Bilanz von Dussmann : Wieder unter Dampf

Der Konzern bekommt einen neuen Bereich für technische Gebäudedienstleistung und steigert den Gewinn deutlich.

Catherine von Fuerstenberg-Dussmann bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2018.
Catherine von Fuerstenberg-Dussmann bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2018.Foto: DAVIDS/Dominique Ecken

Die Rakete fliegt wieder, und die Chefpilotin ist in Hochform. „Ich fühle mich jung“, sagte Catherine von Fürstenberg-Dussmann am Donnerstag in der Firmenzentrale an der Friedrichstraße. „Ich bin überrascht, wie toll die Rakete geht.“ In den vergangenen Jahren war ein wenig Schub verloren gegangen: Die Witwe von Unternehmensgründer Peter Dussmann und Mehrheitseigentümerin des Dienstleistungskonzerns hatte sich vom Vorstandsvorsitzenden und vom Finanzvorstand getrennt, weil die ihr zu zaudernd waren. 2017 fiel dann die Bruttomarge von 5,8 auf 4,8 Prozent, und der Erbstreit mit der Tochter belastete die Mutter und sorgte für hässliche Schlagzeilen. Das ist (fast) alles Geschichte.

Die Marge steigt auf 6,2 Prozent

„Dussmann erfindet sich neu“, proklamierte Catherine Dussmann am Donnerstag gemeinsam mit Vorstandssprecher Wolfgang Häfele bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2018: Die Marge erhöhte sich von 4,8 auf 6,2 Prozent, der Umsatz stieg um 5,3 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro und die Zahl der Mitarbeiter um 1800 auf 66 100, davon 31 000 (minus 1800) in Deutschland. Die Belegschaft wird noch deutlich größer, denn Dussmann und Häfele kündigten den Kauf einer Engineering-Firma mit einem dreistelligen Umsatz in den kommenden Tagen an. Das Unternehmen soll der neuen Sparte Dussmann Technical Solutions (DTS) angehören, die ihren Sitz in Frankfurt am Main hat und die für eine höhere Wertschöpfungstiefe in der Gebäudedienstleistung sorgen soll.

Großakquisition angekündigt

Häfele hat vor allem Kunden aus der Lebensmittelindustrie und der Halbleiterbranche mit Reinräumen im Blick. Dussmann will sich hier als Projektdienstleister profilieren, der von der Planung und Entwicklung bis zur Ausstattung und Wartung eines Gebäudes alle technischen Dienstleistungen anbietet. Der Vorstandssprecher kündigte weitere Käufe an. „Perspektivisch wollen wir in der Technik den Umsatz vervielfachen“, sagte Häfele, der seit knapp zwei Jahren bei Dussmann arbeitet. „Wir haben eine solide Firepower für Akquisitionen.“

Roboter putzen

Im vergangenen Jahr hatte der Konzern in Norditalien eine Firma für Klima- und Heizungsanlagen mehrheitlich übernommen. Mit der Dresdner DKA Kühl- und Kältetechnik gehört hierzulande bereits ein ähnliches Unternehmen zum Portfolio. Vor einigen Jahren hatte Dussmann ferner das sauerländische Aufzugsunternehmen Hebo gekauft. „Wir wachsen in die Tiefe“, beschrieb Catherine Dussmann das Bemühen des Konzerns weg von der reinen Gebäudereinigung hin zur technischen Dienstleistung. Das sei auch nötig, weil „bei den Soft Services die Preisspirale nach unten geht“ und gut bezahlte Arbeitsplätze künftig auf anspruchsvolleren Tätigkeitsfeldern entstünden. Für die klassische Reinigung setze das Unternehmen zunehmend Roboter ein: „Wir müssen was tun, sonst gehen die Ladys kaputt“, sagte die Konzernchefin mit Blick auf die Arbeitsbelastung. Arbeitsplätze sieht sie weder durch Roboter noch durch den übergreifenden Digitalisierungstrend gefährdet. „Die Ladys müssen alles machen, wo der Roboter nicht hinkommt.“ Und dazu die Geräte einsetzen und kontrollieren.

Das Kulturkaufhaus legt leicht zu

Der Konzern, den Peter Dussmann in den 1960er Jahren als ein Homeservice für Junggesellen in München gegründet hatte, ist bislang auf den Geschäftsfeldern Services/Gebäudemanagement (gut 1,5 Milliarden Euro Umsatz) sowie Pflegeeinrichtungen und Kindergärten (gut 400 Millionen Euro) tätig. Wichtig für das Image, aber geschäftlich eher vernachlässigbar ist das Kulturkaufhaus an der Friedrichstraße, dessen Umsatz seit Jahren bei rund 35 Millionen Euro liegt. „Die Neuausrichtung macht uns viel Freude“, sagte Häfele. Das Kaufhaus war in den vergangenen Jahren modernisiert und das Management ausgewechselt worden.

Saudi-Arabien weiter im Blick

Für den Stiftungsrat des Konzerns mit ihr selbst an der Spitze kündigte Catherine Dussmann ein neues Mitglied an. Der langjährige Diplomat Dieter Haller soll im kommenden Jahr das Gremium erweitern und dem Konzern bei Geschäften in Saudi-Arabien helfen. Haller war einige Jahre deutscher Botschafter in Riad, und Saudi-Arabien gehört trotz Khashoggi- Mord zu den Lieblingszielen von Catherine Dussmann. „Die Saudis brauchen Dussmann“, sagte sie am Donnerstag. Kommende Woche treffe sie Mitglieder einer großen saudischen Familie, um über mögliche Partnerschaften rund um die Gebäudedienstleistung zu reden. „Wir übernehmen vielleicht eine Firma“, kündigte Catherine Dussmann an.

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