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Carsharing-Töchter : Drive-Now und Car-2-Go fusionieren

Die Carsharing-Anbieter Drive-Now und Car-2-Go schließen sich zusammen. Auch ihre Mobilitätsdienste bündeln BMW und Daimler unter einem Dach.

Fahren zusammen. Daimlers Car-2-Go und Drive-Now von BMW bieten in Berlin insgesamt 2500 Fahrzeuge an und haben 500.000 Kunden.
Fahren zusammen. Daimlers Car-2-Go und Drive-Now von BMW bieten in Berlin insgesamt 2500 Fahrzeuge an und haben 500.000 Kunden.Foto: imago/Sebastian Geisler

BMW und Daimler sind bei Carsharing und Mobilitätsdiensten künftig gemeinsam unterwegs. Beide Autobauer vereinbarten am Mittwoch die schon länger erwartete Zusammenlegung ihrer Carsharingtöchter Drive-Now und Car-2-Go. Zusammen bieten beide nun 20.000 Autos in 31 Städten mit mehr als vier Millionen Kunden an. In Berlin entsteht ein Carsharing-Riese mit insgesamt 2500 Fahrzeugen und knapp 500.000 Kunden, für die sich zunächst nach Angaben der Unternehmen nichts ändern soll.
In dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen, an dem BMW und Daimler seit rund einem Jahr arbeiten, bündeln die Unternehmen auch ihre Mobilitätsdienstleistungen wie Taxi- und Parkplatz-Apps, Chauffeur-, Shuttle- und Mitfahrdienste sowie die Zugänge zur Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Rechnet man alle Geschäftsbereiche zusammen, kommen BMW und Daimler weltweit auf 40 Millionen Kunden. Die Unternehmen sprechen von einem „ganzheitlichen Ökosystem an Mobilitätsdiensten“. Ziel sei es, „dieses neue Geschäftsmodell gemeinsam nachhaltig voranzutreiben sowie eine schnelle, weltweite Skalierung des Angebots“ zu ermöglichen. BMW-Chef Harald Krüger sprach von einem „Zeichen in Richtung neue Wettbewerber“.

"Pioniere des Autobaus" wehren sich gegen neue Wettbewerber


Gemeint sind Fahrdienste wie Uber und Didi oder Technologiekonzerne wie Google & Co., die den Autokonzernen in ihren neuen, datenbasierten Geschäften Konkurrenz machen – oder voraus sind. „Als Pioniere des Automobilbaus werden wir nicht anderen das Feld überlassen, wenn es um die urbane Mobilität der Zukunft geht“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche.
Für die Autobauer macht eine Zusammenlegung der Geschäfte auch deshalb Sinn, weil sie bislang unter dem Strich keinen oder nur einen kleinen Gewinnbeitrag liefern. Je größer die Kundenzahl ist, desto wahrscheinlicher werden Gewinne. Sollten die Kartellbehörden in diesem Jahr grünes Licht geben, würde sich die Bündelung auf die Bilanz von Daimler und BMW positiv auswirken. Statt eines Betriebsgewinns (Ebit) auf dem Niveau des Vorjahres prognostiziert Daimler nun ein Ebit leicht über dem Vorjahreswert. Auch BMW erwartet in diesem Fall einen leichten Anstieg des Vorsteuerergebnisses statt einer Stagnation. Auf die Ebit-Marge im Segment Automobile hätte die Fusion keinen Einfluss.

Vom klassischen Autobauer zum Mobilitätsdienstleister


Mit Blick auf das Joint-Venture hatten BMW und Daimler in den vergangenen Monaten ihre bisherigen Carsharing-Partner Sixt und Europcar herausgekauft. Weil die Gespräche nicht vorankamen, schalteten sich zuletzt Zetsche und Krüger persönlich ein. Seit den Kartellvorwürfen im vergangenen Jahr ist das Verhältnis der Autobauer angespannt, eine Einkaufskooperation von BMW und Daimler wurde zum Beispiel auf Eis gelegt. Doch der Druck, die Mobilitätsdienstleistungen auszubauen und profitabel zu machen, steigt. Die Dieselkrise hat das Image der Autokonzerne beschädigt, in den Großstädten wird über Fahrverbote nachgedacht, um die Luft zu verbessern. Zudem verliert das eigene Auto bei jüngeren Menschen an Bedeutung. Mit ihren attraktiven Carsharing-Flotten bieten BMW und Daimler quasi „bezahlte Probefahrten“ an. Hier bleiben die Fronten nach wie vor erhalten: „Im Wettstreit um die besten Premium-Fahrzeuge bleiben wir Wettbewerber“, sagte BMW-Chef Krüger.

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