Wirtschaft : „Billigflüge gehören verboten“

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Wenn Sie Urlaub machen, wohin fliegen Sie dann?

Privat fliege ich schon lange nicht mehr. Ich plane eine Kanutour im August auf der Oder in Polen. Mit Sack und Pack, alles kommt ins Kanu. Die Route steht noch nicht fest, die muss ich noch austüfteln. Für Greenpeace muss ich manchmal fliegen. In einer internationalen Organisation ist das nur schwer zu vermeiden. Für alle Flüge zahlen wir bei Atmosfair einen Ausgleich für Klimaschutzprojekte.

Kann man heute eigentlich noch guten Gewissens in ein Flugzeug steigen?

Nein, ein gutes Gewissen ist beim Fliegen nicht mehr zu haben. Wir wissen inzwischen ja alle, wie schädlich Flugzeuge für das Klima sind. Daher sollte jeder prüfen, ob er auf das Fliegen so weit wie möglich verzichten kann. Kurztrips per Flieger sollten Reisende ohnehin vermeiden. Billigflüge zu Dumpingpreisen gehören verboten. Ich bin sicher, dass der Flugverkehr abnimmt, wenn die Politik wie in anderen Bereichen Maßnahmen für den Klimaschutz durchsetzt. Daher muss endlich eine Kerosinsteuer kommen, wie sie übrigens schon Frau Merkel in ihrer Zeit als Umweltministerin gefordert hatte. Und der Emissionshandel muss auch den Flugverkehr einbeziehen.

Und wenn sich Fliegen nicht vermeiden lässt?

Da hat wohl jeder seine eigenen Kriterien, wann sich Fliegen vermeiden lässt und wann nicht. Wer darauf angewiesen ist, kann als Ausgleich für Maßnahmen zum Klimaschutz zahlen, dafür gibt es Angebote. Reisende müssen aber die Seriosität des Anbieters prüfen. Trotz dieser Angebote muss ich sagen: Keiner sollte glauben, er belaste durch solche Zahlungen die Umwelt beim Fliegen nicht mehr.

Ist Fliegen beziehungsweise Reisen generell zu billig?

Jedenfalls enthält der Reisepreis nicht die Kosten, die der Allgemeinheit durch das Fliegen entstehen. Alle leiden unter dem Klimawandel. Stürme, Dürren, Gletscherschmelze kommen uns teuer zu stehen, treffen aber vor allem arme Menschen in anderen Teilen der Welt hart. Die Abwälzung der Kosten ist ein generelles Problem auch in vielen anderen Bereichen. Eine Gegenmaßnahme bei der Energieerzeugung ist der Emissionshandel, der den Ausstoß von Kohlendioxid verteuern und damit verringern soll.

Wie kann der Einzelne heute ökologisch vertretbar reisen?

Es ist klar, dass ein Reiseverhalten nach dem Motto „kurz, weit, schnell“ die Probleme verschärft. Besser ist es, länger zu verreisen, nicht zu weite Ziele zu wählen und weniger auf Flugzeug und Auto zu setzen. Wochenendtrips per Flieger sind daher unter Klima-Gesichtspunkten tabu.

Die Fragen stellten Yasmin El-Sharif und Juliane Schäuble.

Brigitte Behrens (55) ist seit acht Jahren alleinige Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland.

Die Diplom-Soziologin gehört der Umweltschutzorganisation seit 1985 an.

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