Automatisierte Geldanlage : Kunden vertrauen den Robo-Advisorn nicht

Sie sollen die bequemste Art der Geldanlage sein, doch automatisierte Anlageformen finden kaum Anklang. Experten sehen die Schuld bei den Banken.

Anleger sollen sich mit Robo-Advisorn möglichst wenig Sorgen um Aktienkurse machen müssen.
Anleger sollen sich mit Robo-Advisorn möglichst wenig Sorgen um Aktienkurse machen müssen.Foto: DPA-TMN/Franziska Gabbert

Automatisierte Geldanlagen im Internet breiten sich nur langsam in Deutschland aus. Die sogenannten Roboter-Plattformen, bei denen Anleger Geld in Fonds-Portfolien investieren können, stoßen auf weniger Andrang als erwartet, wie Zahlen von Beratern zeigen.

„Die Hoffnungen in der Branche haben sich nicht erfüllt“, sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. Viele Anbieter von digitalen Vermögensverwaltern, darunter viele Start-ups, hätten die Bedeutung einer bekannten Marke und die Kosten für Kundenakquise unterschätzt. Zudem richteten sich die Geldanlage-Automaten an eine Nische von Kunden, die sich sowohl für Internet-Angebote als auch Wertpapiere interessierten. „Beides zusammen ist selten.“

Zwar habe sich das verwaltete Vermögen in Geldanlage-Robotern („Robo Advisor“) 2018 auf 2,8 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Damit blieb der deutsche Markt aber klar unter den Erwartungen von Oliver Wyman, die mit drei bis vier Milliarden Ende 2018 gerechnet hatten. Erst jetzt habe der Markt rund vier Milliarden Euro Kundengeld erreicht.

Bei den Robotern geben Sparer an, etwa welche Anlagezeiträume und Risikoneigung sie haben. Danach schlägt ein Computer ein Standardportfolio vor - meist aus Indexfonds (ETFs) auf Aktien, Anleihen oder Immobilien. Die Firmen werben mit vier bis sechs Prozent Rendite pro Jahr bei Gebühren von 0,5 bis einem Prozent.

Von großen Erfolgen der Banken im Vertrieb ist indes nichts bekannt. Während die Deutsche Bank und Genossenschaftsinstitute keine Zahlen für ihre Robo Advisor nennen, liegen im Sparkassen-Angebot „Bevestor“ lediglich 15 Millionen Euro - bei der Vertriebskraft von 260 kooperierenden Instituten. „Cominvest“ von der Commerzbank-Tochter Comdirect betreut immerhin schon 500 Millionen Euro. „Die Banken vermarkten ihre Lösungen nur verhalten“, sagt Hübner. „Sie fürchten eine Kannibalisierung eigener Fonds.“ (dpa)

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