Börsen : "Bärenmarkt" noch nicht am Ende

Die Weltbörsen kämpfen weiterhin mit den Schockwellen des Kurseinbruchs in Schanghai vor einer Woche. Am deutschen Aktienmarkt ging es weiter rasant abwärts.

Frankfurt/Tokio/New York - Der Dax verlor bis zum Montagnachmittag 1,61 Prozent auf 6496,79 Zähler - dabei hatte der deutsche Leitindex erst vor einer Woche erstmals seit Jahren die Marke von 7000 Punkten kurzfristig überschritten. Marktteilnehmer betrachteten in ihren Kommentaren die Lage nicht als dramatisch, rechneten jedoch fürs Erste mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends.

Die asiatischen Aktienmärkte starteten als erste mit deutlichen Kursverlusten in die neue Handelswoche. Der japanische Nikkei-225-Index rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 17.000 Punkten und schloss 3,34 Prozent tiefer bei 16.642,25 Zählern. Händler begründeten das Minus mit dem starken Yen, der anhaltenden Sorge über die US-Wirtschaft und den schwachen Vorgaben von der New Yorker Wall Street.

Kursrückgang an allen Börsen

In Schanghai schloss der Aktienmarkt mit drei Prozent im Minus. Am vergangenen Dienstag hatte dort ein Kurseinbruch die Börsen weltweit unter Druck gesetzt. Im Minus standen vor allem Stahl- und Finanzwerte. An den Börsen in Hongkong, Südkorea, Taiwan, Singapur und Indien ging es ebenfalls bergab.

Der Dow-Jones-Index verlor zunächst 73 Punkte, erreichte jedoch nach der ersten halben Stunde des Handels ein hauchdünnes Plus von 0,09 Prozent bei 12.125,39 Punkten. Das bekannteste US-Börsenbarometer hatte in der vergangenen Woche 4,2 Prozent verloren. Der mit Technologieaktien vollgepackte Nasdaq-Index fiel um 0,29 Prozent auf 2361,22 Punkte. Er war in der Vorwoche sogar um 5,9 Prozent abgeschmolzen.

Der europäische EuroStoxx50 verlor am Mittag 1,91 Prozent auf 3934,97 Punkte. Der französische CAC 40 sank um 2,06 Prozent auf 5312,79 Zähler. In London büßte der Leitindex FTSE 100 1,86 Prozent auf 6002,70 Punkte ein.

Ende noch nicht in Sicht

"Auch wenn es nach den drastischen Kursrückgängen der vergangenen Tage bald eine technische Gegenreaktion nach oben geben dürfte, ist der Abwärtstrend noch nicht beendet", sagte ein Marktteilnehmer. Die Märkte seien sehr schwankungsanfällig. Der "Bärenmarkt" - die nach unten schlagende Bärentatze als Symbol für fallende Kurse - ist noch nicht zu Ende, meinten Beobachter.

"Noch haben wir das Schlimmste zwar nicht hinter uns. Dennoch sollten langfristig orientierte Anleger ihre Aktien halten, da sich der Markt nach zunächst noch anstehenden Schwankungen bald wieder erholen dürfte", sagte Atul Hatwar von Crosseas Securities im indischen Bombay. Andere Marktteilnehmer sprachen von einer anhaltenden Nervosität unter den Anlegern.

Elke Schöppl von der Fondsgesellschaft Union Investment in Frankfurt sprach von einer "überfälligen aber gesunden Korrektur". Auf Wochenbasis könnte es an den asiatischen Börsen noch einmal abwärts gehen - "für langfristig orientierte Anleger bietet der jüngste Rückschlag aber Möglichkeiten zum Einstieg oder Nachkauf", sagte die auf Asien spezialisierte Fondsmanagerin. Vor allem die Aktienmärkte in China, Südkorea oder Indien hätten weiterhin Potenzial.

"Welt fällig für Korrektur"

Besorgt äußerte sich der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, zur Yen-Aufwertung. In einem Interview von Deutsche Welle TV sagte Walter: "Die Welt war fällig für eine Korrektur, weil es zu steil nach oben gegangen war. Aber der Auslöser war nun mal Schanghai, und die Ereignisse, die aus Asien kommen, drücken mehr als das, was am Markt in Europa passiert."

Auch am russischen Aktienmarkt setzt sich trotz des hohen Ölpreises der Kursrutsch fort. Der RTS-Index des Computerhandels in Moskau fiel bis zum Nachmittag (Ortszeit) um knapp fünf Prozent auf 1707 Punkte. Bei regem Börsentreiben zählten auch die Schwergewichte Gazprom, Lukoil und Sberbank zu den Verlierern. Der RTS-Index erreichte vor einer Woche den historischen Höchststand von 1971 Punkten und fiel seitdem um knap 15 Prozent. (tso/dpa)

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