Bienensterben : Efsa: Insektizide schaden den Bienen

Um das Bienensterben zu beenden, rät die EU-Behörde vom Einsatz bestimmter Neonikotinoide ab. Agrarminister Schmidt prüft noch, ob er bei einem Verbot mitzieht.

Bedrohte Tierart: In Deutschland gibt es immer weniger Bienenvölker.
Bedrohte Tierart: In Deutschland gibt es immer weniger Bienenvölker.Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

Hoffnung für die Bienen: In einem neuen Bericht schätzt die EU-Lebensmittelaufsicht Efsa die drei meistverkauften Neonikotinoide als Risiko für Wild- und Honigbienen ein. Zwei der Insektizide stammen von Bayer, eines von Syngenta.

Brüssel will den Einsatz im Freien verbieten

Die Einschätzung der Efsa ist wichtig für die Frage, ob die Mittel weiter zugelassen werden oder nicht. Der neue Bericht bestätigt eine erste Studie aus dem Jahr 2013. Auch wenn die Risikobewertung insbesondere für Wildbienen damals wegen mangelnder Daten nicht abgeschlossen werden konnte, schränkte die EU-Kommission die Nutzung von Neonikotinoiden danach erheblich ein. Nur in Gewächshäusern und bei ausgewählten Nutzpflanzen wie Wintergetreide dürfen die Insektenvernichtungsmittel weiterhin zum Einsatz kommen. Die Kommission plädiert aber für eine weitere Einschränkung der Anwendung und will die Neonikotinoide im Freien verbieten. Die neue Einschätzung der Efsa stärkt nun die wissenschaftliche Basis für diesen Vorschlag. Bereits Anfang Dezember sollte im zuständigen Fachausschuss über ein vollständiges Freiluft-Verbot abgestimmt werden. Mit Verweis auf den noch ausstehenden Bericht der Efsa wurde das Votum verschoben. Das nächste Treffen des Ausschusses findet am 22. und 23. März statt.

Die Mittel töten Bienen und Hummeln

Neonikotinoide führen in hoher Dosierung zum sofortigen Tod der Tiere. Eine schwächere Dosis raubt Bienen und Hummel den Orientierungssinn, für ihre Völker werden sie so wertlos.
Die Grünen forderten die Bundesregierung auf, einem EU-Freilandverbot für Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid, die etwa zur Behandlung von Saatgut verwendet werden, zuzustimmen. Auch Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz mahnte die Bundesregierung, sich dem Vorschlag der EU-Kommission anzuschließen. "Die Bundesregierung kann sich nicht länger mit dem Argument fehlender wissenschaftlicher Daten herauswinden", kritisierte die Pestizid-Expertin.

Agrarminister Christian Schmidt rechnet mit Verschärfung

Der geschäftsführende Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) rechnet zwar mit einer weiteren Beschränkung der bisherigen Zulassungen, hält sich aber mit einer eigenen Bewertung zurück. Das Ministerium habe den Efsa-Bericht durch das Julius-Kühn-Institut prüfen lassen, erklärte Schmidt. Das Ergebnis dieser Prüfung werde in die deutsche Position für die entscheidungsrelevanten Sitzungen einfließen. "Wie ich angekündigt habe, wird das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Entscheidung auf wissenschaftlicher Basis treffen", betonte Schmidt. Das Vorschlagsrecht für die notwendigen Verordnungen liege bei der EU-Kommission, "dem greife ich nicht vor". Schmidt betonte jedoch: "Wir wollen alle eine verträgliche Koexistenz zwischen Landwirtschaft und Bienen sowie anderen Bestäubern."

Bauern können auf die Mittel verzichten

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, erklärte, die Bauern würden einer Neubewertung der Efsa folgen, forderte aber andere wirksame Mittel für den Einsatz auf Feldern und Obstplantagen. "Wenn wir dadurch eine effektive Wirkstoffgruppe verlieren, um unsere Pflanzen vor Schädlingen zu schützen, ist es jetzt eine echte Herausforderung, Alternativen zu entwickeln und neue Produkte schnell zur Zulassung zu bringen", sagte Rukwied. Wenn sich selbst die Bauern einem Verbot nicht in den Weg stellen, müsse Schmidt jetzt ein Verbot unterstützen. Im Dezember habe der Minister noch öffentlich zugesagt, Neonikotinoide komplett zu verbieten, wenn die Efsa deren Schädlichkeit bestätige, sagte der Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, Harald Ebner, am Donnerstag. Schmidts Ankündigung, das Efsa-Ergebnis jetzt erst einmal überprüfen zu lassen, sei "Wortbruch". Mit dieser Meinung stehen die Grünen nicht allein da. Auch Schmidts Kabinettskollegin Barbara Hendricks (SPD) ist empört. "Ich nehme den Bundeslandwirtschaftsminister beim Wort", erklärte die Umweltministerin. Nach der Mitteilung der Efsa stehe seinem Ja zu einem Verbot "nun nichts mehr im Wege." Hendricks verwies darauf, dass der Koalitionsvertrag für eine neue Bundesregierung von SPD und Unionsparteien "ein ausdrückliches Bekenntnis zum Bienenschutz enthält".

Imker fordern ein Totalverbot

Den Imkern gehen die bisherigen Schritte nicht weit genug. Der Präsident des Deutschen Imkerbunds, Peter Maske, fordert ein „europaweites Verbot aller Neonikotinoide“. Maske warnte davor, dass das Bienensterben ungebrochen anhält. Im vergangenen Herbst habe es 800.000 Völker in Deutschland gegeben, in diesem Jahr dürften es 20 Prozent weniger sein, sagte Maske dem Tagesspiegel. Die Bienen, die wichtig für die Bestäubung der Obstbäume sind, leiden unter den Insektiziden, dem Nahrungsmangel und der Varroa-Milbe. Die Chemiekonzerne Bayer und Syngenta erklärten dagegen, die neue Bewertung der Efsa sei kein Grund für eine weitere Beschränkung der Nutzung von Neonikotinoiden. Sie zweifelten zudem die Schlussfolgerungen der Studie an. Sie entsprächen nicht der "gängigen Mainstream-Wissenschaft zur Gesundheit von Bienen". Bayer und der Schweizer Konzern Syngenta hatten bereits gegen die frühere Beschränkung der Nutzung von Neonikotinoiden vor dem Europäischen Gerichtshof Klage erhoben. Das Verfahren läuft noch.

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