Bürovermittler aus den USA : Wework will noch im September an die Börse gehen

Trotz jüngster Kritik will der US-Konzern Wework schon bald an die Börse gehen. Gründer Adam Neumann nimmt dafür Einschnitte in Kauf.

Räume des Coworking-Anbieters WeWork im Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin.
Räume des Coworking-Anbieters WeWork im Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin.Foto: Jule Müller

Kickertisch, Sofa, offene Küche: Bei Wework erinnert das Büro mehr an eine Wohngemeinschaft als an einen Arbeitsplatz. Ganze Gebäude mietet der US-Konzern dafür an, gestaltet sie um und vermietet sie weiter: an Freiberufler, die nur tageweise einen Schreibtisch brauchen, oder an Konzerne, die gleich monatelang ganze Etagen buchen. Allein in Berlin hat Wework inzwischen acht solcher Coworking-Häuser. Weltweit betreibt der Konzern mehr als 800 Bürogebäude in 34 Ländern und ist damit der größte Anbieter im Markt für flexible Arbeitsräume. Jetzt wollen Miguel McKelvey und Adam Neumann, die Wework im Jahr 2010 gegründet haben, den Konzern an die Börse bringen. Bereits in der letzten Septemberwoche soll es soweit sein, wie das Wall Street Journal am Freitag berichtete. Gelistet werden soll der Konzern demnach an der Nasdaq, der amerikanischen Techbörse.

Indem sich die Gründer von Wework für die Nasdaq und gegen die New York Stock Exchange (NYSE) entscheiden, setzen sie ein Zeichen: Sie zählen sich selbst bewusst zu den Techwerten. Zuletzt hatten sie sich immer wieder die Frage gefallen lassen müssen, ob Wework denn überhaupt ein Techkonzern sei. Schließlich macht der Konzern eigentlich nichts anderes, als Büros zu vermieten. Wework selbst sieht sich aber lieber als Plattform, über die Nutzer Büroflächen finden.

Mit dem Börsengang haben die Gründer es nun eilig. Dabei soll ihr Großinvestor Softbank zuletzt noch versucht haben, sie dazu zu überreden, den Börsengang abzusagen. Streit hat es offenbar vor allem über die hohe Bewertung des Konzerns gegeben. Auf 47 Milliarden Dollar hat Wework selbst seinen Wert ursprünglich geschätzt – damit wäre der Bürovermittler in etwa so wertvoll gewesen wie BMW. Investoren aber kam diese Summe viel zu hoch vor, weshalb der Konzern sich immer kleiner gerechnet hat. Von 20Milliarden Dollar war zuletzt die Rede, jetzt soll der Konzern laut „Financial Times“ nur noch eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar anstreben.

Die Macht von Gründer Adam Neumann wird beschränkt

Auch sonst scheint der Konzern zu einigen Einschnitten bereit zu sein, um das Unternehmen an die Börse zu bringen. So reagierte er jetzt auch auf die Kritik, die es an der Übermacht von Gründer Adam Neumann gegeben hat. Mit seinen Anteilen am Konzern hielt Neumann bislang das 20-fache der Stimmrechte eines herkömmlichen Aktionärs – was bei potentiellen Investoren nicht gut ankam. Jetzt hat Neumann seine Stimmrechte auf das zehnfache heruntergeschraubt.

Adam Neumann ist Gründer und Chef von Wework.
Adam Neumann ist Gründer und Chef von Wework.Foto: REUTERS

Ebenfalls eingeschränkt wird der Einfluss seiner Frau Rebekah Neumann, einer Cousine der Schauspielerin Gwyneth Paltrow. Sollte ihrem Mann etwas zustoßen, sollte sie entscheiden, wer ihm als Vorstandsvorsitzender bei Wework folgt. So sahen es die Statuten des Unternehmens vor. Investoren hätten auf diese Weise keinerlei Mitsprache bei der Besetzung des Chefpostens gehabt, weshalb diese Regelung mit Blick auf den Börsengang heftige Kritik ausgelöst hat. Nun hat Neumann auch diese Regelung gekippt.

Durch all diese Zugeständnisse will der Wework-Gründer bei potentiellen Aktionären punkten. Bereits an diesem Montag soll er US-Medien zufolge mit seiner Roadshow für den Börsengang beginnen, um Investoren persönlich von sich und seinem Konzern zu überzeugen.

Es liegt viel Arbeit vor ihm, zumal Wework auch neun Jahre nach der Gründung noch Verluste macht. Allein im ersten Halbjahr 2019 lag das Minus bei 670 Millionen Dollar. Doch Gründer Neumann nimmt das sportlich. Schließlich will er mit seinen Büros auch Erfolg neu definieren, wie es auf der Website des Konzerns heißt. Messen will er ihn „als Kennzahl unserer persönlichen Erfüllung, nicht nur anhand von Bilanzergebnissen“.

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