"Die Kunden achten mehr aus den Service als auf den Preis"

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AOK-Chef Martin Litsch im Interview : „Die Zusatzbeiträge werden weiter steigen“

Zum Jahreswechsel haben manche Kassen ihre Beiträge stark erhöht. Kann das gutgehen, wenn günstigere Anbieter die gleichen und oft sogar noch bessere Leistungen anbieten?

Die Beitragsunterschiede waren früher noch viel größer, vor 2009 lagen sie bei mehr als vier Prozentpunkten. Und die Kunden achten heute stärker auf Service und Leistung, das ist meist wichtiger als der Preis. Kassen mit einem guten Versorgungsangebot und Top-Service haben auch weiterhin Chancen.

Die Versicherten können ihre Kasse wechseln, wenn sie zu teuer wird. Was passiert, wenn große systemrelevante Anbieter wie die DAK, die besonders teuer ist, ins Trudeln geraten? Immerhin ist die DAK die drittgrößte Kasse.

Gesetzlich ist das klar geregelt: Auch Krankenkassen können insolvent werden. An der Pleite der CityBKK hier in Berlin hat man aber gesehen, dass das nicht so einfach über die Bühne geht. Too big to fail, ist schon ein Problem. Im AOK-System haben wir viele Erfahrungen mit Fusionen und Finanzhilfen gemacht. Wichtig ist, dass man frühzeitig gegensteuert, gerade um ältere und kranke Versicherte nicht zu beunruhigen.

Steigen die Zusatzbeiträge noch weiter?

Ja, weil die Ausgaben deutlich stärker steigen als die Einnahmen. Die Politik hat die wirtschaftlich guten Jahre bisher noch nicht dazu genutzt, um echte Strukturreformen durchzuführen. Stattdessen wird immer mehr Geld in die bestehenden Strukturen gekippt.

Der SPD gefällt es nicht, dass nur die Arbeitnehmer für Preissteigerungen bezahlen, die Arbeitgeber aber nicht.

Die SPD hat diese Regelung im Koalitionsvertrag mitbeschlossen. Wichtiger als die Frage, ob wir zur Parität zurückkehren, ist aus meiner Sicht aber, wie wir die Ausgaben in Schach halten.

Ein Vorwurf an den Gesundheitsminister?

Hermann Gröhe ist ein sehr teurer Minister. Wir erwarten in dieser Legislatur eine Ausgabensteigerung von rund 40 Milliarden Euro, weit mehr als in der Vergangenheit. Die Ausgabensteigerungen der beiden vorangegangenen Legislaturperioden lagen bei rund 24 bis 27 Milliarden. Allein den Krankenhäusern wurden bis 2020 zehn Milliarden mehr versprochen. Und was sehen die Versicherten bisher von all den kostspieligen Reformen? Ein paar Terminservicestellen.

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