteile auf Ziel abgestoßen. Sie hatten also zum damaligen Kurs verkauft, ihre Aktionärsrechte aber vorerst behalten.

Auch viele Top-Manager hatten mit EADS-Aktien Kasse gemacht. Anfang Juli musste EADS-Co-Chef Noël Forgeard wegen der A380-Probleme gehen. Die AMF schließt laut "Figaro" nun auf "massive Insidergeschäfte", also eine Straftat. Bereits im Juni 2005 soll der EADS-Verwaltungsrat über Probleme bei den Langstreckenmaschinen A350 und A380 informiert gewesen sein. "Das Bewusstsein der bevorstehenden Verschlechterung des Ergebnisses war für die Manager und Aktionäre von Airbus und EADS der entscheidende Beweggrund für den Verkauf der Aktien", resümieren die Ermittler dem Bericht zufolge. "Wenn die Fakten bestätigt werden, sind sie extrem schwerwiegend", erklärte Europa-Staatssekretär Jean-Pierre Jouyet.

Ermittlungen laufen seit fast einem Jahr

Neben der AMF ermittelt auch die Pariser Staatsanwaltschaft seit fast einem Jahr wegen des Insiderverdachts. Die Börsenaufsicht erklärt laut "Figaro" in ihrem Zwischenbericht an die Justiz, dass das Pariser Finanzministerium eingeweiht gewesen sei. Der damalige Finanzminister Thierry Breton sagte dazu, der Staat habe sich stets korrekt verhalten und auch keine Anteile verkauft. (mit dpa) 

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