Bundesverband Deutscher Startups : Die Junglobbyisten lassen sich feiern

Vor fünf Jahren gründeten Start-up-Unternehmer einen eigenen Verband. Dessen Stellenwert zeigte auch die Geburtstagsfeier mit politischer Prominenz.

Verbandschef Florian Nöll mit FDP-Chef Christian Lindner auf der Feier des Startupverbandes.
Verbandschef Florian Nöll mit FDP-Chef Christian Lindner auf der Feier des Startupverbandes.Foto: BVDS

Als Florian Nöll begann, Unternehmen zu starten, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass seine erfolgreichste Gründung mal ein Verband sein wird. Auch seine Start-ups liefen nicht schlecht: Eines verkaufte er an MyHammer und auch die Spendenplattform Spendino wurde übernommen. Mit dem Bundesverband Deutsche Startups können sie jedoch nicht mithalten.

Welchen Stellenwert der inzwischen hat, zeigte sich am Donnerstagabend bei der Feier des fünfjährigen Bestehens. Als Gratulanten kam die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) ebenso, wie FDP-Chef Christian Lindner, der seinen ersten öffentlichen Auftritt nach der Absage an ein Jamaika-Bündnis absolvierte. Für Lindner war es ein Heimspiel: Schließlich wählen laut Startup-Monitor, der großen jährlichen Gründerbefragung des Verbandes, 39 Prozent FDP. „Ich wäre gern als designierter Minister für etwas Spannendes hierhergekommen und hätte euch auch gern ein Venture-Capital-Gesetz als Geschenk mitgebracht“, erklärte der Liberale. Doch der Preis wäre zu hoch gewesen. Und schon die Sondierungen erweckten bei ihm offenbar den Eindruck, bei einem Jamaika-Bündnis würde die FDP von Schwarz-Grün in Geiselhaft genommen werden. Nach den vier Wochen sei zwischen ihnen ein „Stockholm-Syndrom“ gewachsen, ätzte Lindner.

Valley-Trips mit der "lieben Brigitte"

Das gute Verhältnis zu den Liberalen hatte sich auch schon in den Anfängen des Verbandes gezeigt. Wenige Monate nach der Gründung 2012 flogen die Junglobbyisten mit dem damaligen Wirtschaftsminister Rösler ins Silicon Valley. Es war die Zeit, als der Valley-Tourismus begann. Und auch der Verband organisiert seither jährliche Weiterbildungstrips nach Kalifornien. Längst wurde der Katalog des Start-up-Reisebüros um Orte wie Tel Aviv oder New York erweitert. Auch Zypries gehört dabei gern zu den Teilnehmern. Das Reiseprogramm sei naturgemäß schöner als beim Bundesverband der Braunkohle, sagte sie bei der Feier. Und es ist natürlich eine hervorragende Möglichkeit, ein intensives Kontaktnetzwerk zu knüpfen. „Ihr habt in unglaublicher Geschwindigkeit gelernt, was gute Verbandsarbeit ausmacht“, lobte Brigitte Zypries.

Das politische Geschick zeigt sich darin, wie die FDP-Fans um den CDU-Mann Nöll ihren engen Draht zum Wirtschaftsministerium eben auch behalten haben, nachdem die SPD das Ressort übernommen hatte.

Dabei kam es dem Verband natürlich zu Gute, dass Politiker gern Selfies mit hippen jungen Firmengründern machen und Digitalthemen in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen haben. Vor fünf Jahren war das noch anders. Der Start-up-Boom hatte zwar schon begonnen, doch die Politik konnte damit noch wenig anfangen. Auch der Szene fehlte es jedoch an einer Interessensvertretung. „Ihr habt die Lücke erkannt und gefüllt“, sagte „die liebe Brigitte“, wie Zypries von den Start-up-Lobbyisten gern genannt wird.

Die Verdienste des Verbandes

Auch einige Erfolge hat der Verband in seiner jungen Geschichte schon erzielt. Allen voran der erfolgreiche Kampf gegen das so genannte Anti-Business-Angel-Gesetz, mit dem Steuervorteile bei kleineren Beteiligungen an Start-ups wegfallen sollten. „Das haben wir in fünf Jahren vier Mal verhindert“, sagt Nöll. Lob gibt es dafür auch vom CDU-Digitalexperten Thomas Jarzombek, obwohl die Initiative für das verhasste Gesetz maßgeblich vom hessischen CDU-Finanzminister betrieben wurde. „Die Wahrnehmung für Gründer auf der politischen Agenda ist sicher auch ein Verdienst des Verbandes“, sagt Jarzombek.

Wobei auch andere ihre Aktivitäten in diesem Bereich verstärkt haben. So hat der Digitalverband Bitkom eine eigene Start-up-Mitgliedschaft eingeführt. „Wir sehen den Verband aber nicht als Konkurrent“, sagt Niklas Veltkamp, der beim Bitkom den Geschäftsbereich Start-ups leitet. Jeder Akteur, der ähnliche Forderungen habe, sei hilfreich. Und so kam am späten Abend auch noch der neue Bitkom-Präsident Achim Berg zum Gratulieren vorbei.

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