Aus für unrentable Zweigstellen : Berliner Sparkasse schließt bis zu zehn weitere Filialen

Die Berliner Sparkasse profitiert von höheren Gebühren, trotzdem werden weitere zehn Standorte geschlossen. Stattdessen soll es mobile Berater geben.

Ein Sparkassenlogo an der Fassade einer Berliner Sparkassen-Filiale
Ein Sparkassenlogo an der Fassade einer Berliner Sparkassen-FilialeFoto: dpa/Arne Bänsch

Wo denn jetzt die Kontoauszugsdrucker stehen, will eine ältere Frau wissen und zupft Johannes Evers am Ärmel. Der Vorstandschef der Berliner Sparkasse lacht und führt sie zur Stirnseite der Filiale, vorbei am Bücherregal und dem langen Sofa. Erst vor wenigen Tagen ist die Zweigstelle am Alexanderplatz neu eröffnet worden. Der Eingangsbereich, der zuvor von den Automatenreihen dominiert wurde, erinnert nun eher an einen Elektronikmarkt.

An der Wand flimmern Nachrichten über einen Flachbildschirm, zentral im Raum steht ein Tisch, auf dem Tablets montiert sind, wie man es von Saturn oder Mediamarkt kennt. Dort sollen Kunden nun die Sparkassen-Apps ausprobieren können. Wer will, kann aber auch einfach so im Internet surfen; an einem der Tablets hat sich jemand bei Facebook eingeloggt.

Fünf bis zehn Zweigstellen fallen weg

Wie die Konkurrenz baut auch die Berliner Sparkasse ihr Filialnetz um. Während große Standorte mit Sitzecken und Bücherregalen ausgestattet werden, damit Kunden nicht mehr in der Schlange warten müssen, fallen andere Filialen weg. Wie schon in den letzten beiden Jahren will die Sparkasse 2018 erneut fünf bis zehn Zweigstellen in der Stadt schließen. Welche der 98 Filialen das konkret sein werden, steht allerdings noch nicht fest. „Das entscheiden die Kunden mit ihren Füßen“, sagt Evers. Kämen sie so selten vorbei, dass sich ein Standort nicht mehr rechne, werde er geschlossen.

Um weiterhin auch in der Fläche präsent zu sein, setzt die Sparkasse verstärkt auf mobile Berater. Die klappen seit vergangenem Jahr stundenweise ihre Laptops in Gemeindezentren oder Krankenhäusern auf. An anderen Standorten sind sie mit dem neuen Sparkassen-Bus unterwegs. An zwölf Standorten sind die mobilen Berater inzwischen im Einsatz. Gleichzeitig versucht auch die Sparkasse, mehr Kunden in Kursen das Onlinebanking nahezubringen. „Die sind regelmäßig ausgebucht“, sagt Evers. Auch werden Kunden eingeladen, mit ihrem Smartphone oder Tablet in die Filiale zu kommen, um sich dort zeigen zu lassen, wie die Bank-Apps funktionieren. Auf diese Weise sei es ihnen gelungen, im vergangenen Jahr 50 000 neue Online-Banking-Nutzer zu gewinnen, sagt der Berliner Sparkassen-Chef.

Johannes Evers, Chef der Berliner Sparkasse, will den Kunden in der neuen Filiale am Alexanderplatz das Onlinebanking nahebringen.
Johannes Evers, Chef der Berliner Sparkasse, will den Kunden in der neuen Filiale am Alexanderplatz das Onlinebanking nahebringen.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Wenn Standorte aus dem Kiez verschwinden und Kunden mehr eigenständig im Netz agieren, dann bedeutet das auch, dass man weniger Mitarbeiter braucht. So macht Evers keinen Hehl daraus, dass die Zahl der Angestellten in den nächsten Jahren sukzessive zurückgehen werde. Derzeit beschäftigt das Geldinstitut noch 3700 Mitarbeiter in der Stadt. Der Vorstandvorsitzende betont allerdings, dass es weiterhin einen sozialverträglichen Jobabbau gebe – also keine betriebsbedingten Kündigungen. Dabei profitiert die Sparkasse von dem hohen Altersdurchschnitt ihrer Belegschaft. „Die Hälfte unserer Mitarbeiter ist über 50 Jahre alt“, sagt Evers. Gehen Angestellte in Ruhestand, werden ihre Stellen also künftig seltener nachbesetzt.

Die Kundenzahl bleibt stabil

Auch für die Kunden hat das Auswirkungen. Sie müssen nicht nur auf Filialen verzichten, sondern inzwischen bei der Sparkasse auch mehr Geld fürs Konto bezahlen. Einige dürfte das zum Bankwechsel bewegt haben. Denn die Zahl der Kunden ist 2017 zum ersten Mal seit langem nur konstant geblieben statt gestiegen. Evers verkauft das als Erfolg. „Unsere Mitarbeiter konnten vermitteln, dass Qualität auch ihren Preis hat“, sagt der Sparkassenchef. Faktisch heißt das aber: In der wachsenden Hauptstadt hat die Sparkasse an Marktanteil verloren – auch wenn sie mit 1,3 Millionen Privatgirokonten weiterhin die meisten Kunden in Berlin hat.

Finanziell hat sich die Einführung der Gebühren für die Sparkasse jedoch in jedem Fall ausgezahlt. Ablesen kann man das am Provisionsüberschuss, der mit 282 Millionen Euro deutlich über dem Wert des Vorjahres lag. Auch mit dem Gesamtergebnis ist Evers deshalb zufrieden. Der Gewinn vor Steuern fällt mit 86 Millionen Euro höher aus als erwartet – in Aussicht gestellt hatte er ursprünglich 54 Millionen Euro. Für 2018, das Jahr des 200. Geburtstags der Sparkasse, ist Evers „vorsichtig zuversichtlich“ – und rechnet mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau.

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