Ein Mentorenprogramm für Auszubildende

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Auszubildende in Deutschland : Wenig Stellen, viele Abbrecher
Unbezahlte Überstunden lösen bei vielen Azubis in einer unverhältnismäßigen Menge so viel Unmut aus, dass sie ihren Vertrag vorzeitig kündigen.Foto: Wolfgang Thieme/ ZB
Unbezahlte Überstunden lösen bei vielen Azubis in einer unverhältnismäßigen Menge so viel Unmut aus, dass sie ihren Vertrag...Foto: gms

Manchmal sind Auszubildende unsicher. Mache ich das richtige? Schaffe ich das? Sie hadern mit sich, brechen die Lehre ab. Die Initiative VerA möchte das verhindern – und bietet den Jugendlichen etwas, das sie noch nicht haben, aber was sie in einer Krise beruhigt: Erfahrung.

Der Name VerA steht für „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“. Fach- und Führungskräfte, die im Ruhestand sind, begleiten Auszubildende manchmal ein Jahr, manchmal vom Beginn der Lehre bis zur Abschlussprüfung. Oder sie suchen mit ihren Schützlingen nach einem neuen Betrieb, wenn sie zu unglücklich sind. Zusammengeführt wird das Tandem vom Senior Experten Service (SES). Dem Initiator des Projekts. Er überlegt, wer fachlich zueinander passt und nicht zu weit voneinander entfernt wohnt.

Was die Auszubildenden bewegt

Wie oft und wie lange sich der Auszubildende mit seiner Vertrauensperson trifft, ist immer verschieden. Vorgaben gibt es nicht. Sie sprechen über Probleme in der Berufsschule, über Noten, Prüfungsängste, über Konflikte im Ausbildungsbetrieb oder private Sorgen. Die Mentoren stärken das Selbstbewusstsein der jungen Leute, motivieren sie, hören sich ihre Fragen und Zweifel an, suchen nach Lösungen.

Was die Jugendlichen genau bewegt, stellt sich so dar: Bei zwei Dritteln der Jugendlichen ist das Ausbildungsverhältnis nach eigenen Angaben gefährdet; ein Drittel möchte mit Hilfe des Initiative seine Leistungen verbessern. Mehr als die Hälfte braucht Unterstützung bei der Fachtheorie, ein Viertel bei der Prüfungsvorbereitung. Bei jedem Fünften stehen sprachliche Mängel im Fokus, ein Drittel möchte seine sozialen Kompetenzen und die Lernmotivation verbessern. Mobbing und finanzielle Probleme sind bei jedem Fünften Thema.

80 Prozent der Fälle erfolgreich

Um helfen zu können, brauchen die Mentoren vorab ein erweitertes Führungszeugnis und sie müssen eine zweitägige Schulung besuchen. In Rollenspielen üben sie den Umgang mit Jugendlichen und lernen das Prozedere kennen. Zwei Mal im Jahr fertigen sie einen Bericht an: Wo stand der Azubi, wo steht er jetzt. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich. Im Monat bekommen sie eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro.

Seit Ende 2008 haben die 1500 Mentoren rund 5000 Jugendlichen in Deutschland geholfen. „Über 80 Prozent der Tandems waren erfolgreich“, sagt Hans-Peter Apel, Regionalkoordinator in Berlin. Besonders stark sei die Nachfrage bei Friseuren, Köchen, Hotelfachleuten, Maler und Lackierern. Anmeldungen sind unter www.vera.ses-bonn.de möglich.

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