Wirtschaft : Airbus stoppt Frachtjumbo

Arbeiten an A-380-Version mangels Nachfrage ausgesetzt / Mitarbeiter streiken

Juliane Schäuble Nicole Huss

Berlin/München - Einen Tag nach der Präsentation seines Sparprogramms muss der Flugzeugbauer Airbus weitere Hiobsbotschaften verkünden. Die Arbeiten an der Frachtversion des neuen Superjumbos A 380 würden bis auf weiteres gestoppt, kündigte eine Airbus-Sprecherin am Donnerstag in Toulouse an. Grund seien die Abbestellungen der vergangenen Monate. Die US-Frachtkonzerne UPS und FedEx hatten ihre Aufträge aus Ärger über die zweijährigen Lieferverzögerungen storniert oder mit der Stornierung gedroht. Das Programm für den Bau des Riesenfrachters sei nicht gestoppt, die Entwicklung aber „ausgesetzt“, sagte die Sprecherin. Marketing und Vertrieb sollen weitergehen.

In Deutschland protestierten indes die Beschäftigten mit wilden Streiks gegen den am Mittwoch verkündeten Sparplan, mit dem die Konzernmutter EADS bei Airbus bis 2010 fünf Milliarden Euro einsparen will und anschließend jährlich zwei Milliarden. Vor allem an den Standorten, die verkauft werden sollen, kochte die Wut hoch. Das verriegelte Werkstor im niedersächsischen Varel sollte am Donnerstag kein Airbus-Mitarbeiter passieren. In Laupheim bei Ulm machte die Belegschaft ihrem Unmut mit einem gellenden Pfeifkonzert Luft, auf einem Transparent stand: „Gelobt, verraten, verkauft.“ Auch im Werk Nordenham in Niedersachsen, für das ein Investor gesucht wird, legten die Mitarbeiter die Arbeit nieder. „Wir haben ein großes Faustpfand in der Hand. Die brauchen unsere Teile, wir brauchen das Management aber nicht“, sagte der Vareler Betriebsratschef Jürgen Bruns.

Gleichzeitig signalisierten die Gewerkschaften aber Gesprächsbereitschaft. Bei der Produktion des A 380 sei die IG Metall bereit, einen weiteren Beitrag zu leisten, um organisatorische Abläufe zu verbessern und „ein sehr effizientes Unternehmen“ mitzugestalten, sagte die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta Blankau: „Der Zug ist noch nicht abgefahren.“

Airbus hatte am Mittwoch angekündigt, europaweit 10 000 der 87 000 festen und befristeten Stellen in den nächsten vier Jahren zu streichen. Dabei werde zunächst auf freiwillige Maßnahmen gesetzt. Entlassungen seien aber nicht ausgeschlossen, falls das nicht ausreiche.

Die Landesregierung in Niedersachsen will den geplanten Jobabbau nicht hinnehmen. Das Unternehmen habe volle Auftragsbücher und brauche jeden einzelnen Arbeitsplatz, um der Nachfrage der Kunden gerecht zu werden, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP). „Es ist etwas merkwürdig, dass man in dieser Situation, wo mehr Druck auf dem Kessel ist, weil man Zeit verloren hat durch Management- Pannen in der Vergangenheit, Arbeitsplätze abbauen will.“ Jeder andere würde bei Produktionsspitzen eher zulegen.

Der Geschäftsführer von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, bekräftigte trotz der Verkaufspläne gute Perspektiven für die deutschen Werke. „Die Voraussetzungen sind gut, die Auslastung ist über Jahre gegeben“, sagte Puttfarcken. Er werde sich am Freitag den Mitarbeitern stellen und Betriebsversammlungen in den Werken besuchen. Unklar ist noch, wer als Investor für die Werke Nordenham, Laupheim und Varel infrage kommt. „Wir verhandeln mit einer Reihe potenzieller Interessenten aus dem In- und Ausland“, sagte EADS-Sprecher Michael Hauger dem Tagesspiegel. mit AFP

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