Bericht der New York Times : Deutsche Bank muss sich für Kredite an Donald Trump rechtfertigen

Das Institut gab dem US-Präsidenten offenbar noch Geld, als andere längst abgewunken haben. Auch zwei Ex-Chefs sollen involviert gewesen sein.

Laurin Meyer
Mithilfe der Deutschen Bank soll Donald Trump zahlreiche Immobilien finanziert haben
Mithilfe der Deutschen Bank soll Donald Trump zahlreiche Immobilien finanziert habenFoto: Lamarque/rtr

Der wohl heikelste Kunde der Deutschen Bank heißt Donald Trump. Über zwei Jahrzehnte hinweg soll das Geldinstitut dem heutigen US-Präsidenten mehr als zwei Milliarden Dollar geliehen haben. Besonders kritisch: Trotz zahlreicher Ausfälle gewährte die Deutsche Bank dem Immobilienmogul offenbar stets weitere Kredite – zu einem Zeitpunkt, an dem andere Banken ihn längst nicht mehr für kreditwürdig hielten. Die genauen Umstände hat die „New York Times“ jetzt unter Berufung auf 20 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Instituts nachgezeichnet.

Trump trickste offenbar beim Vermögen

Mit dem Geld finanzierte der heutige US-Präsident zahlreiche seiner Wolkenkratzer und High-End-Immobilien. Um an die Kredite zu kommen, soll Trump mehrmals seine eigenen Vermögenswerte falsch dargestellt haben, heißt es in dem Beitrag. Als er etwa um einen 500-Millionen-Kredit für ein Hochhaus in Chicago bat, soll Trump ein fast viermal so hohes Nettovermögen angegeben haben, als Mitarbeiter der Deutschen Bank hinterher berechnet hätten. Um einige Jahre später gut 100 Millionen Dollar für ein Golf-Resort in Miami zu bekommen, habe Trump seine Immobilien um 70 Prozent überbewertet. Darüber hinaus soll Trump einige Banker bei „weniger einfachen“ Deals mit einem Wochenend-Aufenthalt in seinem Privatdomizil Mar-a-Lago in Florida belohnt haben, zitiert die New York Times ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.

Die Verantwortlichen des Frankfurter Geldhauses hätten dabei zahlreiche Warnsignale ignoriert, heißt es. Der amtierende US-Präsident soll sogar von der Privatsparte der Deutschen Bank ein Darlehen bekommen haben, um bestehende Schulden im Investmentbereich des Instituts zurückzuzahlen – ein nach allen Finanzmarktstandards ungewöhnliches Geschäft. Außerdem soll ein Investmentbanker vor Trumps Geschäften mit Bauunternehmern gewarnt haben, die unter Verdacht standen, eine Verbindung zur organisierten Kriminalität zu haben.

Ackermann und Jain involviert

Auch zwei ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sollen direkt in die Geschäftsbeziehung zu Trump verwickelt gewesen sein. Ex-Chef Josef Ackermann war demnach bei mindestens einer Kreditvergabe persönlich involviert. Anshu Jain soll einige Jahre später den heutigen US-Präsidenten sogar im Trump Tower getroffen haben, um über seine Finanzsituation zu sprechen.

Die Deutsche Bank steht wegen ihrer Geschäfte zu Trump laut Zeitungsartikel auch im Fokus einer neuen Ermittlung. Die New Yorker Staatsanwaltschaft habe Dokumente angefordert und die Bank formal vorladen lassen, schrieb die New York Times in der vergangenen Woche. Auch Abgeordnete der Demokraten beschäftigten sich zuletzt immer wieder mit den Finanzbeziehungen des Instituts zu Trump und möglichen Kontakten nach Russland.

Geschäft könnte sich trotzdem gelohnt haben

Die Deutsche Bank könne bestehende oder potenzielle Kundenbeziehungen aus rechtlichen Gründen nicht kommentieren, erklärt ein Unternehmenssprecher. Die Berichte über Ermittlungen treffen das Geldhaus inmitten der Übernahmegespräche mit der Commerzbank. Analysten zeigen sich davon allerdings wenig beunruhigt. „Die Ermittlungen dürften der Deutschen Bank nicht schaden, da der Ruf ohnehin schon ruiniert ist“, sagt Dieter Hein vom Analystenhaus Fairesearch. Der Bankenexperte könne sich aktuell kein Ermittlungsergebnis vorstellen, das die Öffentlichkeit schockieren würde – sowohl Donald Trump als auch die Deutsche Bank betreffend.

Für beide Seiten könnte sich die Zusammenarbeit sogar noch ausgezahlt haben, spekuliert auch die New York Times: Trump habe die Beziehung zur Deutschen Bank genutzt, um Zweifler von seiner Geschäftstüchtigkeit zu überzeugen. Das Geldinstitut konnte hingegen sein Investmentbanking mithilfe von Trump aufbauen und sich einen Namen an der Wall Street machen, heißt es im Bericht. Trump als prominenter Partner der Bank habe anfangs zahlreiche weitere Kunden angelockt.

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