Airbus-Krise : Pfiffe und Kundenschwund

Die Krise des A380 setzt sich fort. Mit UPS ist auch der letzte Kunde für die Frachtversion des Flugzeugs abgesprungen. Deutschland-Chef Puttfarcken erlebte einen unangenehmen Nachmittag bei den Betriebsversammlungen der bedrohten deutschen Werke.

Hamburg/Paris - Neuer Rückschlag und Imageschaden für Airbus: Auch der letzte Kunde für die Frachtversion des Riesen-Jets A380 ist abgesprungen. Der weltgrößte Paketzusteller United Parcel Service (UPS) will den Auftrag für zehn Maschinen im Jahresverlauf streichen und begründete dies mit einem Vertrauensverlust. Im Streit um die Airbus-Sanierung wollen unterdessen die rund 4700 Mitarbeiter der drei deutschen Werke Nordenham, Varel und Laupheim am Montag an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken wurde bei Betriebsversammlungen laut Arbeitnehmern ausgepfiffen. Die Bundesregierung kündigte an, sich für den Erhalt möglichst vieler Stellen einsetzen zu wollen. Der Streit um die Verlängerung der Hamburger Airbus-Startbahn flammte erneut auf, da das A380-Frachterprogramm auf Eis gelegt wurde.

UPS äußerte sich mit ungewöhnlicher Härte. Obwohl die ursprünglich für 2009 geplante Auslieferung des ersten A380-Frachters bereits auf das Jahr 2012 verschoben wurde, habe man "kein Vertrauen mehr, dass Airbus an diesem Termin festhalten kann", betonte der Präsident der UPS Airline, David Abney. UPS verwies darauf, dass Airbus Mitarbeiter von dem Frachterprogramm abzweigen wolle, um sie an der Passagierversion der A380 arbeiten zu lassen. Am Vortag war bekannt geworden, dass Airbus die Arbeiten am Frachter auf unbestimmte Zeit auf Eis legt. Die formelle Streichung des Auftrags werde UPS zum erstmöglichen Termin präsentieren, der in einem vergangene Woche vereinbarten Abkommen festgelegt worden sei, hieß es.

Startbahnverlängerung wird wieder diskutiert

Die Unterbrechung des A380-Frachterprogramms rief auch die Gegner der Verlängerung der Startbahn am Airbus-Werksflughafen in Hamburg-Finkenwerder wieder auf den Plan. Man prüfe einen Eilantrag vor dem Bundesverfassungsgericht, sagte Rechtsanwalt Peter Mohr, der eine Klägergemeinschaft vertritt. Airbus verlängert die Start- und Landebahn derzeit um 589 auf 3273 Meter. Als einen Hauptgrund dafür hatte der Konzern die schwere A380-Frachtversion genannt. Der Hamburger Senat betonte, dass die längere Bahn auch grundsätzlich gebraucht werde. Ein Rückbau ließe sich rechtlich nicht halten. Die Verlängerung ist vor allem wegen des Eingriffs in ein traditionelles Obstanbaugebiet umstritten.

Keine eigene Komponentenfertigung mehr

Puttfarcken sagte, wie die genaue Verteilung des geplanten Abbaus von 3700 Stellen in Deutschland aussehen soll, stehe noch nicht fest. Natürlich habe eine Zuteilung mit der Größe der Betriebe zu tun, ergänzte er. Die geplante Abtrennung der Werke verteidigte er. Airbus müsse sich die Frage stellen, wo man künftig mit eigenem Geld tätig sein müsse, sagte er in Laupheim. Bereiche, die wie Laupheim etwa überwiegend der Komponentenfertigung zuzurechnen seien, gehörten nicht dazu.

Insgesamt sollen im Zuge des Sanierungsprogramms "Power8" 10.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Werksverkäufe sind dabei nicht mitgezählt. Die Werke Varel, Nordenham und Laupheim stehen aus Protest still, nachdem am Mittwoch der mögliche Verkauf der Standorte angekündigt wurde. Bei Betriebsversammlungen in allen sieben deutschen Werken am Freitag gab es keine neuen Informationen.

IG Metall: "Werke sind profitabel"

Die IG Metall hält den Verkauf von Airbus-Werken für den falschen Weg. "Die Werke haben in den vergangenen Jahren hochprofitabel gearbeitet, da liegt überhaupt nicht das Problem", sagte die IG-Metall-Bezirksleiterin Küste, Jutta Blankau. Der Produktionsverbund der europäischen Airbus-Werke habe funktioniert.

Die Bundesregierung betonte, dass sie in engem Kontakt mit dem Management des Flugzeugbauers bleibe. Die Airbus-Spitze habe weitere Gespräche angeboten, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Der neue Koordinator der Regierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU), werde sich "für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Standorte einsetzen". Eine Sprecherin von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, jeder Arbeitsplatz, der bei Airbus verloren gehe, sei schmerzlich. Es gehe nun darum, möglichst viele Jobs zu erhalten.

Gallois: "Gerechter Plan"

Airbus-Chef Louis Gallois betonte, die Maßnahmen seien aus seiner Sicht ausgewogen. "Power 8" ist ein gerechter Plan, verteilt auf verschiedene Länder, auch wenn jetzt jeder das Gefühl hat, mehr Opfer gebracht zu haben als der andere", sagte er der Zeitung "Les Echos". "Dass jetzt mehr Werke in Deutschland von den Partnerschaften oder möglichem Verkauf betroffen sind, liegt daran, dass es mehr Airbus-Werke in Deutschland gibt." Konflikte zwischen den beteiligten Nationen seien "Gift für Airbus".

Unterdessen wollen sich acht französische Regionen am Airbus-Mutterkonzern EADS beteiligen, um Einfluss auf Investitionsentscheidungen zu gewinnen. (tso/dpa)

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