Birgit Steinborn : Siemens-Betriebsrätin kritisiert Konzernumbau

Unter den Mitarbeitern gebe es viel Misstrauen über den weiteren Weg, sagt Birgit Steinborn, Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Siemens. Dem Konzern fehle die Identität.

Birgit Steinborn ist Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Siemens.
Birgit Steinborn ist Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Siemens.Foto: Thilo Rückeis

Birgit Steinborn, Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Siemens, hat den Stellenabbau unter Vorstandschef Joe Kaeser kritisiert. „Der ständige Druck und die Veränderung hat viele zermürbt“, sagte sie im Interview mit dem Tagesspiegel (Montagausgabe). Für problematisch hält sie etwa den geplanten Börsengang der Energiesparte im kommenden Jahr. „Faktisch gehört das Energiegeschäft mit rund 90000 Mitarbeitern, davon 26000 in Deutschland, dann nicht mehr zum Konzern“, sagte Steinborn. „Das ist eine Zäsur für das Unternehmen, die viele Beschäftigte verunsichert.“

Ihr fehlt zudem die Perspektive des Konzerns. „Was ist heute und morgen die Identität von Siemens?“, fragte sie. „Sind wir noch ein Industrieunternehmen oder schon ein Software- oder Plattformunternehmen?“ Es gebe unter den Mitarbeitern derzeit "Unsicherheit und auch Misstrauen über den weiteren Weg". Als Beispiel nennt Sie die Bereiche Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility, die laut Vorstand die industriellen Kerne von Siemens bleiben sollen. "Aber wie lange gilt diese Zusage", fragte Steinborn. "Viele Siemens-Beschäftigte glauben nicht mehr, dass diese Aussage lange hält." Dabei brauche der Konzern gerade in diesen Zeiten mehr Sicherheit und Vertrauen in die Belegschaft.

Steinborn sieht zu dem das Risiko, „dass notwendige Innovationen und Investitionen zurückgefahren werden, zum Beispiel auch in Weiterbildung, um kurzfristig die hohen Renditeziele zu erreichen“.

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