Anti-Korruptionsregeln : Bilfinger fordert Millionen von ehemaligen Vorständen zurück

Weil sie sich nicht genug um das Thema Korruption gekümmert haben, hat Bilfinger einen hohen Millionenbetrag von seinen ehemaligen Vorständen gefordert. Darunter: Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch.

Der damalige Vorstandsvorsitzende des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger, Roland Koch.
Der damalige Vorstandsvorsitzende des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger, Roland Koch.Foto: Uwe Anspach/dpa

Der Industriedienstleister Bilfinger fordert von zwölf ehemaligen Vorständen einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Grund: Sie hätten keine ausreichenden Anti-Korruptionsregeln aufgestellt. Zwar sei das Thema Korruption während ihrer Amtszeit noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit gewesen wie heute, sagte der Konzern-Berater Luis Freeh in Mannheim. „Doch schon zu dieser Zeit hat es einen Verhaltenskodex gegeben, nach dem die Zahlung von Schmiergeldern an Regierungsmitglieder verboten war.“ Selbst ohne explizite Standards sei die Führung eines Konzerns zu integrem Geschäftsgebaren verpflichtet, betonte Freeh, der früher als Direktor des FBI gearbeitet hat.

In die geforderte Summe fließen Kosten ein, die das Unternehmen zusätzlich zu bereits vorhandenen, aber ungenügenden Compliance-Systemen zahlen musste. Diese Systeme sollen die Einhaltung von Regeln gegen Korruption und Bestechung sicherstellen. Für Freeh ist Compliance eine Kultur des fairen Wettbewerbs, die ein Unternehmen vom Empfangspersonal bis an die Konzernspitze verinnerlicht haben müsse.

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Die Vorwürfe betreffen unter anderem den Ex-Ministerpräsidenten von Hessen, Roland Koch (CDU). Koch, der das Unternehmen von 2011 bis 2014 leitete, hatte die Vorwürfe als substanzlos zurückgewiesen.

Der Konflikt um angebliche Pflichtverletzungen zwischen 2006 und 2015 vor allem in Afrika und Asien hat bislang nicht die Gerichte erreicht. Das auf Wartung und Reparatur von Anlagen spezialisierte Unternehmen und die ehemaligen Vorstände verhandeln laut Freeh derzeit noch. „Ich hoffe auf eine außergerichtliche Lösung.“

Heute habe das Unternehmen mit rund 36.000 Mitarbeitern beim Thema Compliance den Stand vergleichbarer Wettbewerber erreicht, sagte Freeh. Er arbeitet seit drei Jahren als Compliance-Berater für Bilfinger.

Das Unternehmen hat 100 Millionen Euro für Compliance ausgegeben

Das US-Justizministerium hatte wegen einer Schmiergeldaffäre in Nigeria im Jahr 2003 ein Verfahren gegen Bilfinger und ein US-Unternehmen eingeleitet. Bilfinger zahlte Ende 2013 in den USA 32 Millionen Dollar und versprach, ein funktionierendes Compliance-System aufzubauen, das von einem Monitor überprüft wird. Damit wurde die Strafverfolgung ausgesetzt. Hätten die Mannheimer das nicht getan, wäre ihr US-Geschäft bedroht gewesen. Der Monitor in Person des Rechtsanwalts und Anti-Korruptionsexperten Mark Livschitz nahm 2013 seine Arbeit auf.

2015 zeigte er sich unzufrieden mit dem Stand des Verhaltenskodexes und plädierte für eine verlängerte Beobachtung. Daraufhin stellte Bilfinger Freeh ein, der sich monatlich an sieben bis zehn Tagen darum kümmert, ein wirksames Compliance zu installieren.

Seit damals hat das Unternehmen 100 Millionen Euro für die Sicherstellung der Regeltreue ausgegeben. „Der Vorstand nimmt das Thema sehr ernst, und ich glaube, dass das Unternehmen Ende dieses Jahres grünes Licht des Monitors für gutes Compliance erhält“, sagte Freeh. Das letzte Wort habe aber das US-Justizministerium. (dpa)

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