Börsengang von Healthineers : Siemens putzt Medizintechnik-Tochter heraus

Im März will Siemens Teile seiner Medizintechnik an die Börse bringen. Der Konzern lockt Anleger mit schnellerem Wachstum und höherem Gewinn.

Technik für Mediziner. Computer-Tomograph-Herstellung bei Siemens.
Technik für Mediziner. Computer-Tomograph-Herstellung bei Siemens.Foto: Michaela Rehle/REUTERS

Siemens rückt seine Medizintechnik-Sparte vor dem für März geplanten Börsengang ins rechte Licht. Am Dienstag lockte der Dax-Konzern künftige Aktionäre in London mit den Aussichten auf schnelleres Wachstum und weiterhin profitable Geschäfte seiner Tochter. „Es macht Freude, über Siemens Healthineers zu sprechen“, wurde Michael Sen in einer Mitteilung zitiert, der für die Sparte zuständige Siemens- Vorstand und Aufsichtsratschef von Healthineers.

Tatsächlich sehen die Prognosen, die Sen in London präsentierte, gut aus: Für das Jahr 2018 erwartet Healthineers ein Umsatzwachstum von drei bis vier Prozent (2017: 13,8 Milliarden Euro). In den vergangenen sechs Jahren seit 2012 lagen die Zuwachsraten zwischen 2,0 und 4,8 Prozent. Die Profit-Marge soll im laufenden Jahr zwischen 17 und 18 Prozent liegen (2017: 18,3 Prozent). Mittelfristig will das Unternehmen mit mehr als 47000 Unternehmen noch schneller unterwegs sein. Der Umsatz soll um bis zu sechs Prozent wachsen, die Marge bei bis zu 22 Prozent liegen.

Gut die Hälfte des Gewinns soll ausgeschüttet werden

Klar, dass Siemens betont, dass sich steigende Gewinne auch für die Anteilseigner auszahlen sollen: „Wir erwarten, dass unser nachhaltiges Wachstum sowie unser kontinuierlich starker Cashflow unsere geplante Dividendenpolitik unterstützen werden“, sagte Healthineers- Chef Bernd Montag. Das Unternehmen strebt eine Ausschüttungsquote von 50 bis 60 Prozent an, ähnlich wie der Mutterkonzern Siemens.

Die Medizintechnik zählt zu den Ertragsbringern des Siemens-Konzerns, der Ende 2017 in seiner Kraftwerks- und Antriebssparte einen massiven Stellenabbau angekündigt hatte. Die Hälfte der weltweit fast 7000 wegfallenden Arbeitsplätze soll in Deutschland abgebaut werden. Die Ergebnismarge des industriellen Geschäfts mit Zügen, Kraftwerksgeneratoren oder Windrädern erreichte im vergangenen Jahr 11,2 Prozent.

Die Teile könnten mehr wert sein als das Ganze

Hinter den Börsenplänen des Gesundheitsbereichs steckt das Kalkül von Siemens-Chef Joe Kaeser, dass die Einzelteile von Siemens am Kapitalmarkt mehr wert sind als das Ganze. Analysten taxieren den Wert von Healthineers insgesamt auf bis zu 44 Milliarden Euro. Das ist deutlich mehr als der rechnerische Anteil von 26 Prozent am Gewinn des industriellen Geschäfts von Siemens. Der Konzern will sich nicht komplett von der Tochter trennen, sondern nur 15 bis 25 Prozent an der Börse verkaufen. Mit sechs bis zehn Milliarden Euro Emissionsvolumen wäre der Börsengang damit immer noch der größte seit 1996, als die Deutsche Telekom 10,6 Milliarden erlöste. Die Aktienmehrheit soll auf Dauer bei Siemens bleiben.

Healthineers ist weltweit die Nummer eins in der Bildgebung, die mit Röntgengeräten, Computer- und Magnetresonanz-Tomographen (MRT) 58 Prozent vom Umsatz ausmacht und mit 21 Prozent Rendite die Konkurrenz um Längen schlägt. Nur bei den Ultraschallgeräten hinkt Siemens als Nummer fünf hinter Marktführer GE Healthcare her. Hier will Siemens über Innovationen aufholen. Knapp ein Drittel des Umsatzes entfällt auf Labordiagnostik, also die automatische Auswertung von Blut- und Urinproben, die sich Siemens zum großen Teil in den vergangenen Jahren zusammengekauft hat. Doch am Branchenprimus Roche kommt Siemens nicht vorbei. mit rtr

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