Cebit 2007 : Zoll stellt Kleinbusladung möglicher Plagiate sicher

Auch wenn die Branchenriesen fehlen - die Ausrichter der Computermesse Cebit sind mit dem Start zufrieden. Hauptthemen sind eine Maut fürs Internet, neue Navigationsgeräte und der Kampf gegen Produktpiraterie.

Hannover - Das Internet könnte nach Befürchtungen von Experten einen seiner größten Vorteile verlieren. Eine drohende "Breitband-Maut", ungeklärte rechtliche Fragen und die Versuche von Netzwerkbetreibern, Gebühren zu erheben, bedrohten das offene und freie Netz, meinten Experte auf der weltgrößten Computermesse Cebit. "Damit würde das Prinzip der Netzneutralität aufgegeben, auf dem das Internet gegründet wurde", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco, Harald Summa. Bedroht sei das freie Internet aber zugleich auch durch eine Tendenz zum "Sperren und Blocken", sagte Summa.

Sieben Tage lang dreht sich auf dem Messegelände in Hannover alles um digitale Technik, Computer und Telekommunikation. Die Messe ist nach Veranstalter-Angaben gut gestartet. "Wir sind mit dem Besuch am ersten Tag sehr zufrieden, er liegt auf Vorjahresniveau", sagte ein Sprecher der Deutschen Messe AG. Bis zum nächsten Mittwoch stellen insgesamt 6059 Firmen aus 77 Ländern ihre Produkte aus. Dies sind weniger als 2006, Branchenriesen wie Nokia und Motorola fehlen, die Ausstellungsfläche sank.

Sicherheitsthemen allgegenwärtig

Wie bereits früher schon ist Produktpiraterie auch in diesem Jahr wieder ein Thema auf der Cebit. Zollbeamte und Fachanwälte sind auf dem Gelände unterwegs und suchen nach Ausstellern, die ohne Erlaubnis fremde Technik benutzen oder kopieren. Wie Oberstaatsanwalt Manfred Knothe mitteilte, hat der Zoll bereits eine ganze Kleinbusladung möglicher Plagiate sichergestellt.

Sicherheitsthemen sind auch in der Internetwirtschaft allgegenwärtig. Die Branche sorgt sich etwa um die massenhaft auftretenden "Spam"-Mails, die die elektronischen Postfächer mit unerwünschten Werbebotschaften und kriminellen Offerten überschwemmen. Dennoch kommt ohne Netzzugang inzwischen kaum noch jemand aus.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will seinen bisherigen Internet-Ergebnisdienst auf der Online-Plattform www.fussball.de jetzt noch ausbauen. Der Verband stellte den mit Hilfe der Deutschen Telekom neu gestalteten Service vor. "Es soll eine Plattform für alle Fans sein, die wissen wollen, was auch in den Heimatvereinen los ist", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

Navigationsgeräte gehen neue Wege

Immer mehr halten auch Navigationsgeräte in Deutschland Einzug. Nach den elektronischen Wegweisern fürs Auto hat ein Reiseführerverlag auf der Cebit jetzt ein mobiles Gerät vorgestellt, das Navigation, Tipps, Führungen und Information über Kopfhörer miteinander verbindet. Die Neuheit aus dem Traditionsverlag Merian weist den Wege, identifiziert den Standort, hält Auskünfte aus 50 Reiseführern und 30.000 Berichte und Hintergrundinformationen in Mini-Hörbüchern bereit. Das Gerät soll pünktlich zum Sommerurlaub auf den Markt kommen und 600 bis 900 Euro kosten.

Die Deutsche Bahn und Vodafone wollen von Oktober an eine neue Lösung zum Bezahlen per Handy testen. Statt am Automaten oder beim Busfahrer ein Ticket zu kaufen, soll der Kunde dabei jeweils bei Abfahrt und Ankunft auf eine Handy-Taste drücken. Die Bahn und der Telekom-Konzern wollen das Verfahren mit dem Namen "Touch&Travel" in den kommenden Jahren zur Marktreife entwickeln, teilten sie mit. Erste Praxistests sollen in diesem Jahr starten. (tso/dpa)

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