Bilanz : Lufthansa setzt Höhenflug fort

Die Deutsche Lufthansa will nach dem Rekordjahr 2006 ihren Höhenflug fortsetzen und das Gewinnziel von einer Milliarde Euro möglicherweise schon in diesem Jahr erreichen. Auch die Integration der Swiss ist auf gutem Wege.

Frankfurt/Main - Spätestens 2008 wolle Deutschlands größte Fluggesellschaft diese Marke beim operativen Ergebnis übertreffen, kündigte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bei der Bilanzvorlage in Frankfurt an. "Wir schauen optimistisch nach vorne", sagte er. Die Luftfahrt bleibe auch auf absehbare Zeit eine Wachstumsbranche. "Wir sehen und fühlen unsere Chancen und wollen sie nutzen."

Der Lufthansa-Chef warnte davor, in der aktuellen Klimaschutz-Debatte das Fliegen zu verteufeln. Das Flugzeug sei bei Entfernungen über 350 Kilometer "das ökologisch und volkswirtschaftlich beste Verkehrsmittel", sagte Mayrhuber. "Wir sollten es nutzen und nicht brandmarken." Mehr als die Hälfte des erwarteten Wachstums im Luftverkehr könnte etwa mit modernen Flugzeugen, dem Ausbau von Flughäfen und einer effizienteren Flugsicherung ohne zusätzliche Emissionen geschehen. "Es ist an der Zeit, den Öko-Populismus durch Öko-Rationalismus zu ersetzen", forderte Mayrhuber.

2006 stieg der Umsatz dank eines starken Passagierwachstums und Kosteneinsparungen um knapp zehn Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte um 46 Prozent auf 845 Millionen Euro zu. Der Konzerngewinn stieg um 77 Prozent auf einen Rekordwert von 803 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet die Lufthansa bei normalem Geschäftsverlauf mit einer weiteren Ergebnisverbesserung.

Operativer Gewinn verdreifacht sich

Der Passagierrekord von 53,4 Millionen Fluggästen, ein höherer Anteil von Premium-Kunden auf der Langstrecke und Treibstoffzuschläge sorgten für einen starken Anstieg der Verkehrserlöse um 10,4 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn im Passagierverkehr verdreifachte sich auf 409 Millionen Euro. Auf der Langstrecke machen Premium-Passagiere einen Anteil von 19 Prozent aus, sorgen aber für 50 Prozent der Erlöse. In Europa sorgen dagegen Schnäppchenpreise von 99 Euro für steigende Umsätze.

Auf die Treibstoffzuschläge will die Lufthansa vorerst nicht verzichten. 2006 nahm sie damit nach Angaben von Finanzvorstand Stephan Gemkow knapp 500 Millionen Euro ein. Die Treibstoffkosten stiegen 2006 zum Vorjahr um 26 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Ohne Preissicherungsinstrumente wären sie um 150 Millionen Euro höher ausgefallen. "Treibstoff ist und bleibt der Hauptkostentreiber", sagte Gemkow. Für 2007 sei der Preis zu 88 Prozent gesichert.

Kein Verkauf von LSG Sky Chefs

Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo stieg der Umsatz 2006 um 3,3 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. "Unser Frachtgeschäft bleibt auf Erfolgskurs", sagte Mayrhuber. Die Cateringtochter LSG Sky Chefs, bisheriges Sorgenkind im Konzern, schaffte ein Umsatzplus von vier Prozent. Das operative Ergebnis verzehnfachte sich auf 50 Millionen Euro. "Die Restrukturierung trägt Früchte", sagte Mayrhuber. Deshalb gebe es keine Verkaufsabsichten.

Zur Zukunft der Condor machte Mayrhuber keine klaren Angaben. Im Zusammenhang mit der Komplettübernahme des Tourismuskonzerns Thomas Cook durch den anderen Eigner KarstadtQuelle stockt Lufthansa ihren Anteil an Condor von 10 auf 24,9 Prozent auf. Condor gehört zu Thomas Cook. "Wir werden sie weiter auf Profitabilität trimmen und sehen, wie die Zukunft sich entwickelt", sagte Mayrhuber. Verhandlungen zwischen Condor und dem Konkurrenten LTU über eine Fusion gebe es nicht, sagte der Lufthansa-Chef.

Swiss in der Gewinnzone

Die Lufthansa plant derzeit keine Übernahmen anderer Fluglinien. Die Integration der mehrheitlich zur Lufthansa gehörenden Schweizer Swiss kommt laut Mayrhuber besser und schneller voran als erwartet. Die Swiss verdiente im vergangenen Jahr 263 Millionen Franken (163 Mio Euro) nach einem Verlust von 178 Millionen Franken im Vorjahr. Die Swiss habe unter anderem von der guten Wirtschaftslage profitiert und eine bessere Auslastung der Flüge erreicht. Im Linienverkehr reisten 10,5 Millionen Passagiere mit Swiss und damit 9,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nach Angaben der Lufthansa wurden 2006 mehr als 200 Millionen Euro Synergien erzielt, die sich gleichmäßig auf beide Partner verteilen. 2007 soll dieser Beitrag noch höher ausfallen. Die Swiss soll möglichst noch in diesem Jahr voll konsolidiert werden. Swiss-Vorstandschef Christoph Franz sagte, das Unternehmen sei wieder in der Lage, Wachstumschancen zu nutzen und zu investieren. "Wir freuen uns besonders, dass wir neue Arbeitsplätze schaffen", sagte der Swiss-Chef. (tso/dpa)

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