Akkuprobleme : Warum Apple ältere iPhones verlangsamt

Apple drosselt die Leistung von iPhones mit älteren Akkus. Will der Konzern damit Nutzer zum Kauf neuer Geräte animieren?

Frau mit neuen iPhones: Will Apple den Verkauf durch eine Leistungsbremse ankurbeln?
Frau mit neuen iPhones: Will Apple den Verkauf durch eine Leistungsbremse ankurbeln?Foto: Peter Kneffel/dpa

Immer wieder diskutieren Nutzer darüber, dass ihre älteren iPhones langsamer werden, wenn sie das Update eines neuen Betriebssystems aufgespielt haben. John Poole, Gründer des kanadischen Softwareunternehmens Primate Labs wollte es genau wissen. Er ist Spezialist für die Leistungsmessungen von Computern und analysierte ältere Apple-Smartphones mit unterschiedlichen Betriebssystemen. „Ich glaube, dass Apple eine Änderung eingeführt hat, um die Leistung zu begrenzen, wenn der Batteriezustand über einen bestimmten Punkt hinaus abnimmt“, lautet sein Fazit.

 

Nach verschiedenen Berichten hat Apple die Praxis inzwischen eingeräumt. Damit soll das Phänomen verhindert werden, dass sich Geräte unerwartet abschalten. Ein Problem, das bei Smartphones mit alten Batterien immer mal wieder auftritt.

Vorwurf der geplanten Obsoleszenz

 

Das Unternehmen hatte die Spitzenleistung des Prozessors mit der Betriebssystems-Version iOS 10.2.1. eingeführt. Sie betraf bislang Geräte des Typs iPhone 6, iPhone 6s und iPhone SE. „Wir haben diese Funktion jetzt auf das iPhone 7 mit iOS 11.2 erweitert“, erklärte Apple.

 

Unklar bleibt, wie oft Apples Maßnahmen zur Regelung des Stromverbrauchs im tatsächlichen Alltag spürbar sind. Doch für betroffene Nutzer wäre es sinnvoller, den Akku zu wechseln. Kritiker werfen Apple daher vor, Nutzer mit der Verlangsamung indirekt zum Kauf eines neuen Gerätes zu animieren. Mit diesem Vorwurf einer „geplanten Obsoleszenz“, also einer bewussten Verkürzung der Lebensdauer, sehen sich Unternehmen immer wieder konfrontiert. Tatsächlich ist die Nutzungsdauer von Elektrogeräten in den vergangenen Jahren gesunken. Eine Studie des Öko-Institut e.V. und der Universität Bonn im Auftrag des Umweltbundesamtes fand 2016 aber keine Hinweise auf eingebaute Mängel. Stattdessen würden auch viele Geräte ersetzt, obwohl sie noch gut funktionieren.

Akkuwechsel und entsprechende Nachricht würden helfen

 

Viele Branchenbeobachter bezweifeln daher auch, dass Apple mit der Leistungsdrosselung Nutzer zum Kauf neuer Geräte bringen will. Sie halten es für unwahrscheinlich, dass der Konzern das Risiko eingehen würde, das langfristige Vertrauen der Kunden schnellen Profiten zu opfern. Doch um diesen Verdacht zu widerlegen, wäre es das Beste, wenn die Apple-Geräte statt die Leistung zu reduzieren, lieber eine Nachricht schicken, wenn die Akkuleistung zu schlecht wird und die Nutzer zum Batteriewechsel auffordern, sagt Poole. Tatsächlich macht Apple das theoretisch auch, die entsprechenden Hinweise kommen jedoch extrem spät. Häufigere Wechselempfehlungen könnten aber auch wieder zu Ärger führen: Manche Nutzer würden wohl schimpfen, der Konzern wolle sie nur zum kostenpflichtigen Batteriewechsel drängen, um damit Geld zu machen.

 

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