Besser als vorausgesagt : Darum war 2019 ein Spitzenjahr an der Börse

Der Dax legt um 25 Prozent zu und korrigiert die Verluste von 2018. Die niedrigen Zinsen bleiben auch im kommenden Jahr der Haupttreiber der Aktienkurse.

Bulle und Bär vor der Börse.
Bulle und Bär vor der Börse.Foto: dpa

Absurd war die Entwicklung in Caracas: Die Kurse schossen in diesem Jahr um verrückte 7700 Prozent nach oben. Zocker machten das dicke Geschäft, während die Mehrheit der Bevölkerung verarmt und Hunger leidet. Venezuela ist eine Ausnahme, doch alle wichtigen Börsenindizes verbesserten sich. Beim Weltaktienindex MSCI sind es rund 23 Prozent, der Dow Jones, der S&P 500 und die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq in den USA liegen bis zu 36 Prozent vorne und damit auf neuen Höchstständen. Der Eurostoxx 50 mit den wichtigsten europäischen Papieren machte ein plus von 24 Prozent. Der Nikkei in Japan und die Börse in Shanghai bringen es jeweils auf rund 20 und 28 Prozent.

Auch der Aktienmarkt in Deutschland kann sich sehen lassen. Es lief viel besser, als Experten vorausgesagt haben. Die allermeisten lagen daneben – auch wenn alle auf einen deutlichen Anstieg des Dax getippt hatten. Meist schwankten die Prognosen zwischen 12.000 und 12.500 Punkten. Nur Gertrud Traud und ihre Analysten von der Landesbank Hessen- Thüringen schafften mit 13.200 Zählern fast eine Punktlandung. Bei 13.000 steht der Deutsche Aktienindex kurz vor Jahresende. Von 10.558 Punkten Ende 2018 ging es um rund 25 Prozent nach oben.

Die Verluste von 2018 – mit minus 18 Prozent das fünftschlechteste Dax- Jahr – wurden mehr als wettgemacht. Obwohl die Umstände mit Brexit-Chaos, dem Handelsstreit zwischen den USA und China, dem generell zunehmenden Protektionismus und der schwächelnden Weltkonjunktur alles andere als günstig waren. Dank niedrigster Zinsen waren Alternativen rar. Zumal Volkswirte mit einer leichten Zinswende nach oben gerechnet hatten und von der neuerlichen Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im September überrascht wurden.

Quelle: Finanzen.net
Quelle: Finanzen.netTsp/Böttcher

Es ist eines der besten Jahre für den Dax überhaupt und das beste seit 2012. Das gesamte Jahrzehnt kann sich sehen lassen: Bei 5957 Zählern stand der Index Ende 2009. Um 120 Prozent und damit deutlich mehr als verdoppelt hat er sich in der Dekade – trotz einiger Tiefen. Am besten gefahren sind in diesem Jahr im Dax die Aktionäre von MTU mit einem Plus von 60 Prozent, Adidas hat um rund 58 Prozent zugelegt, Munich Re, RWE und Deutsche Post liegen mehr als 40 Prozent im Plus, SAP knapp darunter. Nur sechs der 30 Aktien beenden das Jahr im Minus: Wirecard rutscht um gut 20 Prozent ab, Lufthansa um rund 15, Henkel verliert fünf, Continental und Covestro rund drei und die Telekom ein Prozent.

Die höchsten Gewinne aber wurden in der zweiten und dritten Börsenreihe erzielt: Varta kommt auf ein Plus von fast 350 Prozent, die Medizintechnik-Firma Eckert & Ziegler sowie der Essens-Anbieter Hello Fresh auf jeweils rund 190 Prozent. Prominenteste Verlierer sind Leoni (minus 65), Zooplus (minus knapp 40) und K & S mit fast 30 Prozent.

Gold kletterte deutlich

Mit Gold und anderen Edelmetallen sind Anleger 2019 gut gefahren. Gold profitierte wie die Aktien auch von den niedrigen Zinsen. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) kletterte um rund 15 Prozent auf gut 1480 Dollar. Zwischenzeitlich waren es sogar 1550 Dollar.

Was bringt das neue Jahr? Keinen Absturz – da sind sich Fachleute sicher. Die Experten der DZ Bank sehen eine Seitwärtsbewegung und den Dax Ende 2020 bei 13 200 Zählern. Andere wie Ulrich Stephan von der Deutschen Bank oder Helaba-Chef-Ökonomin Gertrud Traud trauen dem Index den Sprung auf das neue Rekordhoch von 14 000 zu. Es wäre ein Plus von sechs Prozent. Unterstützung für die Aktienmärkte kommt auch im neuen Jahr von den Notenbanken. Die US-Notenbank Fed hält die Zinsen unten, die EZB bei null und für Bankeinlagen weiter im Minus. Anleihen und Sparanlagen bleiben unattraktiv.

Unsicherheiten auch im kommenden Jahr

Viel hängt 2020 davon, ob die USA und China ihren Handelsstreit endgültig beilegen. Beide können kein Interesse an einer Fortsetzung haben, US-Präsident Trump im Wahljahr ohnehin nicht. Auch China will seiner Wirtschaft wieder mehr Fahrt verleihen, was wiederum Exporte aus der Eurozone und damit die Gewinne der hiesigen Unternehmen treiben sollte. Nachdem der Brexit sicher ist, sollte von dieser Seite weniger Störendes kommen – auch wenn die Verhandlungen der Briten mit der EU über Austritts- und Zollabkommen noch bevorstehen.

Es bleiben politische Risiken, zum Beispiel im Iran, in Syrien und in der Türkei. Die Probleme in Schwellenländern wie Argentinien oder Chile sind längst nicht behoben. Schließlich wird auch die Klimakrise den Kapitalmarkt beschäftigen, sind Experten überzeugt. Unter dem Strich spricht vieles für solide Aktien. Hierzulande steigt die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge. „Aktien bleiben die aussichtsreichste Anlage“, sagt Joachim Schallmayer von der DekaBank. Allerdings werden Anleger höhere Schwankungen aushalten müssen, vermutet Ulrich Stephan von der Deutschen Bank. Bei einer Perspektive von bis zu 14.000 Zählern Ende 2020 sollte das zu verkraften sein.

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