Behördengänge online : Oh, wie digital ist Dänemark

Das digitale Vorzeigeland ist Gast bei einer neuen Messe in Berlin. Horst Seehofer könnte hier einiges lernen, sagte aber kurzfristig ab.

Der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen (rechts) besichtigt die Smart Country Convention in Berlin.
Der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen (rechts) besichtigt die Smart Country Convention in Berlin.Foto: Tobias Schwarz/AFP

Wie einfach es der Staat seinen Bürgern machen kann, zeigt Dänemark. „Die Steuererklärung dauert bei uns für die meisten fünf bis zehn Minuten“, erklärt Lars Frelle-Petersen, Geschäftsführer des dänischen Industrieverbandes. Denn die wichtigsten Daten liegen online vor. Auch Schulanmeldungen und andere Behördengänge erledigen fast alle Dänen im Netz, selbst die Rente beantragen 95 Prozent digital.

Deswegen liegt Dänemark beim europäischen Digitalisierungsindex (Desi) auf Platz eins, Deutschland ist dagegen Vierzehnter. Daher ist Dänemark auch Partnerland auf der Smart Country Convention, einer neuen dreitägigen Messe zur Digitalisierung der Verwaltung, die am Dienstag im CityCube am Berliner Messegelände öffnete. „Wir wollen zu einer internationalen Leitveranstaltung werden“, sagte Christian Göke, Chef der Messe Berlin. Der Markt habe allein in Deutschland ein Volumen von 50 Milliarden Euro, in Europa von 300 Milliarden.

Während der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen extra anreiste, um die Berliner Messe zu eröffnen, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer seine Rede kurzfristig ab. Dabei ist die Digitalisierung der Verwaltung ein zentrales Vorhaben der Bundesregierung, in fünf Jahren soll der Großteil der Behördengänge online erledigt werden können. Zentral verantwortlich ist dabei Seehofers Haus und der Minister hätte sich dabei von Rasmussen einige Tipps geben lassen können.

In zwei Jahren müssen Rechnungen beim Bund elektronisch eingereicht werden

So sprang sein Staatssekretär Klaus Vitt ein, der auch mit einem symbolischen Fingertipp auf einem Tablet stolz ein neues Onlineportal startete. Die Zentrale Rechnungseingangsplattform des Bundes (ZRE) ermöglicht es Unternehmen nun, Rechnungen auch elektronisch zu schicken. Ab 27. November ist die Bundesverwaltung verpflichtet, diese digital zu empfangen und zu verarbeiten. In zwei Jahren gilt das auch andersherum, ab dem ab dem 27. November 2020 sind dann alle Rechnungen an den Bund als elektronische Rechnungen einzureichen.

„Herzlichen Glückwunsch dazu“, sagte Frelle-Petersen vom dänischen Industrieverband. „Doch bei uns ist das schon seit 2005 obligatorisch.“

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